Neues zum Kartellverfahren gegen Intel

IntelDas "ATI-Forum" hatte die Möglichkeit, den neusten Stand der Dinge in AMDs Kartellverfahren gegen Intel in Erfahrung zu bringen. Dabei wurde ein Telefongespräch mit AMD geführt, genauer gesagt mit Jens Drews, dem Direktor im Bereich Government Relations für Europa. Somit ist er der offizielle AMD-Sprecher in diesem Verfahren.

Intel wird vorgeworfen, illegale Marktstrategien durchgeführt zu haben, und zwar nicht nur in Europa, sondern auch in Südkorea, Japan und in den USA. Die Untersuchungen im Brüsseler Fall, um den es hauptsächlich geht, dauern bereits seit 8 Jahren an. Der Grund für die lange Verzögerung liegt in den schwerwiegenden Vorwürfen sowie den gründlichen Ermittlungen der Europäischen Kommission.

Im Sommer 2007 wurde eine „Beschwerdemitteilung“ an Intel geschickt, in der die Kommission eine konkrete Anklage gemacht hat. So soll Intel gegen Art. 82 des Europäischen Vertrages verstoßen haben. Im engeren Sinne werden 3 Punkte genannt:

  • Intel gewährte PC-Herstellern Sonderrabatte, wenn sie alle oder den größten Teil der Prozessoren nur bei Intel kauften
  • Behinderung von Produkteinführungen durch Geldzahlungen an OEMs, so dass diese verhindert oder verzögert wurden
  • In bestimmten Segmenten des Server-Marktes wurden Intel-Prozessoren unter dem Herstellungspreis verkauft, nur damit Ausschreibungen nicht mit AMD Prozessoren gewonnen werden


Intel hat also seine finanzielle Stärke im OEM Markt ausgenutzt und AMD den Zugang zum Markt erschwert beziehungsweise verbaut. Besonders zu Zeiten, als die AMD-CPUs schneller waren als die Eigenen - als der Athlon XP aktuell war oder am Anfang des Athlon 64 - hat Intel von seiner dominanten Position Gebrauch gemacht. Ohne den Druck seitens Intel hätte es damals eine deutlichere Verlagerung der Marktanteile gegeben, so Jens Drews. Durch Intels Praktiken hatte AMD keinen fairen Marktzugang und dies wirkt sich noch bis heute aus.

AMD geht davon aus, dass der Fall bis Ende dieses Jahres abgeschloßen sein wird und man ist zuversichtlich, dass Intel verurteilt wird. Zwar beobachtet die Kommission diesen Fall schon seit 8 Jahren, aber es wurden in letzter Zeit einige Fortschritte gemacht. So ist beispielsweise das "Microsoft-Verfahren" zu Ende und man kann sich nun verstärkt auf Intel konzentrieren. Des Weiteren wurde der Fall auf den europäischen Retailsektor erweitert, da man zum Beispiel bei Mediamarkt / Saturn in ganz Europa größtenteils nur Intel-basierte Rechner findet, so dass in mehreren Ländern die Büros der Firmen unangekündigt durchsucht wurden.

Aber auch in den USA gibt es stichhaltige Anklagepunkte. So hat AMD im Juni 2005 eine zivilrechtliche Klage gegen Intel eingereicht, in der das Unternehmen AMD selbst das Unternehmen Intel verklagt, während in Europa die Europäische Kommission dafür zuständig ist. Die Beschwerdeschrift umfasst derzeit 102 Seiten und ist im Internet nachzulesen, jedoch sind große Teile davon geschwärzt, da diese erst im eigentlichen Gerichtsverfahren bekanntgegeben werden. In den USA wird um eine Milliardensumme gestritten, während in Europa "nur" eine hohe Geldbuße verhängt werden kann, die an die EU selbst geht.

Auf die Frage, wie man in Zukunft solche Situationen verhindern beziehungsweise eindämmen will, antwortet Jens Drews auf positive Art und Weise. Er sagt voraus, dass es eine "Win Win Situation" am Markt geben wird, von der nicht nur der Kunde, sondern auch die gesamte Industrie profitieren wird und gleichzeitig hofft er auf einen offenen, transparenten und fairen Marktkampf durch dieses Kartellverfahren.


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