AMD sucht seiner selbst

AMDDie Wellen der Begeisterung nach der Übernahme von ATi durch AMD waren schnell verflogen, wenngleich ein kleines Auflodern durch die Vorstellung des ersten gemeinsamen Chipsatzes RS690 zu erkennen war. Es kriselt ein wenig in der "neuen AMD-Welt", die eigentlich zu den Sternen greifen wollte und den langeingesessenen Riesen Intel die Grenzen aufzeigen sollte. Viel Wirbel um den R600 und die im Vorfeld schlechte Kritik, der R600 sei ein Stromgespenst, dass ein eigenes Kraftwerk zum Betrieb benötige, warfen kein gutes Licht auf den sonst eher stillen Prozessorbauer. Verstärkend kommt die nicht planmäßige Auslieferung der neuen K8L bzw. K10 Prozessoren, mit denen AMD ursprünglich schon viel früher an den Start gehen wollte, hinzu. Ungewisse Performance über den Chip und den Druck im Nacken, womöglich vor Intel - trotz neuer Architektur - auf die Knie gehen zu müssen, ist groß. Schlechte Billanzen verfestigten dann die schwarze Wolke über AMD.

Doch nicht nur außerhalb scheint es zu Rangeleien zu kommen, so richtig scheint das Bündnis zwischen ATi und AMD noch nicht zu greifen. Giuseppe Amato kritisiert, dass er oft die ATi-Kollegen darauf hinweisen müsste, wer eigentlich wen übernommen hätte. Von einer Schlammschlacht mag man zwar noch nicht sprechen, allerdings herrscht intern angespanntes Klima, wie uns von mehreren Seiten bestätigt werden konnte. Trübe Gesichter an den Ständen und vor allen Dingen verärgerte ATi-Partner, die teuer für einen Platz auf der CeBIT zahlten, dann aber nur mit "Highlights" wie den X1550- und X1950-Karten aufwarten konnten. Wie man uns versicherte, wäre man dankbar gewesen, wenn man die CeBIT dazu hätte nutzen können, den R600 der Öffentlichkeit zu demonstrieren.

Das Projekt Quad-FX, das einst angedacht war, sich aus der brenzligen Lage zu befreien, hat mehr Kosten verursacht als letztlich geholfen. Sehr schlechte Verkaufszahlen und die Tatsache, dass das stromfressende Monster nur im Land der unbegrenzten Möglichkeiten verkauft wird, verfinstern das Bild über die kalifornische Chipschmiede. Zwar stehen mit dem R600 und K10 zwei ganz große Projekte vor der Tür, doch bisweilen klemmt die Tür noch und will sich nur spärlich öffnen lassen. Was sich dann hinter der Tür verbirgt, bleibt vorerst noch AMD-Interna, allerdings sollte in Anbetracht der Zeitdauer etwas großes daraus geworden sein. Eine Minimallösung kann man sich absolut nicht erlauben, so dass R600 und K10 dazu verbannt sind, uneingeschränkt gut zu werden. Wie wir in Erfahrung bringen konnten, wird AMD den R600 prächtig in Tunesien vor geladenen Gästen vorstellen und ein ähnliches Spektakel wie seinerzeit beim Opteron-Launch fabrizieren. Wie man das Projekt K10 handhaben wird, ist bisweilen noch unbekannt.


Kommentar schreiben

  • Loggen Sie sich oben mit ihren Benutzerdaten ein, um Kommentare zu verfassen.
  • Falls Sie noch kein Mitglied sind, können Sie sich in unserem Forum registrieren.

0 Kommentare