Nvidia: Über DirectX 11 und GPGPU

NvidiaNvidia äußerte sich diesen Mittwoch in Person von Mike Hara, Vizepräsident für Finanzkommunikation, auf der „Securities Technology Conference“ der Deutschen Bank. Dabei ging er auf DirectX 11, GPGPU, CUDA, PhysX und zukünftige Grafikkarten-Generationen ein. Die Originalaussagen in Englisch finden Sie bei unseren Kollegen von xbitlabs; wir wollen es der Übersicht wegen bei unserer Übersetzung belassen.

DirectX 11 an sich wird alleine nicht der Grund sein, sich eine neue Grafikkarte zu kaufen, vielmehr wird es einer von vielen Gründen. Das ist auch der Grund, warum Microsoft mit der Industrie zusammenarbeitet, um es Ihnen (Anm. d. Red.: den Anwendern) zu ermöglichen, mit mehr Freiheit und Kreativität neue Inhalte zu erschaffen. Das ist gut und neue Funktionen in DirectX 11 werden es Leuten ermöglichen, dies auch zu tun. Aber das ist nicht länger der einzige Grund...

Vielmehr glaubt man, dass neue GPGPU (General Purpose-Computing on Graphics Processing Units – Dt.: Allgemeine Berechnungen auf Grafikprozessoren)-Technologien Anwender dazu bewegen werden, sich eine neue Grafikkarte zu kaufen und nicht verbesserte visuelle Effekte in kommenden PC-Spielen oder die bessere Rohleistung von DirectX 11-fähigen Grafikkarten.

Wir wissen jetzt, dass Anwender heute viel mehr im Bereich Video und mehr und mehr im Bereich Fotographie (am PC) arbeiten…. Ich denke, dass das, was wir tun, es der GPU erlaubt, ein Co-Prozessor der CPU zu werden und somit ein bessere Erlebnis am PC sowie auch längere Akku-Laufzeiten ermöglicht und den Computer auch ein weiteres bisschen mehr optimiert.

Alle diese Aussagen müssen aufgrund der aktuellen Situation von Nvidia allerdings von zwei Seiten betrachtet werden: Auf der einen Seite ist es durchaus richtig, dass die GPUs immer flexibler und so auch multifunktionaler werden. Genauso treten Multimedial-Anwendungen heute immer mehr in den Vordergrund. Auf der anderen Seite stehen die Aussagen vor dem Hintergrund, dass Nvidia zum DirectX 11-Start mit Windows 7 keine DirectX 11-Hardware wird anbieten können in einem ganz anderen Licht.

Zwar bietet man mit CUDA bereits eine eigene GPGPU-Schnittstelle an und hat mit PhysX, Stereo 3D Vision und vielen Partner-Programmen auch bereits eine breite Anwendungspalette im Angebot, allerdings zeigt die IT-Geschichte, dass sich proprietäre Standards so gut wie nie durchsetzen.
So bietet DirectX 11 mit Compute-Shadern und OpenCL eine API (Dt.: Programmier-Schnittstelle), die theoretisch von der kleinsten IGP bis zur High-End-GPU herstellerübergreifend genutzt werden kann. Somit ist es den Firmen möglich, die Vorteile von GPGPU-optimierter Software für viele Anwender zu ermöglichen und nicht einen „kleinen“ Kreis von Besitzern einer CUDA-fähigen Grafikkarte.

Auch ist die Ansicht, dass neue visuelle Effekte sowie eine gesteigerte Rohleistung weniger als Verkaufsargumente wirken wohl beim besten Willen nicht zu unterschreiben. Schließlich stoßen aktuelle Grafikkarten bereits bei Full-HD-Auflösungen an ihre Leistungsgrenzen und selbst Aushängeschilder wie Crysis sind noch weit vom Fotorealismus entfernt. Dementsprechend ist fest damit zu rechnen, dass verbesserte visuelle Effekte – sowie eine gesteigerte Rohleistung, um diese sowie höhere Auflösungen und qualitätsverbessernde Maßnahmen zu ermöglichen – auch in Zukunft als Zugpferd für Grafikkartenverkäufe dienen werden. Auch ist es wahrscheinlich, dass Nvidia spätestens mit erscheinen der neuen GT300-Generation mit einer besseren Gaming-Leistung sowie neuen DirectX 11-Effekten werben wird.

Die Aussagen sollten aktuell also wohl eher als schützende Maßnahmen vor sinkenden Börsenkursen und Verkaufszahlen gesehen werden, als dass man davon ausgeht, dass Nvidia sich zukünftig weniger auf Gaming als auf Multimedia konzentriert. Mike Hara gab am Ende den Analysten noch folgende Abschlussworte mit auf den Weg.

Grafik-Industrie – Ich denke wir sind auf den Stand, wo die Mikroprozessor-Industrie vor einigen Jahren war, als AMD publizierte, dass nicht mehr Taktfrequenzen wichtig sind, sondern eine bessere Leistung pro Watt. Ich denke, wir sind auf demselben Scheideweg mit der Grafik-Welt. Frameraten und Auflösungen sind nett, aber heutzutage sind sie sehr hoch und eine Steigerung von 120 FPS zu 125 FPS spiegelt sich nicht in einem besseren Anwender-Erlebnis wieder. Aber ich denke die Dinge, die wir mit Stereo 3D Vision, PhysX tun; die Spiele intensiver und erlebbarer machen – das ist jenseits von Frameraten und Auflösungen. Nvidia wird mit der nächsten Generation zeigen, dass die Computing-Seite wichtiger wird als die Grafik-Seite.

Wir wollen die abschließende Zusammenfassung unkommentiert lassen und gerne ihre Meinung dazu hören. Schreiben Sie uns, was Sie denken, im Kommentarbereich.


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8 Kommentare

8.) f1delity 21.09.2009 - 09:24 Uhr
@Duplex
Meinst du nicht eher PhysX, wo der Großteil der Games diese Effekte auch noch über die CPU laufen lässt und nur einige Ausnahmen über GPU?

Compute Shaders werden das GPGPU-Computing ordentlich nach vorn hiefen, da endlich ein Standard für alle da ist bzw. es halt GPU-unabhängig ist.
7.) N1truX 19.09.2009 - 08:09 Uhr
Ich würde mich mal als "Wissenschaftfutzi" bezeichnen, aber von CUDA halte ich auch nicht viel. Da es kein offener Standard ist weiß man nicht wie lange der existieren wird und auch untereinander kompatibel ist. Wenn in 2 Generationen das ganze aus stirbt oder Nvidia auf eine ganz neue Schnittstelle setzt dann habe ich meine mit viel Aufwand/Geld entwickelten Apps aber keine aktuelle / schnelle Hardware mehr um die auch richtig zu nutzen.
Auf Windows 7 mit Dx11 wäre es aber theo immer noch möglich auf DirectX 9 Komponenten o.ä. zuzugreifen, weil man eben auf Kompatibilität achtet.
Dementsprechend dürfte sich auch in der Wissenschaft DirectX Compute Shader oder noch mehr OpenCL durchsetzten. Nur in einem sehr kleinen HPC-Bereich macht es vllt. noch Sinn so Hardwarenah zu programmieren.
6.) Duplex 18.09.2009 - 22:22 Uhr
muss eXEC fast komplett zustimmen


wen ich son Wissenschaftfuzi wräre dann würde ich vllt Cuda tendieren , aber als normalo hat man von dem zeug kein + punkt , die spiele sind zwar toll jedoch die effekte so niedrig das man genau so ohne überlebt , da hätte ich mir mehr erhoft
5.) eXEC 18.09.2009 - 21:57 Uhr
Man kann man ja viel erzählen, aber der einzige Grund für eine neue Grafikkarte ist entweder eine signifikant gesteigerte Leistung oder auch für einige ein signifikant gesunkener Stromverbrauch. CUDA, PhysX, DX11, deswegen kauf ich unter Garantie keine Grafikkarte. Ich will PERFORMANCE. Features sind toll, aber wegen CUDA bevorzuge ich sicher keine Nvidia Grafikkarte.
4.) Bulldozer 18.09.2009 - 20:15 Uhr
Mit was möchte Nvidia nach dem GT300 im Jahr 2010 Q2/Q3 kommen? Wenn ATI seine neue Architektur vorstellt, kann Nvidia schnell wieder einpacken, die neue Architektur von ATI kann Meilenstein vor Nvidias GT300 liegen, der RV870 sollte bis Q2/Q3 2010 ausreichen, der GT300 ist keine konkurrenz für den OEM Markt, ATI wird in Zukunft im Mittelklassengeschäft der Sieger sein, das haben Sie den Athlon Schmieden zu verdanken, Nvidia wird in Zukunft es schwer haben mit ATI, AMD ist für schnelle Preissenkungen bekannt, die OEM Hersteller werden immer mehr auf ATI Produkte Setzen und Nvidia wird immer weiter runter gehen...
3.) (th) 18.09.2009 - 17:05 Uhr
normalerweise war Nvidia doch immer vorreiter für DX Generationen. Vor allem DX9 c) und DX 10 standen doch stark Nvidiageprägt da.
Von einer Steigerung von 120 auf 125 FPS kann gar keine Rede sein. Das ist absolut untertrieben.
Und die Argumente, dass Grafik mit der nächsten Generation unwichtiger sein wird als bspws. Compute-Shading ist für mich schlichtwegs lächerlich. Vor allem vor dem Hintergrund, dass DX11 genau das ebenfalls versucht einzuführen...
2.) Undergroundking 18.09.2009 - 11:26 Uhr
die analyse im text ist wohl zutreffend. nvidia hat angst vor fallenden aktienkursen und versucht so die eigene technologische rückständigkeit zu überspielen.
es war eben eine konferenz mit finanzanalysten.
nur hats wohl nicht soviel gebracht, die analysten der American Technology Research stuften nvidiaaktien von "buy" auf "neutral" runter.
http://www.newratings.com/en/main/compa ... id=1965231
1.) f1delity 18.09.2009 - 11:13 Uhr
Ist klar, dass nVidia das jetzt ersteinmal kleinredet, da sie ja Probleme bei der Fertigstellung ihrer Chips haben und somit halt erst später im Markt (Dx11-GPUs) mitmischen können.

Wäre ja auch dumm, wenn sie sagen würden das Dx11 tatsächlich mal revolutionärer ist als der Sprung von 9 zu 10 und eben nicht nur Gamer, sondern "alles andere" auch betrifft und das die Konkurrenz somit für "jeden" ein passendes Produkt liefern werden kann.

Sobald die GT300 aber dann mal marktreif ist wird wie immer mit mehr Gamingperformance, besserer Bildqualität und realistischeren Grafikken geworden.