AMD Phenom offiziell vorgestellt

AMDHeute, der 19. November 2007 darf in den Geschichtsbüchern notiert werden, hat AMD seine lang erwartete K10-Architektur vorgestellt und bläst damit zum großen Gegenangriff auf Intel, die den Kaliforniern die Krone im Juli 2006 mit der Vorstellung der Core-Mikroarchitektur entrissen hatten. Zwar reicht es momentan noch nicht für den Wiedergewinn der Krone - das war aber auch schon vorab aufgrund der "niedrigen" Taktraten zu erwarten -, dennoch hat man ein gutes Stück auf Intel aufgeholt, was nicht zuletzt daran liegt, dass man nunmehr auch Vierkerner (Quad-Core), die Intel bereits seit November 2006 im Aufgebot hat, stellt.

. 9500 9600
Kerntakt 2,2 GHz 2,3 GHz
HTT-Takt 1,8 GHz 1,8 GHz
Verfahren 65 nm 65 nm
L2-Cache 4x 512 KiB 4x 512 KiB
L3-Cache 2048 KiB 2048 KiB
TDP 95 Watt 95 Watt
Preis 169,90 EUR 189,90 EUR


Da es noch Probleme beim Fertigungsprozess zu geben scheint, sind es vorerst zwei CPUs, die AMD der breiten Masse zur Verfügung stellt. Beide CPUs unterstützen die neue HyperTransport-3.0-Schnittstelle, die einen noch schnelleren Datenaustausch zwischen Speicher und CPU ermöglicht. Im Desktop-Sektor kann man von der erhöhten Geschwindigkeit jedoch kaum profitieren, weswegen man als Benutzer einer AM2-Platine, welche lediglich HyperTransport 2.0 unterstützt, auch bedenkenlos einen Phenom kaufen kann, ohne gravierende Performanceeinbrüche befürchten zu müssen.

Als Fertigungsverfahren setzt AMD 65nm ein. Obwohl dieses bereits seit Dezember 2006 erfolgreich bei den aktuellen Dual-Core-Prozessoren zum Einsatz kommt, gibt es vermutlich aktuell noch einige Probleme, denn ursprünglich waren einmal weitaus höhere Taktraten geplant. Dass AMD das Problem schnell in den Griff bekommt, bleibt zu hoffen, denn der nächste Sprung, 45nm, ist erst für Mitte 2008 angesetzt.

AMD Phenom

Das Cache-System des AMD K10-Prozessors sucht derzeit noch seines Gleichen. Neben einem für alle Kerne zugänglichen 2 MiB großen L3-Cache, der eine ähnliche Rolle wie bei Intel der L2-Cache ausfüllt, verfügt jeder Kern über 512 KiB fest reservierten L2-Cache. Im Optimalfall könnte AMD so das Vierfache an Cache-Speicher gegenüber den aktuellen Intel Core 2 Prozessoren einsparen, da alle vier Kerne auf dieselben Daten zurückgreifen können.

Der Verbrauch der 2,2- und 2,3-GHz-Variante ist mit 95 Watt festgelegt und damit nicht höher als bei den aktuellen Dual-Core Prozessoren. Entgegen früherer Messungen scheinen die AMD-Vierkerner aber etwas mehr Strom zu benötigen als der Core 2 Quad Q6600, wobei man hierbei mehr oder minder von einem Patt sprechen kann, jedenfalls nicht mehr für einen Vorteil AMDs. Was bleibt ist jedoch eine wesentliche feinere Justierung. Denn beim K10 lässt sich jeder Kern mit einer individuellen Taktrate sowie einer individuellen Stromspannung betreiben.

Die mitunter größte Überraschung der Prozessoren ist deren Preis, der sogar noch weit unter den bisher in Online-Shops geführten Werten liegt. So muss man für den Phenom 9500 (2,2 GHz) gerade einmal 169,90 Euro zahlen. Damit ist diese CPU die mit Abstand günstigste Quad-Core CPU. Auch der Phenom 9600 mit 100 MHz mehr Takt ist mit einem vorgesehnen Verkaufspreis von 189,90 Euro nur unwesentlich teurer.

AMD Phenom

Der Preis - so deutlich muss man es leider sagen - ist aber nicht umsonst so niedrig angesetzt, denn in Vergleichbenchmarks schneidet der Phenom eher mäßig ab. Der Phenom 9600 (2,3 GHz) ist laut diversen Benchmarks rund 13 Prozent langsamer als der Q6600 (2,4 GHz); der Preis ist aber auch 13 Prozent niedriger, so dass das Preisleistungsverhältnis beider Prozessoren ironischerweise identisch ist. Am Preisleistungsverhältnis war aber bei AMD nie etwas zu bemängeln. Problem ist, und wird voraussichtlich auch in Zukunft sein, dass die Prozessoren nicht schnell genung sind, als dass Zahlungen von mehr als 200 Euro gerechtfertigt wären. Der komplette High-End Markt ist damit weiterhin in der Hand Intels.

Selbst der für Anfang Dezember erwartete Phenom 9700 (2,4 GHz) ist gemäß dieser Zahlen noch 9 Prozent langsamer als der Q6600 und sollte demnach für rund 209 Euro über die Ladentheke wandern. Ein Unentschieden könnte lediglich ein Phenom mit 2,6 GHz, der aber nicht mehr dieses Jahr kommen wird, erreichen. Doch selbst dann hätte AMD noch immer den Q6700 oder auch QX6800/QX6850 gegenüber zu stellen.

Es bleibt dabei: Bis zu einem Verkaufspreis von 200 Euro ist eine AMD-CPU absolut konkurrenzfähig - immerhin stellt man nunmehr die mit Abstand günstigsten Quad-Core CPUs, wenngleich leider noch nicht verfügbar -, bei allem darüber hinaus lässt sich aber nur noch zu Intel schielen. AMD hat mit dem K10 einige Schwachstellen beseitigt - die kompletten Neuerungen haben wir in einem Artikel zusammengefasst -, aber leistungsmäßig noch nicht mal auf die Core-Mikroarchitektur aufgeschlossen. Dass Intel nun schon beifuss mit einer überarbeiteten Core-Mikroarchitektur (Penryn) steht, macht es für AMD nicht besser. Ein Wechsel an der Prozessor-Spitze darf angesichts dieser Benchmarks innerhalb der nächsten Wochen und Monate defintiv ausgeschlossen werden.


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10 Kommentare

10.) KonKorT 20.11.2007 - 14:23 Uhr
Die wollen eben noch Reibach machen, solange denn möglich.

"Die mitunter größte Überraschung der Prozessoren ist deren Preis, der sogar noch weit unter den bisher in Online-Shops geführten Werten liegt."
9.) Cartman 20.11.2007 - 14:22 Uhr
Wieso steht da 190€ Und bei z.b bei Hardwareversand.de ist es viel teurer ? oO
8.) Lumi25 19.11.2007 - 22:26 Uhr
Ich finde das ehrlich gesagt auch ziemlich enttäuschend. Ich möchte mir nächstes Jahr einen neuen Dual-Core Prozessor holen aber das wird wohl ein Intel werden schätze ich mal.

gruß
Lumi25
7.) KodeX 19.11.2007 - 18:50 Uhr
In den Spielen ist es dennoch ein ziemlicher Gleichstand...
6.) KonKorT 19.11.2007 - 18:40 Uhr
@ KodeX

Du weißt schon, dass die den QX6700 für diesen Test auf 230x10 = 2300 MHz getaktet haben? ;)
5.) KodeX 19.11.2007 - 17:36 Uhr
Bei diesem Review schneidet AMDs Phenom X4 relativ gut ab. Hier liegt ein X4 9600 beinahe auf dem Niveau eines QX6700...

http://www.ocworkbench.com/2007/gigabyt ... DQ6/b1.htm

Bevor man sich ein entgültiges Urteil bilden kann, sollte man einige ausführliches Tests abwarten... aber die Preise sprehcen schon eine Sprache für sich...
4.) KonKorT 19.11.2007 - 16:36 Uhr
Schade aus Sicht von AMD ist nur, dass man nicht wenigstens auf dieselbe Pro/Taktleistung wie Kentsfield geschweige denn Penryn gekommen ist. So muss man, um Intel zu schlagen, theoretisch höhere Taktraten als diese liefern. Erst ab 3,4 GHz könnte man Intel gefährlich werden und diese Taktraten scheinen mit der Architektur momentan absolut nicht umsetzbar ...
3.) Streamline 19.11.2007 - 16:33 Uhr
Die Preise sind glaube ich exkl. Mehrwertsteuer, also etwas teurer wirds schon.

Ansonsten mal abwarten, je nach Benchmark ist da sicherlich Konkurrenzfähigkeit möglich. Passt also in etwa zu der gleichen Leistung pro Taktfrequenz, differenziert natürlich je nach Programm
2.) KonKorT 19.11.2007 - 16:23 Uhr
Naja, wie schon in der News steht. Das Preisleistungsverhältnis ist zu Intel identisch. Warum also keinen Phenom 9600 kaufen; der mit Abstand zurzeit günstigste Quad-Core Prozessor.

Stimmt aber schon, dass AMD abermals hinter seinen Erwartungen zurück geblieben ist.
1.) touly 19.11.2007 - 16:20 Uhr
ha super K10 ist langsamer als die knapp 1,5 jahre ältere Core-Architektur voll enttäuschend, lohnt isch ja nur für leute die schon ein AMD board ham