Apple überspringt Intels Arrandale

AppleApple ist eigentlich dafür bekannt, auf neueste Technik zu setzen. Doch offensichtlich haben die Kalifornier ein Problem mit Intels kommendem Notebook-Prozessor Arrandale sowie dessen Desktop-Ableger Clarkdale. Zumindest deutet sich an, dass Apple diese Generation nicht in seinen MacBooks oder Mac Minis einsetzen wird.

Das Hauptproblem scheint dabei die integrierte Grafikeinheit zu sein, die erstmals gemeinsam mit der CPU in ein Gehäuse wandert. Intel kombiniert einen 32 nm-Dual-Core auf Nehalem-Basis - Codename Westmere - mit einer 45 nm-GPU, die allerdings alles andere als leistungsstark sein wird. Das ist im Normalfall kein Problem, denn dafür brauchen Intels integrierte Grafiklösungen relativ wenig Strom, weshalb sie gerade bei Notebooks häufig verbaut werden. Laufzeit geht hier häufig vor Grafikleistung. Bisher konnten die Hersteller allerdings auswählen, ob sie auf die Intel-Grafik oder doch eher auf eine externe Lösung von ATI oder Nvidia zurückgreifen wollten, wenn mehr Leistung gefragt war. Dies ist nun nicht mehr ohne weiteres möglich, da Intel CPU und GPU nur noch gemeinsam anbietet, beide Silizum-Plättchen sitzen im gleichen Gehäuse. Allenfalls können die Hersteller zusätzliche Grafikkarten verbauen, schleppen dann allerdings die Intel-IGP immer mit.

Apple hat bisher einen Bogen um Intels GPUs gemacht, indem in den aktuellen MacBooks und dem Mac Mini eine Geforce 9400M beziehungsweise in der MacBook Pro-Serie zusätzlich eine Geforce 9600M für die Grafikausgabe zuständig ist. Ein wichtiger Punkt dabei dürfte auch die gute GPGPU-Unterstützung der Nvidia-Grafikkarten sein, die Intels Lösungen nicht bieten. Apple ist einer der Hauptunterstützer von OpenCL und einer der Vorreiter für den Einsatz von Grafikkarten als Co-Prozessoren. Da Intel bisher keine GPGPU-Unterstützung für seine Grafikchips anbietet, sind deren Produkte für Apple also in dieser Hinsicht uninteressant. Angeblich, so berichtet Bright Side of News, hat Apple deshalb sogar verlangt, dass Intel extra einen Prozessor liefert, der nur die CPU enthält, was allerdings einen erheblichen zusätzlichen Aufwand bedeuten und wohl ähnliche Forderungen von anderen Computerherstellern nach sich ziehen würde. Deshalb darf es als wahrscheinlich gelten, dass Apple die kommende Calpella-Plattform überspringen wird. Schließlich steht gegen Ende nächsten Jahres auch schon Intels neue Architektur Sandy Bridge auf dem Programm. Für die Mac Pro-Serie dürfte dagegen im zweiten Quartal 2010 mit dem Sechs-Kern-Prozessor Gulftown eine interessante Upgradeoption zur Verfügung stehen.

Im Zusammenhang mit den Forderungen Apples könnte aber vielleicht eine andere Ankündigung Intels stehen, nämlich, dass die Grafikeinheit der kommenden Clarkdale-Prozessoren - die prinzipiell baugleich zu den Arrandales sind - zu einem späteren Zeitpunkt den Hauptprozessor beim Video-Enkodieren unterstützen wird, also GPGPU-Funktionalität erhalten soll. Dies überrascht, da Intel momentan wenig Interesse an der zunehmenden Verbreitung von GPGPU haben kann. Denn einerseits gefährdet dies langfristig den Absatz leistungsstarker CPUs und andererseits hätten die leistungsschwachen Intel-IPGs dabei wohl auch deutlich das Nachsehen gegenüber ATIs und Nvidias Lösungen. Ob bei der Ankündigung die Verhandlungen mit Apple eine Rolle gespielt haben oder ob sich daraus eher die zunehmende Bedeutung von GPGPU als Verkaufsargument ablesen lässt, wird sich in den kommenden Wochen zeigen müssen.


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2 Kommentare

2.) Luk Luk 07.12.2009 - 15:22 Uhr
Laut http://www.finanzen.net/aktien/Intel-Aktie läufts eigentlich ganz gut in letzter Zeit......verwunderlich trotz der vielen Rückschläge.
1.) Phenocore 07.12.2009 - 12:37 Uhr
Nach dem Intel Larrabee nicht so verwirklichen konnte, wie geplannt und jetzt Apple auch noch neue Produkte wegen der Intel-GPU nicht einsetzen will, frage ich mich, wann erneute Gerüchte über die angeblich geplante nVidia-Übernahme durch Intel wieder aufkommen. :-D
Fallen eigentlich schon die Aktienpreise von Intel?