Windows Vista mit harschem Medienecho

MicrosoftObgleich schon diverse Online-Shops das neue Windows anbieten können, der offizielle Launch ist weiterhin für Ende des Monats geplant. Dennoch ließen es sich die Größen des Geschäfts, die wohl auch schon einmal vorab einen Blick aufs neuste Schmuckstück von Microsoft warfen konnten, nicht nehmen, Stellung zum brisanten Thema zu nehmen. Der gut angesehene Chefprogrammierer der ID-Software Schmiede beispielsweise, John Carmack, unter dessen Regie unter anderem die Schocktitel Doom 3 oder auch jüngst Quake 4 entwickelt wurden, hatte kein Fund netter Worte für das neue Betriebssystem über. Seiner Meinung nach gäbe es keinen wirklich schlagfertigen Grund auf Vista umzusatteln. Die neue Benutzeroberfläche träfe zwar auch seinen Geschmack, dennoch ist der Amerikaner davon überzeugt, dass Windows XP auch noch die nächsten Jahre anstandslos seine Arbeit verrichtet hätte. Recht gereizt bemerkte die ID-Ikone zudem, dass es unverschämt sei, Direct3D 10 an Vista zu koppeln. Hier hätte er den Microsoft-Machern eine klugere Taktik zugetraut.

Auch Gabe Newell, Mitgründer und Geschäftsführer der Spieleschmiede Valve, welche sich ihrerseits mit Titeln wie CounterStrike und Half-Life 2 in das Herz vieler Gamer schloss, steht dem ehemals unter dem Codenamen Longhorn entwickelten Betriebssystem kritisch gegenüber. Der 45-Jährige, welcher insgesamt 13 Jahre selber auf der Gehaltsliste der Redmonder stand, makiert, dass Microsoft nicht die Entwicklung von Windows XP weiter fortgeführt hätte. Er ist der Ansicht, dass eine Neuentwicklung oft problembehaftet ist und sich erst nach Jahren auszahlt. Der Ex-Microsoftarbeiter geht mit den Redmondern sogar so hart ins Gericht, dass er öffentlich empfiehlt, auf den bisweilen eher schleichenden Konkurrenten, Apple, zu setzen.

Wie könnte es anders sein, hat auch Linux-Entwickler Linus Thorvalds kein Lob für Microsofts neusten Streich über, der seiner Meinung nach viel zu sehr von den Medien gehypt wird. Der gebürtige Finne sieht im neuen Betriebssystem zumindest nicht die "revolutionäre Ader", von der Microsoft immer wieder gerne spricht. Ihn schrecken insbesondere die hohen Hardwareanforderungen ab, die der Linux-Koordinator zugleich als entschiedenen Nachteil gegenüber Linux anführt. Er glaubt fest daran, dass sich Linux im Laufe der Zeit an Windows festbeißen kann, wenngleich er darauf verweist, dass dies ein schleichender Prozess werde.

Pickt man die Statements der einzelnen zusammen, bleibt am Ende für Microsofts Betriebssystem nur ein Hagel der Kritik über. Ganz so schlimm, wie es uns die drei sicherlich qualifizierten Leute weismachen wollen, steht es dann allerdings doch nicht um das von vielen heiß erwartete Next-Generation Betriebssystem. Dass Linus Thorvald als Konkurrent zu Vista dem neuen Betriebssystem keine Blumen zuschnürrt, war sonnenklar. Dass die Spieleentwickler Carmack und Newell so harsch auf Vista reagieren, ist womöglich nur auf die zum einen Teil zwar verkaufsfördernde, aber doch nicht soziale Strategie der Redmonder zurückzuführen. Die zwei hätten es wohl lieber gesehen, dass Direct3D 10 übergreifend in alle Betriebssystem einzieht.

Am Ende wollen wir uns vor einem eindeutigen Resümee drücken. Sicherlich ist Vista nicht der Meilenstein, von dem Microsoft immer wieder spricht, jedoch ist Vista tatsächlich mehr als eine nette Auffrischung von Windows XP. Inwiefern für einen selbst dann das neue Windows-Betriebssystem "innovativ" ist, ist stark an den eigenen, individuellen Anwendungsgebieten gekoppelt. Jedermann wird seine eigenen Gesichtspunkte haben, an denen er ein Betriebssystem letztendlich misst.


Kommentar schreiben

  • Loggen Sie sich oben mit ihren Benutzerdaten ein, um Kommentare zu verfassen.
  • Falls Sie noch kein Mitglied sind, können Sie sich in unserem Forum registrieren.

0 Kommentare