Millionenstrafe gegen LCD-Hersteller

UnternehmenDie Europäische Kommission hat diese Woche sechs LCD-Hersteller mit einer Geldstrafe von insgesamt 648,925 Millionen Euro belegt. Die Kommission sieht es als bewiesen an, dass die sechs Unternehmen Kunden im europäischen Wirtschaftsraum vorsätzlich im Zeitraum von 2001 bis 2006 durch wettbewerbswidriges Verhalten geschädigt haben.

Dir Firmen haben sich im besagten Zeitraum etwa 60 mal in so genannten multi- und bilateralen "Crystal-Meetings" getroffen und dort unter anderem über Preismargen und Mindestpreise für LC-Displays beraten und entschieden. So konnten die Preise dauerhaft hoch gehalten werden und auch in Spitzenzeiten (z.B. die Fußball-WM 2006) kein wirklicher Preiskampf entstehen.
Besonders schwer wiegt zudem der Fakt, dass den Unternehmen der Verstoß gegen europäisches Recht bewusst war und sie deshalb versuchten, die Treffen, welche zumeist in taiwanischen Hotels stattfanden, geheim zu halten.

.Geldbuße in Euro
(inkl. Senkung)
Erlass
(Kronzeugenreglung)
Samsung0100 %
LG Display215.000.00050 % (100 % in 2006)
AU Optronics116.800.00020 %
Chimei InnoLux Corporation300.000.0000 %
Chunghwa Pictures Tubes9.025.0005 %
HannStar Display Corporation8.100.0000 %


Die verhängten Bußgelder betragen bis zu 300 Millionen Euro für ein Unternehmen und wurden entsprechend der "besonderen Schwere des Verstoßes, seiner Dauer sowie der Tatsache, dass das Kartell den gesamten EWR betraf." und den Absatzzahlen der Hersteller festgesetzt.

Samsung wurden 100 Prozent der Strafzahlung erlassen, da man die Kommission über das Kartell informierte und so das Verfahren erst ermöglichte. Nach dieser Kronzeugenreglung kam auch die MediaSaturn Holding, bekannt unter den Marken MediaMarkt sowie Saturn, straffrei beim Intel-Kartellverfahren davon.
LG Display lieferte weitere Beweise sowie als erster auch entsprechende Belege, dass auch nach 2005 noch entsprechende Absprachen getroffen wurden. Dementsprechend wurde ein "teilweiser Geldbußenerlass" von 100 Prozent für das Jahr 2006 erlassen.
Das Unternehmen AU Optronics sowie Chunghwa Pictures Tubes belasteten sich im weiteren Verfahrensverlauf selbst und erhielten somit einen Erlass von 20 respektive fünf Prozent. Die Unternehmen Chimei InnoLux Corporation sowie HannStar Display Corporation trugen nicht selbst zum Verfahren bei und erhalten dementsprechend auch keine Minderung des Strafmaßes.

Nach der Verordnung (EG) 1/2003 ist der Beschluss bei allen staatlichen Gerichten innerhalb der EU wirksam und kann für Schadensersatzforderungen von Personen und Unternehmen herangezogen werden. Eine Minderung der Schadensersatzansprüche in Hinsicht auf die Geldbuße der Kommission wird es nicht geben.


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7 Kommentare

7.) Overclocked 14.12.2010 - 21:28 Uhr
Rainerstd:
Samsung ist ja dann wohl der große Verräter, erst mit absahnen und dann Petzen gehen. Was hats gebracht? Kohle und geschädigte Konkurrenten. Wenn das mal nicht so gewollt war... :twisted:


Das war wohl mit Sicherheit so gewollt! Unglaublich was Firmen heute für krumme Dinger abziehen können :roll: ohne Konsequenzen spüren zu müssen!
6.) Rainerstd 14.12.2010 - 05:42 Uhr
Ich kann ja Preisabsprachen irgendwo verstehen, Innovationen kosten Geld und die müssen sich natürlich erstmal bezahlt machen. Nur mit genügend Geld kann man an neuen Produkten, und vor allem ausgereiten, arbeiten. Schließlich will der Kunde ja auch was "gutes" kaufen.
Jedoch ist es so nicht gelaufen. Eine Generation bestand nur aus schickeren Schalen, die Technik war die alte. Also lautet meine These: Einige Herren haben sich die Taschen voll gehauen. Samsung ist ja dann wohl der große Verräter, erst mit absahnen und dann Petzen gehen. Was hats gebracht? Kohle und geschädigte Konkurrenten. Wenn das mal nicht so gewollt war... :twisted:
5.) (th) 13.12.2010 - 23:58 Uhr
wow - Samsung als der größte Hersteller hat auch noch die besten karten bei diesem Spiel gezogen und zahlen keinen müden pfennig. Tjo wurde bestimmt hart spekuliert ob mans verrät oder nicht :)
4.) N1truX 12.12.2010 - 13:17 Uhr
Naja gut, mein Link ist ja auch schon 2 Jahre alt und mittlerweile ist man auch da ein gutes Stück weiter. Und auch in Zukunft werden die Hersteller weiterhin Glas vor Displays verbauen (Mobile, Fernseher etc.) und da kann man auch das andere Verfahren einsetzen, oder natürlich auch für Linsensysteme.
Aber interessant sind beide Herangehensweisen und wahrscheinlich dürfte der Anwendungsbereich am Ende entscheidend sein.
3.) Phenocore 12.12.2010 - 12:05 Uhr
N1truX:

PS: Hier ein Link dazu^^

Das ist ja noch Laborstadium.

Hier mal was im Prototypenstadium: http://idw-online.de/pages/de/news367369

Außerdem sind die Displays meist aus Kurstoff, nicht aus Glas, da passt das Verfahren von Fraunhofer dann auch eher zur Displayherstellung. Aber wirklich Einzug in die Massenfertigung kann das nur haben, wenn es in der Displayindustrie auch Konkurrenz gibt und nicht alles abgesprochen wird und verkauft, egal was der Kunde letztendlich davon hält....
2.) N1truX 12.12.2010 - 08:54 Uhr
Naja gut, die IT-Branche ist ja untereinander kein Buch mit 7 Siegeln, da weiß der eine schon was der andere macht und auf den Messen werden ja "Trends gemacht". Und wenn sich die Industrie einig ist, dass "glare" mit "hohem Kontrast und satteren Farben" das wird, dann wird das halt auch so kommen ;)

Zumal ja auch die normalen Displays nicht wirklich Matt sind. Richtig gut sind entspiegelte Displays. Es gibt da seit kurzem ganz nette Techniken mit Nanostrukturen auf den Glasscheiben, die Mittels Laser eingebrannt werden und wirklich gut entspiegeln. Wurde mMn. auch in Deutschland entwickelt.

PS: Hier ein Link dazu^^
1.) Phenocore 11.12.2010 - 19:51 Uhr
Wer weiß, was die noch abgesprochen haben...
Diese Umstellung von Matt auf Glare-Bildschirme bei Consumer-Laptops ging auch so schnell und von allem Firmen quasie gleichzeitig, als ob nur eine Firma die Monitore produziert....bzw, als ob die sich auch da abgesprochen hätten...