AMD greift Nvidia im Profi-Segment an

AMDBei den Consumer-Grafikkarten ist AMD mit den aktuellen Evergreen-GPUs beziehungsweise den Radeon HD 5000-Karten schon recht gut aufgestellt. Nun will man Nvidia auch auf angestammtem Gebiet den Platz streitig machen, nämlich im Segment der Profi-Grafikkarten. Zu diesem Zweck hat AMD heute die ATI FirePro™ V8800 auf Basis des RV870 vorgestellt.

Nvidia hat im hochprofitablen Bereich der Profi-Grafikkarten mit seiner Quadro-Serie aktuell einen Marktanteil von rund 90 Prozent und generiert einen großen Teil seiner Gewinne aus eben diesem Segment. Um nun auch ein Stück von dem Kuchen abzubekommen, legt AMD mit der ATI FirePro™ V8800-Serie nach und stellt gleich die Vorteile der eigenen Grafikbeschleuniger gegenüber der Konkurrenz heraus.

ATI FirePro vs. Nvidia

Vor allem bei der Rechenleistung sind die AMD-GPUs den Nvidia-Pendants haushoch überlegen, zumindest in der Theorie, denn die 5D-Shaderprozessoren der AMD-Karten lassen sich deutlich schwerer effizient nutzen als die 1D-Einheiten von Nvidia. So kann Nvidia in vielen Fällen deutlich mehr Rechenleistung in die Praxis umsetzen als dies bei AMD der Fall ist.

Der Grafikbeschleuniger weist 1600 Streamprozessoren - beziehungsweise 320 5D-Shaderprozessoren - auf, basiert also auf dem RV870-Chip -Codename Cypress-, der auch die Radeon HD 5800-Karten befeuert. Die 2 GiB GDDR5-Speicher liefern dank einem Takt von 1150 MHz eine Bandbreite von 147,2 GB/s. Damit läuft der Speicher etwas langsamer als standardmäßig bei einer Radeon HD 5870, deren RAM mit 1200 MHz taktet. Auch der GPU-Takt von 825 MHz liegt marginal unter den 850 MHz der Radeon HD 5870. Statt der bisher genutzten DVI- und HDMI-Ausgänge der FirePro-Karten kommt die V8800 mit vier DisplayPort-Anschlüssen daher und kann damit dank ATIs Eyefinity-Technologie auch vier Bildschirme mit jeweils 2560x1536 Pixeln ansteuern. Eine Variante für sechs Displays analog der Eyefinity6-Edition der Radeon HD 5870, dann aber mit 4 GiB Speicher ist ebenfalls schon für Ende des Jahres geplant. Zusätzlich ist ein kleiner Anschluss für Genlocks und Shutterbrillen vorhanden. Bei der Leistungsaufnahme gibt AMD lediglich "unter 225 Watt" an. Nachdem kürzlich bekannt wurde, dass Nvidia seine GTX 470- und GTX 480-Karten bei der Double-Precision-Leistung beschnitten hat, um dadruch ein Kaufargument für die kommenden Profi-Karten auf Fermi-Basis zu liefern, ist dies bei AMD nicht der Fall. Demnach entspricht die ATI FirePro™ V8800 mit Ausnahme des leicht geringeren Chiptakts der Rechenleistung der Radeon HD 5870. Damit kann sich die neue Karte deutlich vom Topmodell ATI FirePro™ V8750 der Vorgängerserie auf Basis der RV770-GPUs absetzen.

AMD FirePro Vergleich RV770 - RV870

Bei den unterstützen Software-Schnittstellen kann die ATI FirePro™ V8800 glänzen. DirectX 11, OpenGL 3.2 (4.0 als Beta), DirectCompute 11 und OpenCL 1.0 können mit der Grafikkarte genutzt werden.
Inzwischen bemüht sich AMD auch verstärkt um eine Zertifizierung seiner Grafikkarten für professionelle Anwendungen, um den Kunden größere Sicherheit zu geben. Bei einem empfohlenen Preis von 1.499 US-Dollar liegt AMD recht deutlich unter den Angeboten aus dem Hause Nvidia, deren Topmodell Quadro FX 5800 auf Basis der älteren G200b-Chips mit 4 GiB Ram erst ab 2.858 Euro den Besitzer wechselt.
Was die Hardware angeht, ist AMD dezeit auf jeden Fall gut aufgestellt und die verbaute Cypress-GPU liefert mit ihren 320 5D-Shaderprozessoren auch ordentlich Rechenleistung. Allerdings kommt es im professionellen Umfeld vor allem auf die Softwareunterstützung an und da ist Nvidia nach wie vor einen Schritt weiter. Die neuen Catalyst-Treiber geben aber Anlass zu der Hoffnung, dass AMD sich bemüht, auch auf diesem Feld aufzuholen und unsere Umfrage zum Thema Grafiktreiber zeigt zudem, dass die AMD-Treiber besser sind als ihr Ruf.


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4 Kommentare

4.) Phenocore 09.04.2010 - 22:19 Uhr
Test (engl.): http://www.pcper.com/article.php?aid=89 ... pert&pid=1
3.) N1truX 08.04.2010 - 08:30 Uhr
Als Max Board Power kann man bei AMD die TDP verstehen. Die HD 5870 hat auch eine MBP von 188 Watt, was ja idr. so ziemlich der TDP entspricht.

Aber das mit den Preisen ist schon echt auffällig. Auch bei den neuen Server-CPUs hat AMD ja die Preise sehr human gestaltet. Scheint so als wollte man da jetzt auf Masse statt hoher ASP setzen. Vielleicht nicht mal schlecht, wenn man an sowas wie Cloud-Computing denkt.
Und wenn die Preise so massiv geringer sind, sind auch 10-20 % weniger Performance egal. Dafür kann man sich ja für das gleiche Geld mehr holen.
2.) Flare 08.04.2010 - 07:18 Uhr
Da steht Max. Board Power und nicht TDP, außerdem stehen AMDs 2x 6pin gegen über NVs 8+6pin, richtig ?

gez. flare
1.) Daedalus 08.04.2010 - 07:03 Uhr
Zeit wirds. Bei den Kampfpreisen und der sicherlich geringen Stückzahl einer Fermiprofikarte wird AMD jetzt hübsch am Kuchen von NVIDIA knappern.
Mit den Preisen setzt man die Konkurrenz gehörig unter Druck. Nur die ungenau spezifizierte TDP finde ich etwas komisch.