Georgia: Tausende protestieren erneut gegen das Spionagegesetz

Georgia: Tausende protestieren erneut gegen das Spionagegesetz

Stand: 17. April 2024 um 01:55 Uhr

In Georgien kam es erneut zu proeuropäischen Protesten. Vor dem Parlament kam es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei. Die Proteste richten sich gegen ein geplantes Gesetz, das ausländische Einflüsse auf die Zivilgesellschaft aufdecken würde.

Tausende proeuropäische Demonstranten demonstrierten in der Südkaukasus-Republik Georgien am zweiten Tag in Folge gegen ein geplantes Gesetz zur Kontrolle des ausländischen Einflusses. In der Hauptstadt Tiflis kam es vor dem Parlament zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei, als der Gesetzentwurf in der ersten von drei Lesungen diskutiert wurde. Georgische Medien berichteten, dass Sicherheitskräfte Pfefferspray eingesetzt hätten. Wie schon bei den Protesten am Montag kam es auch hier zu Festnahmen. Das Innenministerium meldete, ein Polizist sei verletzt worden.

Das als „russisches Gesetz“ kritisierte Projekt verlangt von NGOs, die Geld aus dem Ausland erhalten, die Offenlegung ihrer Finanzquellen. Nach eigenen Angaben will die georgische Regierung für mehr Transparenz sorgen und das Ausmaß ausländischer Einflussnahme stärker kontrollieren. Viele zivilgesellschaftliche und demokratiefördernde Projekte in Georgien werden vom Westen finanziert, unter anderem von der Europäischen Union und den USA.

Kritik aus der Opposition und der Europäischen Union

Kritiker befürchten jedoch, dass ein solches Gesetz nach russischem Vorbild missbraucht werden könnte, um Geldströme einzudämmen und prowestliche Kräfte politisch zu verfolgen. Die pro-europäische georgische Präsidentin Salome Zurabischwili, die mit der nationalkonservativen Regierung uneins ist, kritisierte, dass der Gesetzentwurf trotz der Proteste feststecke. Es ist eine Provokation. Sie fügte hinzu, dass dies im Interesse der russischen Strategie zur Destabilisierung Georgiens liege.

EU-Ratspräsident Charles Michel wies darauf hin, dass Georgien im vergangenen Dezember den Kandidatenstatus für den Beitritt zur Europäischen Union erhalten habe und dass dieses Gesetz damit nicht vereinbar sei. Er schrieb im Social-Media-Netzwerk X, dass diese Initiative Georgien von der Europäischen Union distanzieren würde, anstatt es ihr näher zu bringen.

Die Regierung will das Gesetz nicht zurückziehen

Die Regierungspartei „Georgischer Traum“ wies die Kritik hingegen zurück und betonte, dass es sich um ein Gesetz handele, das im Interesse des Landes sei. Sie fügte hinzu, dass das Projekt trotz Appellen von EU-Ländern, darunter Deutschland, nicht zurückgezogen werde. Im Jahr 2023 zog die georgische Führung nach massiven Straßenprotesten ein solches Gesetz zurück.

Björn Blaschke, ARD Moskau, jetzt Tiflis, Tagesschau, 17. April 2024, 6:17 Uhr

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