Grafikkarte übertakten: Wie funktioniert es?

Grafikkarte übertakten: Wie funktioniert es?Die Grafikkarte ist die im wahrsten Sinne des Wortes taktgebende Einheit im PC, wenn es darum geht, ein Spiel darzustellen. Um in Spielen etwas höhere Settings fahren zu können oder gerade die Barriere von ruckelig zu ruckelfrei zu nehmen, kann es sinnvoll sein, die Grafikkarte (kurzzeitig) mit höheren Taktraten zu betreiben, sie zu übertakten, zu overclocken.

Hersteller wie AMD und Nvidia müssen die Taktraten ihrer Grafikkarten relativ konservativ setzen, da die in den Verkauf gegangenen Exemplare mit den ihr auferlegten Taktraten nicht nur im kalten Wladiwostok anstandslos funktionieren müssen, sondern auch im heißen Death Valley der Vereinigten Staaten von Amerika. Außerdem können aus einer Produktion Grafikkarten mit hohem und niedrigem Taktpotential entspringen – für den Verkauf muss man sich auf den kleinsten, gemeinsamen Nenner einigen.

Somit besitzt quasi jede Grafikkarte weiteres Taktpotential. Dieses steigt je geringer die Umgebungstemperatur der Grafikkarte ist. Diese ist zum einen von der Zirkulation im Gehäuse, die mithilfe von Gehäuselüftern verbessert werden kann, abhängig und zum anderen von der Außen- bzw. Raumtemperatur. Daher sind auch meist im Winter höhere Taktraten ohne Abstürze und Artefakte als im Sommer möglich.

Verkürzte Lebensdauer und Garantieverlust versus Leistungssteigerung


Zunächst muss darauf hingewiesen werden, dass mit dem Übertakten die Garantie der Grafikkarte erlischt. Und ebenso wenig darf verschwiegen werden, dass mit höheren Taktraten sich die Lebenszeit der Grafikkarte verkürzt, gleichwohl dies unerheblich sein sollte, wenn die Taktraten im gesunden Maße (was das heißt, klären wir gleich) angehoben werden und auch nur kurzzeitig anliegen (moderne Grafikkarten haben eh inzwischen auch eigene, geringere 2D-Taktraten für den Desktop-Betrieb). Anders sieht das bei einer Spannungserhöhung der Grafikkarte aus, mit der nicht nur die Leistungsaufnahme exponentiell steigt, sondern sich auch die Lebensdauer erheblich verkürzt. Deswegen raten wir davon grundsätzlich ab. Sollte so viel Mehrleistung benötigen werden, sollte lieber in eine neue, leistungsstärkere Grafikkarte investiert werden.

Einem geringem Mehrrisiko bei richtiger, gut dosierter Anwendung steht ein Leistungsplus von 5 bis 20 Prozent gegenüber, wie unsere Tests mit verschiedensten Grafikkarte gezeigt haben. Diese können, wie eingangs erwähnt, im besten Fall gerade den Unterschied von ruckelig zu ruckelfrei ausmachen oder dafür sorgen, die Auflösung höher zu schrauben, AA/AF leicht anzuheben oder irgendwelche Details in Spielen herauf zu stellen. Wie aber auch schon im letzten Abschnitt erwähnt, sollte man es nie mit der Brechstange versuchen. Ist die Performance nach dem Übertakten immer noch nicht ausreichend, sollte lieber in eine neue Grafikkarte investiert werden, statt die Spannung anzuheben und möglicherweise gar gelegentliche Bildfehler zu ignorieren. Denn dies wird sich rächen.

Wie man Grafikkarten übertakten kann


Soweit erst einmal zur Theorie. Doch wie übertaktet man nun eine Grafikkarte? Die einfachste Möglichkeit ist, Tools zu verwenden. Für aktuelle AMD- und Nvidia-Grafikkarten können wir das Tool MSI Afterburner sehr empfehlen. Vor ein paar Jahren waren auch noch ATITool, PowerStrip und Rivatuner „große Namen“, wenn es ums Overclocking einer Grafikkarte ging.
Nach Installation des Tools kann man problemlos die Taktfrequenzen für Chip, Speicher und ggf. Shader anpassen. Wichtig ist, dass man sich allmählich an die Grenzen der Grafikkarte herantastet, sprich die einzelnen Taktfrequenzen immer erst um nur 10 MHz anhebt und dann unter Spielen Benchmarks testet, ob weiter keine Bildfehler entstehen und das System nicht abstürzt. Trifft eines der beiden genannten Probleme auf, sollte umgehend der Takt wieder gesenkt werden, um die Grafikkarte nicht zu schädigen. Im schlimmsten Fall droht dann nämlich dauerhafter Schaden.
Eine weitere Möglichkeit ist, das Bios der Grafikkarte zu editieren bzw. dort höhere Taktraten zu hinterlegen. Dazu sollte man jedoch vorab auf jedenfall mit besagten Tools das Limit ausgelotet haben und davon noch mal ein gutes Stück abziehen, damit die Grafikkarte auch unter höheren Außentemperaturen noch anstandslos funktioniert.
Eine Spannungserhöhung ist grundsätzlich im Bios der Grafikkarte vorzunehmen. MSI Afterburner ermöglicht dies jedoch auch mit einigen, wenigen Modellen. Wie allerdings schon im letzten Abschnitt erläutert, raten wir davon ab.

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