Bill Gates sagt auf Wiedersehen

MicrosoftTränen des Abschiedes flossen bereits, als Gates Anfang des Jahres das letzte Mal die Eröffnungsrede der CES hielt. Bis vergangenen Freitag, den 27. Juni 2008, bekleidete er aber noch offizielle Posten im Microsoft-Esemble, nämlich den des Chief Software Architect sowie den des Chief Development und Strategy. So war es bis zuletzt in seinen Händen, wo Microsoft seine Gelder reinfließen lässt, wo man glaubt, am Besten investieren zu können. Gates verbliebene Posten, bis 2000 war er noch CEO des Konzerns, teilen sich Ray Ozzie und Craig Mundie, die er bereits in den letzten beiden Jahren angelernt hat.

Die Microsoft-Erfolgsstory begann 1975, als Gates zusammen mit seinem Komolitonen Paul Allen in der berühmt berüchtigten Garage eine BASIC-Umsetzung für den MITS Altair 8800 schrieb. Lediglich zweieinhalb Monate investierten die beiden Harvord-Studenten, damit die Software – zu ihrer Überraschung – einwandfrei funktionierte.
In den darauffolgenden Jahren wuchs das Unternehmen zu einem kleineren Betrieb mit etwa 30 Angestellten im Jahr 1978 heran. Die damalige Rezeptionistin, Miriam Lubow, dachte bei Gates erstem (unbewussten) Treffen, dass dieser junge Kerl, zerzauste Haare, Jeans und Sneakers sich ja wie der Chef des Ladens aufführte. Kurz darauf erklärte man ihr, dass er es sei. Die Rezeptionistin hatte dies aufgrund seines Alters nicht für möglich gehalten und berichtet noch heute, dass sie damals für einen „Haufen Kinder“ gearbeitet hätte.

Richtig ins Rollen geriet Gates Firma aber erst Anfang der 80er-Jahre mit dem Fang des ersten Großkundens, IBM. Diese auch heute nicht ganz unbekannte Marke beauftragte Microsoft, für ihre PCs das Microsoftsche DOS-Betriebssystem umzusetzen.
Einen weiteren großen Ruck erhielt das Unternehmen mit der Vorstellung von Windows 95, dem ersten Microsoft-OS, das nicht mehr auf DOS basierte, sondern einer grafisch hübsch ausgearbeiteten Oberfläche, die in Vista – nach kleineren, technologischen Sprüngen – ihren Meister gefunden hat.
Die Gründung des Unternehmens Microsoft, das Schreiben eines eigenen Betriebssystems, ging aus einer Vision Gates vor. Und Visionen sind ein gutes Stichwort, wenn man die öffentlichen Aussagen Gates begutachtet. Nicht ein, zwei oder dreimal hat er Trends vorausgesagt, zigfach.

Bill Gates

Bereits 1996 erklärte er, dass es mit Mobilfunkgeräten in absehbarer Zeit möglich werde – in geschrumpften Maßen -, zu surfen. Damals waren Handys so groß wie ein mittelgroßes Buch und man war froh, wenn man denn irgendwie anrufen konnte. Inzwischen hat sich Gates Prognose 100-prozentig bewahrheitet.
Eine weitere Ausführung Gates war es, dass der PC in absehbarer Zeit die 500 US-Dollar-Hürde unterbieten würde. Und tatsächlich: PCs sind so günstig wie nie und man kann bereits für 300 Euro einen nagelneuen Computer zusammenstellen, der fürs Briefe schreiben, Internet surfen etc. vollkommen ausreichend ist. Dass der Trend sowieso zu günstigen PC-Lösungen geht, zeigen Produkte wie der Asus EEE-PC und MSI Wind.

1999 mutmaßte er, dass in naher Zukunft auch in Wohnzimmern – neben Fernseher und Stereoanlage – Computer ständen und diese ein Bindeglied wären, also mit den anderen Komponenten harmonieren würden. Und in der Tat gibt es inzwischen entsprechende Lösungen: Man denke beispielsweise an das Windows Media Center.
Nach der 2000er-Wende war Gates Steckenpferd neue Eingabemethoden. Besonders angetan haben es ihm dabei Touch-Screens, die über Finger vom Anwender bedient werden. Über kurz oder lang will er die Tastatur in den Altcontainer verbannen. Bereits im kommenden Windows, Codename: 7, soll es erste, „gute“ Ansätze davon zu sehen geben. Auch dass bis 2013 in jedem Haushalt ein Roboter steht, ist eine von Gates Visionen, die sich noch bewahrheiten kann.

Bill Gates, dieser einst kleine Ambitionär, durfte sich einige Jahre lang als der reichste Mann der Welt bezeichnen. Ein Titel, den Gates in den letzten Jahren jedoch gerne für etwas Gutes abgegeben hat, nämlich die Bill-&-Melinda-Gates-Stiftung, die die größte private Stiftung der Welt ist (Etat: 29,1 Milliarden US-Dollar) und sich gegen die Armut in dieser Welt stark macht. Man will dabei allen voran Krankheiten wie Aids bekämpfen. Dieser Aufgabe will sich Gates nun mit Herzblut annehmen und deswegen seine Ämter bei Microsoft auch niederlegen.
Gates schloss eine Rückkehr zu einer Führungsposition bei Microsoft bereits heute kategorisch aus. Er wird dem Unternehmen jedoch bei Fragen gerne zur Seite stehen und auch weiterhin einen Platz im Vorstand haben.

Ein vollkommener Abschied ist es also nicht, aber die Zeiten, in denen Gates jeden morgen seine Koffer packte, um ins Büro nach Redmond zu fahren, sind vorbei. Die Konkurrenz sieht dies mit einem fröhlichen und weinenden Augen. Einerseits muss man sich um eine starke Person im Business weniger Kopfzerbrechen bereiten, andererseits ist es der Abschied eines denkwürdigen Mannes, der überhaupt erst den Grundstein für PCs gelegt hat und dem man folglich stets zu Hochachtung verpflichtet bleibt.


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