Intel stellt neue Atom-Plattform Moorestown vor

IntelSeit Intel 2008 seinen ersten Atom - Codename Silverthorne - vorgestellt hat, war das Unternehmen bestrebt, die x86-Technik in Smartphones unterzubringen. Doch das größte Problem dabei war die Plattform selbst, die aus vielen verschiedenen Chips bestand, die jeder für sich den Stromverbrauch ein Stückchen nach oben trieben und dazu noch eine Menge Platz verschlangen. So hat es Intel bis heute nicht geschafft, seine Atoms in aktuellen Multimedia-Handys unterzubringen.
All' das soll sich nun mit Moorestown ändern. Als SoC - System on a Chip - ist der Atom Z600 der Moorestown-Plattform ein hochintegriertes Stück Silizium, bei dem der Idle-Verbrauch gegenüber dem Ur-Atom erheblich gesenkt werden konnte. Zudem gibt es endlich auch HD-Video-Unterstützung dank PowerVR GPU-Technik.

Intel Atom - Lincroft (Die-Shot)

Moorestown besteht grundsätzlich aus zwei Chips: Die CPU - Codename Lincroft - und der Platform-Controler-Hub MP20 - Codename Langwell. Die CPU wird als Atom Z600 erscheinen, gibt sich also als direkter Nachfolger der stromsparenden Z500-Serie. Der Atom Z600 integriert einen Atom-Kern mit 512 KiB L2-Cache, der für Smartphones bis zu 1,5 GHz getatket sein soll, einen DirectX 9-fähigen 3D-Grafikprozessor von Imagination Technologies auf PowerVR-Technik, einen HD-Video De- und Encoder, einen Display- sowie einen Speichercontroller. Der Prozessor nimmt - gefertigt in Intels 45 nm-Prozess - eine Fläche von 13,8 mal 13,8 mm - 190 mm² - ein. Zum Vergleich: Nvidias Tegra ist höher integriert und braucht nur 49 mm² Chipfläche. Für einen niedrigen Stromverbrauch sorgen Maßnahmen wie Takt- und Spannungsreduzierung, aber auch Powergating, bei dem dynamisch verschiedene Teile des Chips abgeschaltet werden können. So will Intel den Idle-Verbrauch gegenüber Silverthorne um den Faktor 50 reduziert haben - Messungen müssen dies noch belegen.

Intel Atom - Lincroft Komponenten

Zum eigentlichen Prozessor kommt noch der Platform-Controller-Hub MP20 hinzu, der den System-Controller, den 5 Megapixel-Bildprozessor für Kameras, die Audio- und Verschlüsselungsbeschleunigung sowie den IO-Controller enthält. Interessant ist die Erwähnung eines Solid State Drive bei Langwell, die so recht keinen Sinn ergeben will und wohl den Flash-Controller meint, der bis zu 64 GiB Speicher ansteuern kann. Langwell nimmt nochmals eine Fläche von 14 mal 14 mm - 196 mm² - ein, was auch am älteren 65 nm-LP-Prozess liegt, der hier zum Einsatz kommt.

Intel Atom - Moorestown PCH Langwell (MP20)

Zwar ist Lincroft damit insgesamt erheblich kleiner als die erste Atom-Plattform, im Vergleich zu ARM-Chips ist er aber immer noch riesig. Sehr wichtig ist in jedem Falle die Reduzierung des Idle-Verbrauchs, der für die Nutzung in Smartphones entscheidend ist. Dennoch bleibt man bei typischen Nutzungsszenarien derzeit noch hinter der ARM-Konkurrenz zurück.
Beim Speicher ist für Moorestown 32 Bit LPDDR1 vorgesehen, also LowPower DDR1. Damit ist man zwar nicht auf dem neuesten Stand - der neue Tegra unterstützt schon LPDDR2 -, aber durchaus auch nicht abgeschlagen. Die meisten ARM-Chips setzen ebenfalls noch auf LPDDR1.

Als Betriebssystem ist für Moorestown zunächst Intels Moblin vorgesehen, ein speziell für die Atom-Architektur optimiertes Linux. Später soll es durch das gemeinsam mit Nokia entwickelte MeeGo ersetzt werden, das eine Fusion aus Intels Moblin und Nokias Maemo darstellt. Zudem hatte Intel kürzlich die Unterstützung von Android für Moorestown bekannt gegeben.
Interessant ist Intels Statement, dass kommende Windows Phone 7 von Microsoft nicht zu unterstützen. Das System sei zu alt und eher für die ARM-Prozessoren optimiert. Trotz x86 wird auch ein normales Desktop-Windows-System auf Moorestown nicht laufen, weil ihm die nötige BIOS/EFI-Unterstützung fehlt. Dafür wird Intel aber eine extra Plattform namens OakTrail herausbringen, die genau das kann, nämlich ein Desktop-Windows ausführen.

Beim Stromverbrauch liegt man nach Intel-Angaben zwar deutlich unterhalb den älteren Atom-Plattformen, der Vergleich mit ARM-Prozessoren zeigt aber wiederum, dass Intel noch viel Arbeit vor sich hat, wenn man im Smartphone-Markt zukünftig Fuß fassen will. Denn mehr Performance ist derzeit bei den Multimedia-Handys wohl weniger gefragt als ein geringerer Verbrauch.
Liest man die Nachrichten der letzten Wochen, so zeigt sich, dass weder Nvidias Tegra, noch Intels Moorestown derzeit auf viel Gegenliebe für den Einsatz in Smartphones stoßen. Zwar sind beide Chips sehr schnell, sie verbrauchen aber wohl dafür auch zu viel Strom. Bei Moorestown kommt erschwerend die Größe der Chips hinzu, die wohl der Grund für die vielen unförmigen Prototypen ist, die man bisher gesehen hat. Es ist daher anzunehmen, dass man Moorestown zunächst eher im Tablet- beziehungsweise Pad-Bereich antreffen wird.


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