Intel stellt Atom-Abkömmling Tunnel Creek vor

IntelUnter dem Namen Tunnel Creek hat Intel auf der derzeit in Peking stattfindenden IDF - Intel Developer Conference - die erste Version seines auf der Atom-Architektur basierenden SoCs Moorestown vorgestellt. Die Einsatzgebiete sollen laut Intel primär Multimediasysteme in Autos sein, aber auch Anwendungsgebiete wie Tablets und letztlich Smartphones sollen mit Tunnel Creek erschlossen werden. Damit darf Tunnel Creek als Intels erster eigentlicher Angriff auf die ARM-Prozessoren gelten und löst die Z500-Reihe der Atoms ab, die noch zur ersten Atom-Generation zählt.

Intel Atom - Tunnel Creek IDF2010

Tunnel Creek setzt auf einen einzelnen Atom-Kern, dessen Die als hochintegriertes SoC auch einen Grafikkern und einen Speichercontroller enthält und zudem externe Geräte über PCI-Express anspricht. Die GPU ist eine Nachfolgeversion der auf PowerVR-Technik basierenden GMA500-GPU der aktuellen Z500-Serie. Damit dürften hier auch einige Multimediafähigkeiten vorhanden sein, denn im Gegensatz zur GMA3150-GPU der "großen" Atoms, also dem N450, N470 und den Desktopversionen D410 und D510, beherrscht der GMA500 zum Beispiel auch die Beschleunigung von Flash-Videos und HD-Material, was bei den normalen Atoms nur über einen Broadcom-Zusatzchip oder eine externe GPU möglich ist. Für die Southbridge der Queensbay getauften Plattform setzt Intel auf einen Chip mit dem Codenamen Topcliff, der einen Gigabit-Ethernet-Controller, einen SATA-AHCI-Controller und USB- und PCI-Express-Schnittstellen - insgesamt wohl vier PCI-Express 2.0-Lanes - bereitstellt. Angeblich soll man mit Tunnel Creek auch in der Lage sein, normale BIOS-Systeme anzusprechen, was bei dem anderen Moorestown-Ableger Lincroft nicht der Fall sein wird.

Tunnel Creek soll in Versionen mit 0,6, 1,0 und 1,3 GHz erscheinen. Das hört sich für einen normalen PC-Benutzer wenig an, da man gewohnt ist, alles im Vergleich zu Desktopprozessoren zu sehen. Bei Tunnel Creek scheint aber der Vergleich mit den aktuellen ARM-Prozessoren sinnvoller, als auf andere x86-Chips zu sehen, die ein ganz anderes Einsatzgebiet haben. Und da die IPC bei den Atoms höher ist als bei vergleichbaren ARM-Kernen - zumindest der Cortex A8-Generation -, dürfte man zum Beispiel mit der 1 GHz-Version immer noch schneller unterwegs sein als mit Apples aktuellem A4-Prozessor, der im iPad verbaut ist und ebenfalls mit 1 GHz taktet. Bright Side of News hat hier kürzlich Benchmarks zu einem Vergleich zwischen ARM- und x86-Technik gemacht, die allerdings aufgrund der schwer vergleichbaren Plattformen mit äußerster Vorsicht zu genießen sind. Zudem dürfte beispielsweise Nvidias Tegra 250, der auf zwei 1 GHz schnelle Cortex A9-Kerne setzt, deutlich schneller sein als Apples ARM-Prozessor. Und Global Foundries arbeitet an nochmals deutlich leistungsfähigeren und gleichzeitig sparsameren Varianten der Cortex A9-Chips, dann schon in 28 nm. Somit dürfte das Rennen um hohe Leistung bei möglichst geringem Verbrauch weiterhin zugunsten der ARM-Prozessoren ausfallen, aber zu bemerken ist, dass Intel hier recht schnell aufholt.

Als Kunden für die neue Plattform nennt Intel BMW und Mercedes, die zukünftig mit Systemen von Harmann auf Atom-Technik setzen wollen, während man bei VW und Audi Nvidias Tegra 250 einsetzt. Hier sieht man demnach schon die Konkurrenzsituation zwischen ARM-Derivaten und Intels x86-Soc. Nach wie vor nicht gelungen ist Intel der Sprung in Smartphones. Hier scheint der Energiehunger im Vergleich zu dem ARM-Prozessoren immer noch zu groß und zudem ist hier die x86-Kompatibilität dank Betriebssystemen wie Android, das auf Linux basiert, unerheblich. In der etwas größeren Kategorie der Tablets dürfte der neue Intel-Chip aber jedenfalls guten Anklang finden. Als Betriebssystem plant Intel hier das zusammen mit Nokia entwickelte MeeGo, ein Linuxderivat.

Interessant ist, dass Intel-CEO Paul Ottelini heute erwähnt hat, dass Anfang 2011 auch ein sparsamerer Atom für lüfterlose Netbooks erscheinen soll. Ob es sich dabei um eine Version von Tunnel Creek für Netbooks handelt, bleibt aber abzuwarten, erscheint aber plausibel.


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