Schnelle Grafikchips zu Weihnachten: Was wird?

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Schnelle Grafikchips zu Weihnachten: Was wird?Seit Mai dieses Jahres, und damit ziemlich genau ein halbes Jahr, ist im Grafikkartensektor das Thema RV670 und G92 vorherrschend. Während der RV670 von vornherein als Performance-Chip feststand, hat der G92 jede nur denkbare Talfahrt mitgemacht; vom Next-Generation Chip über einen Mid-End Chip zum schlussendlich Performance-Chip - die Spekulationen waren riesengroß. Nunmehr hat nVidia vorgelegt und den G92 aka 8800 GT am Montag dieser Woche vorgestellt. Auch ATis RV670 aka Radeon HD 3800 wirft schon seine Schatten voraus und wird vermutlich Donnerstag in zwei Wochen das Licht der Öffentlichkeit erblicken. Grund genug, sich die beiden Chips vor dem Fest der Liebe einmal näher anzuschauen.

Wäre man Zyniker, könnte man fast behaupten, dass sich nVidia dieses Jahr auf die faule Haut gelegt hat, insbesondere in Hinblick auf den High-End Sektor. Der G80 ist nämlich schon ein ganzes Jahr alt und damit eigentlich nicht mehr taufrisch. Zwar hat er im Mai ein aus jetziger Sicht unnötiges Update erfahren (8800 Ultra), dass nVidia höchstwahrscheinlich aber allein deswegen brachte, um ein mögliches Hintertreffen durch den ATi R600 aka HD 2900 XT zu vermeiden, ansonsten gilt es aber festzuhalten, dass die nVidia High-End Chips ein ganzes Jahr lang auf demselben technischen Stand verweilten. Doch nVidia kann es sich erlauben: Die Konkurrenz ist schwach wie selten.

Mit Vorstellung der Radeon 9700/9800 Serie dominierte ATi das Geschehen im Grafikkartensektor. Die viel zu spät erschienene GeForce FX hatte große Probleme unter modernen, shaderlastigen Spielen und erzeugte darüber hinaus eine gewaltige Lautstärke. Mit der darauffolgenden Generation machte nVidia zwar viel wieder gut, doch die Radeon X800 war letztendlich die schnellere Karte, wenngleich sie insbesondere unter dem fehlenden Shader-Model-3.0-Support krankte. Auch beim letzten Generationsvergleich, GeForce 7800/7900 versus Radeon X1800/X1900, verließ die ATi-Karte zumindest nicht als Verlierer den Ring. Zwar lasteten auf den R520/R580-Chips so manche Mängel, doch die höheren Frameraten lieferten auch diese GPUs.

Endet die Erfolgsstory ATis mit dem Aufkauf durch AMD? Momentan hapert es bei den Kanadiern insbesondere im Performance- und High-End Sektor. Im Low-Cost Sektor kann man dem Kunden hervorragende Produkte anbieten, die der der Konkurrenz überlegen sind. Und auch im Mid-End Sektor ist man mit der Radeon HD 2600 nicht schlecht aufgestellt, allerdings fehlt ein guter Chip zwischen HD 2600 XT GDDR4 und HD 2900 XT sowie ein weiterer, der oberhalb einer HD 2900 XT anzusiedeln ist und damit gegen die starken G80-Chips konkurrieren kann. HD 2900 Pro und GT füllten die Rolle des erstgenannten Chips zwar super aus, aber nicht länger als einen Monat. Beide Chips sind nämlich nur noch schwer und wenn überhaupt zu überteuerten Preisen zu erwerben. Ein neuer Chip wird benötigt!

Um also auf nVidia wieder aufzuschließen, muss einerseits ein schneller Chip im 200-250 Euro Sektor her und andererseits ein waschechter High-End Chip, der 8800 GTX und 8800 Ultra das Fürchten lehrt. Der erste Schritt scheint mit dem RV670 aka HD 3850/3870 so gut wie getan. Der Chip bügelt die Schwachstellen des R600 aus, erweitert das Feature-Angebot und ist zudem für einen attraktiven Preis zu erwerben. Ein richtiger Leader?

Wäre nVidias 8800 GT Chip nicht verfrüht eingetroffen, hätte nVidia mit dem RV670 wohl seine liebe Mühe und Not gehabt. Der Chip ist nämlich relativ schnell bzw. kann die Performance einer HD 2900 XT erreichen, ja sogar übertreffen, und das alles zu einem Verkaufspreis von unter 300 Euro. Dank des Einsatzes der 55nm Technologie ist auch das Problem des Stromverbrauchs, welches eines der Größten des R600 ist, nichtig. DirectX-10.1- und Shader-Model-4.1-Support setzen dem Ganzen dann noch das i-Tüpflchen auf. Endlich mal wieder ein Preisleistungsknaller aus dem Hause ATi, möchte man geradezu herausschreien, doch auch nVidia ist urplötzlich wieder erwacht und aus seinem Sommerschlaf gekrochen.

Der G92 aka 8800 GT bietet eine ebenso gute Performance zum ebenfalls kleinen Preis. Aktuell wird die Karte, welche in der Summe vor HD 2900 XT und 8800 GTS 640 liegt, zu Preisen von 230 Euro verkauft. Ein lukrativeres Angebot gab es seit langem nicht mehr im Grafikkartensektor. Doch wer hat die im wahrsten Sinne des Wortes besseren Karten, denn auch ATi hat, wie angesprochen, ein heißes Pferd im Stall, welches darauf wartet, losgelassen zu werden. Geht man vom Blickwinkel der Performance aus, scheint nVidia das Glück auf seiner Seite gepachtet zu haben. Die aktuell aufgetauchten nVidia-Folien, die von 30 Prozent Performanceplus gegenüber der HD 3870 sprechen, sollten zwar nicht allzu ernst genommen werden, dennoch sollte man damit rechnen, dass der nVidia-Chip die berüchtigte Nasenspitze vorne liegt.

Bewahrheitet sich überdies das Gerücht, dass die HD 3870 für 299 US-Dollar, also rund 270 Euro, verkauft wird, scheint das Duell gegen die 8800 GT fast schon verloren. ATi würde gut daran tun, die Karte mit 249 US-Dollar anzusetzen - Fudzilla vermeldete gestern, dass ein Verkaufspreis von 199 US-Dollar ebenfalls möglich scheint -, so stände sie nämlich in direkter Konkurrenz zur wie gesagt noch vermutlich etwas schnelleren 8800 GT. Doch was spricht bei in etwa gleichem Preis angesichts schwächerer Performance für den ATi-Chip?

Zu aller Erst einmal ist es die DirectX-10.1- sowie Shader-Model-4.1-Funktionalität, die dem nVidia-Chip fehlt. In der Praxis dürfte das erweiterte Featureset zwar so gut wie gar nicht zum Tragen kommen, als Marketinginstrument aber quasi unabdinglich. Des Weiteren ist nicht auszuschließen, dass der RV670 wegen des Einsatzes der 55nm Technologie weniger Strom benötigt; damit stände ein weiterer Vorteil für ATi zu Buche. Ebenfalls erwähnenswert ist der integrierte Video-Decoder; durch den Video Processor 2 (VP2) ist nVidias G92 hinsichtlich seiner Multimediatauglichkeit zwar schon stark aufgewertet worden, doch die Konkurrenz bleibt auch diesbezüglich weiter in Front.

Am Ende wird es auf den Preis der HD 3870 ankommen. Dieser darf maximal auf dem Level der 8800 GT liegen, ansonsten steht man auch hier auf quasi verlorenem Posten. Ansich sind beide Chips sehr gut und der Kunde wird die Qual der Wahl haben, welchen Chip er sich unter dem heimischen Weihnachtsbaum legt. Selten zuvor konnte er aus einem so reichhaltigen Angebot schneller und gleichzeitig preiswerter Grafikchips schöpfen. Fest steht schon jetzt: Die beiden Konkurrenten werden sich endlich wieder auf Augenhöhe begegnen.

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8 Kommentare

8.) KonKorT 06.12.2007 - 20:13 Uhr
Vielen Dank für das positive Feedback!
7.) bastman 26.11.2007 - 19:23 Uhr
Ihr sollt die Karten in eure PCs einbauen und nicht essen!

Zur Kolumne: Wie immer informativ und praktisch. :)
6.) p.a.t.r.o.n 06.11.2007 - 23:11 Uhr
ich warte nur ab damit der preis der 8800 GT gesenkt wird, hoffentlich.
5.) Streamline 03.11.2007 - 17:43 Uhr
Wieso sieht die leckerer aus? Ich persönlich finde eher die 3870 sieht leckerer aus, dank DX 10.1.

Performance muss man abwarten. Das weiß man dann halt ab Mitte November genau.
4.) Sennahos 03.11.2007 - 03:26 Uhr
Also so wie ich das auffasse, hat ATI schon den nächsten anstehenden Kampf knapp verloren. Auch wenn diverse Features für die HD´s sprechen, das Nvidia angebot sieht einfach leckerer aus.
Die Kolumne an sich is gut gelungen...wie eig. immer, vorallem durch die Hintergründe des ganzen.
3.) KodeX 03.11.2007 - 00:33 Uhr
Ich glaube nicht, dass ATi eine Grafikkarte rausbringt, die Performancemäßig langsamer als eine HD 2900 XT ist. Und das ist - egal wie man das auslegt - doch recht gut.
2.) KonKorT 03.11.2007 - 00:15 Uhr
Das wird sich noch zeigen müssen, der HD 3850/3870 ist ja noch nicht offiziell. Man sollte nicht voreilig Schlüsse ziehen. Der Text denke ich zeigt gut, dass auch die ATi-Karte noch alle Optionen offen hat, ein voller Erfolg zu werden.
1.) JAY84 02.11.2007 - 23:47 Uhr
also so wie ich verstandne habe ist es sinniger sich eine nvidea 8800 zu holen anstatt die ati 3870, wenn directx10.1 und shader modell 4.1 eh nich so die auswirkungen haben nunja echt mal ein geiles duell zwischen den beiden grafikherstellern