Mehr CO2-Emissionen aus Indien: Beton und Zement befeuern den Klimawandel

Mehr Kohlendioxidemissionen als Indien
Klimawandel brennt Beton und Zement

Der Bedarf an Beton und Zement steigt mit zunehmender Urbanisierung – insbesondere in Afrika und Asien. Bei der Produktion werden jedoch große Mengen Kohlendioxid freigesetzt, etwa eine Tonne Kohlendioxid pro Tonne Zement. Das soll sich bis 2050 ändern.

Zement und Beton sind für Bau- und Infrastrukturprojekte weltweit von großer Bedeutung – die Auswirkungen auf den Treibhauseffekt sind jedoch enorm: Allein die Zementproduktion verursacht sieben Prozent der weltweiten Kohlendioxidemissionen, dreimal so viel wie der Flugverkehr. „Das sind mehr als alle Emissionen der Europäischen Union oder Indiens insgesamt und liegen nur hinter denen in China und den USA“, erklärt die Klimaforscherin und Co-Vorsitzende der IPCC-Expertengruppe Valerie Mason-Delmott. .

Beton ist das am weitesten verbreitete von Menschenhand hergestellte Produkt auf der Erde. Nach Angaben der in London ansässigen Cement and Concrete Manufacturers Association, GCCA, die die Interessen von großen Playern der Branche wie Holcim aus der Schweiz, Cemex aus Mexiko oder CNBM aus China vertritt, werden jährlich rund 14 Milliarden Kubikmeter Beton gegossen. Da die Urbanisierung vielerorts – insbesondere in Afrika und Asien – zunimmt, dürfte die Nachfrage in Zukunft zunehmen.

Gleichzeitig werden bei der Herstellung große Mengen Kohlendioxid freigesetzt. Zement wird als Bindemittel verwendet, um Gesteinskörnungen wie Sand und Kies im Beton zusammenzuhalten. Zement wiederum muss für Zementklinker zunächst gesintert werden, indem Ton und Kalkstein erhitzt und anschließend gemahlen werden. Zum Erhitzen beim Sintern werden in Öfen Temperaturen über 1400 °C benötigt. Dabei entsteht aber auch etwa eine Tonne Kohlendioxid pro Tonne Zement.

„Zementindustrie will Emissionen bis 2050 eliminieren“

Die Betonindustrie selbst will bis 2050 „Netto-Null“-Treibhausgasemissionen erreichen. Im Oktober kündigte die GCCA zudem an, die CO2-Emissionen bis 2030 um 25 Prozent zu reduzieren (so genannte CO2-Abscheidung und -Speicherung). Diese Technologien sind jedoch noch nicht in einem kritischen Umfang verfügbar.

Andere Optionen sind das Recycling alter Materialien und der Ersatz fossiler Brennstoffe durch erneuerbare Energiequellen, wenn die Öfen befeuert werden. Branchenschwergewichte wie das chinesische Staatsunternehmen CNBM betonen, dass sie ihren Beitrag zur Dekarbonisierung der Branche leisten wollen.

Entscheidende Motive könnten jedoch von einer Reihe von Start-ups kommen, die an neuen Verfahren arbeiten: So will Solidia aus den USA beispielsweise Kohlendioxid verwenden, um die Betonmischung zu erhärten und damit den Wasserbedarf zu reduzieren. In Kanada untersucht Carboncure die Speicherung von verflüssigtem Kohlendioxid in Beton.

Die Steigerung des Recyclings kann eine entscheidende Rolle spielen. Laut GCCA basieren 26 Prozent des Zementklinkers in Großbritannien auf recycelten Materialien. In Frankreich, wo ab nächstem Jahr strengere Nachhaltigkeitsanforderungen für Neubauten gelten, setzt der junge Hoffman Green Cement auf die Gewinnung von Zement aus Industrieabfällen – aus Schlamm, Hochofenschlacke und Flugasche.

Obwohl der Zementpreis hoch sei, sei die Nachfrage groß, sagt Gründer Julian Blanchard. „Die Zementindustrie will ihre Emissionen bis 2050 eliminieren“, sagt er. Sie können jedoch heute beginnen. Hier steht viel auf dem Spiel: Die Vereinten Nationen schätzen, dass bis 2050 noch drei Viertel der weltweiten Infrastruktur gebaut werden müssen.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here