9600 GT: Übertakten via PCIe-Takt

NvidiaUnter der Überschrift GeForce 9600 GT zu schnell? verfassten wir bereits Mitte Februar eine News. Allem Anschein nach waren nicht nur wir von der relativ guten Performance, die sich dann auch während des Tests einstellte, beeindruckt, sondern auch die Kollegen von "techPowerUp", die daraufhin ergiebige Nachforschungen begannen.

Stein des Rollens war neben der verblüffenden Performance der Chiptakt, welcher von verschiedener Software verschieden ausgelesen wurde. Nvidia bestätigte allerdings, dass der Chiptakt 650 MHz beträgt und stoppte damit vorerst die Ursachenforschungen bzw. lenkte sie auf eine falsche Fährte. Doch der Chiptakt und die GeForce 9600 GT sind zwei Komponenten, die mehr miteinander zu tun haben, als Nvidia der Presse weismachen wollte.

Für gewöhnlich setzt sich der Chiptakt einer Grafikkarte aus einem Taktgeber zusammen, der eine Grundfrequenz zwischen 13- und 27 MHz aufweist. Dieser Wert wird mit ganzzahligen Werten multipliziert und dividiert und ergibt so letztendlich den gewünschten Chiptakt. Im Falle der 9600 GT heißt es, dass der Taktgeber 25 MHz beträgt. Damit wäre beispielsweise eine Rechnung wie folgende möglich, um an die besagten 650 MHz heranzukommen: 25 MHz * 78 / 3 = 650 MHz. Diese jeweils spezifische Formel ist stets in Hardware gegossen und kann daher softwareseitig nicht verändert werden. Nicht so bei der 9600 GT.

Im Regelfall nutzt man zur Erzeugung des Taktgebers einen kristallinen Oszillator, bei der 9600 GT scheint man sich jedoch erstmalig des schon vorhandenen PCI-Express-Takts, welcher überlicherweise 100 MHz beträgt, bedient zu haben. Diesen Wert durch vier geteilt, hat man ohne große Mühen einen Taktgeber von besagten 25 MHz. Doch was bedeutet all' dies nun für den Anwender, dem es normalerweise gleichgültig ist, wie sich der Taktgeber seiner Grafikkarte auseinander setzt.

Nun, dadurch, dass Nvidia bei der 9600 GT den PCI-Express-Takt als Taktgeber nutzt, kann über diesen Takt auch der Chiptakt verändert werden. Hebt man beispielsweise den PCI-Express-Takt von 100- auf 120 MHz an, so erhält man nicht mehr nur mehr Bandbreite zwischen der Grafikkarte sowie dem restlichen System, sondern auch einen Chiptakt, getreu unserem Beispiel, von 780 MHz ((120 / 4) * 78 / 3). Softwareseitig sollten pikanterweise jedoch weiterhin 650 MHz Chiptakt ausgelesen werden. Praxistests wie "3DMark06: Multitexture-Fillrate" beweisen jedoch, dass tatsächlich ein Chiptakt von 780 MHz angenommen wurde.

Eigentlich ist die Idee in ihrem Grundgedanken, über den PCI-Express-Takt den Chiptakt zu verändern, nicht schlecht. Schließlich wird so keine Software zum Übertakten mehr nötig und die Einstellungen lassen sich betriebssystemübergreifend im Bios festhalten. Einen Haken hat die Geschichte jedoch, den sich Nvidia paradoxerweise selbst zuzuschreiben hat. Man erinnere sich noch an die so genannte LinkBoost-Technologie, die wir im damaligen Launch-Bericht zum nForce 500 ausführlich vorstellten. Bei der Technik, die dem damaligen Flaggschiff nForce 590i vorbehalten war, wird schlicht und ergreifend der PCI-Express-Takt um 25 Prozent, also von 100- auf 125 MHz angehoben - automatisch, ohne Einfluss des Nutzers. Nvidia versprach sich davon eine schnellere Kommunikation zwischen Grafikkarte und PC-System.

Wenn man nun ahnungslos eine GeForce 9600 GT-Karte in seine nForce-590i-Platine steckt, wird man vermutlich böse überrascht werden. Denn der Chiptakt beträgt anstelle von 650- 812,5 MHz und dürfte damit manche 9600 GT grillen, bevor diese je eine Textur gerendert hat. Ob Nvidia nachträglich eine Warnung an entsprechende Besitzer schickt, bleibt abzuwarten. Eigentlich ist es jedoch empörend, dass Nvidia diese Information bislang verschwieg und so manche 9600 GT-Besitzer zur Weißglut bringt. Das Fatale ist obendrein, dass nicht nur Nvidas nForce-590i-Chipsatz betroffen ist, sondern auch andere, teils aktuelle High-End-Platinen. Wir können an dieser Stelle nur auf eine schnelle Reaktion seitens Nvidias hoffen.


Kommentar schreiben

  • Loggen Sie sich oben mit ihren Benutzerdaten ein, um Kommentare zu verfassen.
  • Falls Sie noch kein Mitglied sind, können Sie sich in unserem Forum registrieren.

2 Kommentare

2.) bingomatik 02.03.2008 - 18:04 Uhr
Die Bandbreite von 100 MHz Chiptakt wird in der Praxis nie erreicht. Aus diesem Grund sehe Ich keine Vorteile für ein Update auf PCIE 2.0.
Und das was Nvidia da macht ist die verfesselung von Chiptakt und GPU Takt. Somit könnte das OC vorerst beendet sein ? Ob das Overclocken der Grafikkarte überhaupt was bring ist eine andere frage (bei mir sind es magere 27 Prozent).
1.) Duplex 02.03.2008 - 16:54 Uhr
bei PCIE 2.0 ist doch doppeltebandbreite und auch 200mhz statt 100mhz ?? wen ja , bin mal gespannt was die dann taktet *G*