AMDs Ontario auch für Tablets?

AMDAcer hat gestern mehrere Tablets angekündigt. Als größte Überraschung darf dabei wohl ein 10,1 Zoll-Tablet gelten, das auf eine "AMD-Plattform der nächsten Generation" setzt. Letztlich kann damit eigentlich nur die kommende Fusion-APU Ontario gemeint sein.

Acer 10,1 Zoll Tablet mit AMD-Prozessor

Eigentlich wollte AMD mit Ontario zunächst den Netbook-Markt aufrollen und erst in der nächsten Generation - Codename Wichita/Krishna -, die in 28 nm gefertigt wird, ab 2012 auch Tablets direkt ins Visier nehmen. Nun scheint aber die Ankündigung von Acer zu bestätigen, dass auch die erste Generation der kleinen Fusion-Prozessoren gleich zu Beginn für den Einsatz in Tablets geeignet ist.
Acers Windows 7-Gerät soll dabei dennoch unter 1 Kilogramm auf die Waage bringen, was der Akku-Leistung einige Grenzen setzt. Und obwohl zunächst eigentlich wenig für die AMD-Plattform zu sprechen scheint, vor allem weil die verhältnismäßig hohe TDP von 9 Watt teilweise als Maß für eine niedrige Akkulaufzeit gesehen wird, zeigt ein vergleichender Blick doch, wo die Stärken von Brazos liegen.

So stattet der Konkurrent Hanvon sein ebenfalls knapp 1 Kilogramm schweres 10,1 Zoll-Windows 7-Tablet B10 wegen der gegenüber Atom besseren Single-Thread-Leistung mit einem 1,2 GHz schnellen Intel Celeron M ULV743 aus, der mit einer TDP von 10 Watt sogar über den 9 Watt des kleinen AMD Ontario liegt, dabei aber noch keine Grafikeinheit mitbringt. Zudem liegt der Tausender-Stückpreis von 107 US-Dollar deutlich über dem, was AMD gerüchteweise für seine Fusion-APU verlangen wird. Weiterhin dürfte die Intel-Plattform auch um einiges größer ausfallen als AMDs Brazos-Plattform. Der Fusion-Prozessor selbst ist mit knapp 75 mm² (inklusive GPU) kleiner als der Celeron, der ohne GPU bereits 107 mm² Chipfläche einnimmt.
Das Hanvon BC-10 kommt trotz des für Tablet-Verhältnisse sehr hohen Preises von über 730 Euro mit seinem 4800 mAh-Akku nur auf eine Laufzeit von knapp 3 Stunden - hier besteht also erheblicher Verbesserungsbedarf, will man mit den Windows-Tablets auch nur ansatzweise konkurrenzfähig zur ARM-Konkurrenz werden.
AMD hat nach eigenen Angaben sehr fortschrittliche Stromspartechniken in die neuen Bobcat-Prozessoren integriert, wodurch gerade der Idle-Verbrauch sehr niedrig ausfallen soll. Und auch erste Tests des höher getakteten Bruders Zacate zeigen, dass AMD beim Verbrauch sehr konkurrenzfähig gegenüber Intels ULV-Angebot aufgestellt sein wird, solange denn der Preis eine Rolle spielt.

Ein Pluspunkt der AMD-Lösung gegenüber Intels Atom ist einerseits die wahrscheinlich höhere Single-Thread-Leistung, die für den flüssigen Windows-Betrieb wichtig ist, sowie die native Unterstützung von 1080p-Videowiedergabe dank der integrierten UVD3-Einheit (Unified Video Decoder v3). Intel unterstützt 1080p aktuell nur über einen zusätzlichen Broadcom-Chip.
Auch die 3D-Leistung soll trotz des niedrigen Taktes der integrierten Radeon die Konkurrenz in Form von Intels GMA 3150 weit hinter sich lassen. Zudem können die Hersteller ein für Marketingzwecke nicht zu unterschätzendes DirectX 11-Logo auf den Geräten anbringen. Abzuwarten bleibt allerdings, wie gut sich AMD mit Ontario gegenüber den Atoms bei der Laufzeit schlägt, denn gerade mit dem neuen Dual-Core Atom N550 hat Intel ein attraktives Angebot im Portfolio, allerdings mit "nur" 1,5 GHz Taktfrequenz, was eine nochmals etwa zehn Prozent niedrigere Single-Thread-Leistung gegenüber dem N450 mit 1,66 GHz bedeutet, womit Windows 7 schnell zu einer recht zähen Angelegenheit werden kann.

Alles in allem sieht AMDs erster Fusion-Prozessor also gar nicht so schlecht aus, was den Einsatz in Windows 7-Tablets angeht. Dank der Docking-Station sollte das für Februar 2011 angekündigte Acer-Tablet sogar für den Produktiveinsatz geeignet sein, denn Windows 7 steuert sich nach wie vor mit Maus und Tastatur deutlich besser und präziser als über einen Touchscreen und ist für reine Tablets insofern nur bedingt geeignet.


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