IDF: Lucids Multi-GPU-Technologie

UnternehmenAuch wenn Intel auf seinen eigenen Developer Forums immer den Ton angibt und im Mittelpunkt steht, so nutzen doch auch andere, von Intel erlesene Hersteller die Bühne, um interessante Zukunftsprojekte anzukündigen. So gesehen dann auch in diesem Jahr. Ein Unternehmen, welches dabei besonderes Interesse regte, war Lucid. Mit der Ankündigung, eine Plattform geschaffen zu haben, mit der aktuelle Pixelbeschleuniger perfekt skalieren, hatte man die Massen auf seiner Seite. Doch was ist dran an Lucids Multi-GPU-Technologie?

Die britischen Kollegen von Tech Report hatten auf dem IDF die Gelegenheit, sich Lucids Multi-GPU-Technologie etwas näher anzuschauen. Lucid führte ihnen geduldig ihre Technik vor und zeigte sich auch Fragen gegenüber offen.
Lucid verspricht einen Chip entwickelt zu haben, der alle eingehenden Aufrufe der Grafik-APIs DirectX 9, 10 und 10.1 im Vorfeld abfängt und dann dynamisch auf die mehreren Rechenkerne abwälzt. Das Herzstück ist dabei also weniger der Hydra 100 getaufte Chip, sondern vielmehr die Software, die offenbar die eingehenden Aufrufe sehr geschickt verteilt, so dass alle Grafikchips nach eigenen Angaben perfekt bzw. fast linear skalieren.

Ein weiteres Versprechen Lucids ist es, dass die Technik ohne jegliche Kompatiblitätsprobleme funktioniert. Zurückführen tut man dies auf die nach eigenen Angaben sehr API-nahe Software. Angeblich sollen die Grafikchips noch nicht einmal merken, dass sie über einen weiteren Zweig angebunden sind. Angebunden ist dabei ein gutes Stichwort.

Wie eingangs erwähnt setzen nicht mehr die Grafikchips das Bild zusammen, sondern der Lucid-Controller bzw. der Hydra 100-Chip, der die fertigen Bilder von der API-nahen Software erhält. Dieser zusätzliche Datenverkehr, der jedes Mal gegangen werden muss, tangiert natürlich die Performance. Zwar wird das Bild nun perfekt zusammengesetzt und gleichmäßig auf die Grafikchips verteilt, die Teilbilder können jedoch nicht mehr direkt ausgegeben werden, sondern müssen stets den "Umweg" über den Lucid-Controller machen.
Abgewickelt wird dieser Transfer über den PCI-Express-Port, der in der Version 2.0 satte 16 GB/s beträgt. Lucid lenkt hier wieder ein und sagt, dass diese Schnittstelle schnell genug sei. Obwohl Tech Report anfangs skeptisch war, war das Endergebnis für sie dann doch beeindruckend.

Auch wenn sich die Idee gut anhört und man auf dem IDF eine gute Show hinlegte, so muss sich diese Technologie doch in richtigen Praxistests erst einmal bewähren. Denn wer weiß schon, ob sich Lucid für das Event nicht nur die Sahnehäubchen, die wirklich sehr gut skalieren, herausgepickt hat? Auch der frühe Entwicklungsstatus muss hier noch einkalkuliert werden; fertige Produkte sind nämlich erst für das erste Halbjahr 2009 angekündigt.
Am Ende alles entscheidend wird die Software sein. Arbeitet diese wirklich so gut, wie Lucid bereits jetzt weißmachen will, so hätte man in der Tat vielleicht einen guten Lösungsweg in der derzeitigen Zwickmühle Multi-GPU gefunden.


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4 Kommentare

4.) eXEC 25.08.2008 - 12:26 Uhr
sowas wäre eigentlich auch im cpu-bereich ne coole sache...
3.) hmd 25.08.2008 - 10:45 Uhr
Heutige Render die mehrere CPU-Kerne verwenden, verteilen die Last ja auch auf die verschiedenen Kerne und das mit hervorragender Auslastung. Auch gleich ist, dass jeder Kern Teilbereiche des Bildes rechnet. Von daher gibts ja genug technische Erfahrung um diese Technik auch perfekt umzusetzen. Neu ist, dass das alles in "Echtzeit" umgesetzt werden muss.
2.) eXEC 25.08.2008 - 10:19 Uhr
SOLLTE das so Funktionieren und bezahlbar sein, wäre das ein Meilenstein! Man stelle sich vor, dass die HD4870 X2 90% schneller wäre, als eine einzelne Karte, ohne Mikroruckler oder Kompatibilitätsschwierigkeiten... Dann wären Dualkarten erstmals in der Geschichte wirklich sinnvoll.
Ich denke aber nicht, dass es so gut funktioniert, wie angepriesen. Außerdem wird der Chip wohl auch alles andere als günstig...
1.) f1delity 25.08.2008 - 09:04 Uhr
Lösung wohl eher nicht, aber ein schöner Workaround, wenns denn funktioniert und zwar überall und nicht nur in einer Hand voll Games.