Streit um Asylabkommen mit Ruanda: Britisches Unterhaus gegen Änderungen

Streit um Asylabkommen mit Ruanda: Britisches Unterhaus gegen Änderungen

Stand: 19. März 2024 um 4:30 Uhr

Der umstrittene Gesetzentwurf des britischen Premierministers Sunak zur Abschiebung von Asylbewerbern nach Ruanda könnte diese Woche verabschiedet werden. Das Unterhaus lehnte alle Änderungsanträge ab.

Die konservative Regierung Großbritanniens lässt sich nicht von ihren Plänen abbringen, Migranten unabhängig von ihrer tatsächlichen Herkunft nach Ruanda abzuschieben.

Ganz im Gegenteil: Der umstrittene Gesetzentwurf des britischen Premierministers Rishi Sunak könnte diese Woche verabschiedet werden. Nachdem das Repräsentantenhaus alle Änderungsanträge abgelehnt hat, wird der Gesetzentwurf nun am Mittwoch im Senat des Parlaments zur Abstimmung gestellt. Wenn es ohne Änderungen verabschiedet wird, könnte es diese Woche in Kraft treten.

Zuvor hatte der Senat den Gesetzentwurf kritisiert und Änderungen gefordert. Doch am Abend lehnte das Unterhaus alle zehn Anträge ab. Im nächsten Schritt geht der Gesetzentwurf zurück an den Senat – eine sogenannte „Ping-Pong“-Abstimmung zwischen den beiden Kammern des Parlaments.

Der Oberste Gerichtshof hatte das Projekt für illegal erklärt

Sunak plant, alle Migranten, die ohne die erforderlichen Dokumente nach Großbritannien einreisen, sofort nach Ruanda in Afrika abzuschieben. Dadurch sollen Menschen davon abgehalten werden, mit kleinen Booten den Ärmelkanal zu überqueren, und die Migration verringert werden. Der High Court in London erklärte das Projekt für illegal.

Großbritannien will Ruanda nun per Gesetz zum sicheren Drittstaat erklären, sodass ein Einspruch vor britischen Gerichten nicht mehr möglich ist. Allerdings forderte das House of Lords Leitlinien: So müsse sich Großbritannien weiterhin an das Völkerrecht halten und zunächst die gegenüber Ruanda versprochenen Garantien vollständig umsetzen, bevor es als sicher gelten könne. Die Mitglieder forderten außerdem, dass Opfer moderner Sklaverei und Menschenhandel nicht ohne weiteres nach Ruanda abgeschoben werden dürfen. Das Unterhaus überstimmte die Vorschläge.

Kritiker stimmen dem Plan zu Manöver im Wahlkampf

Die Regierung will im Frühjahr die ersten Migranten nach Ruanda schicken. Sie müssen dort Asyl beantragen. Eine Rückkehr nach Großbritannien ist nicht geplant. Doch selbst wenn das Gesetz schnell verabschiedet wird, könnte es Wochen dauern, bis die ersten Abschiebeflüge beginnen. Der Gesetzentwurf soll verhindern, dass britische Gerichte entscheiden, ob Ruanda ein sicheres Land ist. Allerdings kann jede abgeschobene Person individuell rechtliche Schritte einleiten.

Kritiker sehen in dem Plan der Regierung eine symbolische Maßnahme auf Kosten der Steuerzahler, um vor der nächsten Parlamentswahl bei konservativen Wählern zu punkten. Nach Schätzungen des Rechnungshofs kostet das Abkommen den Steuerzahler zusätzlich zu den Zahlungen pro Asylbewerber bis zu einer halben Milliarde Pfund (umgerechnet etwa 585 Millionen Euro).

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