AMD-CEO Dirk Meyer tritt zurück

AMDVöllig überraschend hat sich gestern der bisherige CEO bei AMD Derrick "Dirk" Meyer von seinem Posten zurückgezogen. Übergangsweise fungiert nun der bisherige CFO - Chief Financial Officer - Thomas Seifert als CEO, während ein neuer Mann für die Spitze gesucht wird.

Nach eigenen Aussagen haben sich AMD und der ehemalige CEO in gegenseitigem Einverständnis entschlossen, zukünftig getrennte Wege zu gehen. Als Grund wird angegeben, man sehe bei AMD die Möglichkeit, den Unternehmenswert mittelfristig zu steigern. Für diese Steigerung sei ein starkes Wachstum, das Erringen einer Marktführerschaft und das Erzielen von überragenden finanziellen Ergebnissen notwendig und die Trennung von Meyer biete hierzu die Möglichkeit. Das alles klingt reichlich kryptisch und erklärt kaum die übereilte Trennung, die nun zunächst ein Loch im Unternehmen lässt und AMD einen weiteren guten Mann kostet. Dirk Meyer hat AMD durch die schwersten Zeiten manövriert und Meilensteine für eine Rekonsolidierung des Unternehmens gesetzt. So war er für den Milliardendeal mit Intel mitverantwortlich, der die Abspaltung der Fertigungsanlagen ermöglicht hat und so zur Gründung von Globalfoundries geführt hat. Letzte Woche konnte AMD zudem erfolgreich seine Fusion-APUs Ontario und Zacate vorstellen, die bislang ein erfolgversprechendes Echo bei den Herstellern und der Presse fanden.

Es ist wahrscheinlich, dass im Laufe der nächsten Wochen mehr über die Hintergründe der Trennung bekannt wird und was es mit der "Steigerung des Unternehmenswertes" auf sich hat. Unmittelbar nach der Ankündigung von Meyers Rücktritt sank jedenfalls der Aktienkurs von AMD erst einmal. Die Aussagen von Thomas Seifert, man erwarte für 2011 ein starkes Jahr und die Fusion-APU Llano und die neue CPU-Architektur Bulldozer seien weiterhin im Zeitplan, lässt zumindest keinerlei Produktionsprobleme als Grund für den Abgang von Meyer erkennen. Am 20. Januar sollen die Quartalszahlen bekannt gegeben und dabei auch weitere Details genannt werden.

Nachtrag:
Anandtech wirft - gewagte - Spekulationen auf, ob nicht ein zukünftig geplanter Kauf von AMD durch ATIC - den arabischen Finanzinvestor hinter Globalfoundries - einer der Gründe für Meyers Abgang sein könnte.


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5 Kommentare

5.) Flare 13.01.2011 - 18:21 Uhr
Frohes Neues erstmal,

Diese "Ausbeute bei besserer Markposition" kann Intel und Nvidia besser ausnutzen das diese beiden die ERSTE-WAHL sind und darüber hinaus wenn sie im Hintertreffen sind durch illegale Strategien ihren Absatz sichern.
Und so klein amd/ati fast komplett den Vorteil zerstören.
Dieses destruktive marktverzerrende Verhalten hätte die beiden viel teurer zu stehen kommen müssen, das war ein Verheerender Schaden für AMD.

Damit sollte auf das gequengel nach mehr Forschungs-Investition bei AMD erklärt sein.
Diese illegalen Strategien sind nicht vorrangig aus Geldgier entstanden sondern sollen klein amd/ati durch:
Umsatzeinbruch --> Gewinn --> Entwicklungszeit ... abnehmen.
Das ist herheerender Schaden weil niemand genau sagen kann wieviel Gewinn AMD zusätzlich bzw. wieviel Schuldenzinsen gespart worden wären.

Ein großes Manko bei amd sind die fehlenden Entwickler-Workstations, dadurch werden sie ständig durch Anpassungen wie es ein Alternativanbieter zu leisten hat immer auf dem 2. Platz sein.
Und diese Entwicklung konnte auch "Dirk" nicht stoppen.
4.) hmd 13.01.2011 - 14:32 Uhr
@N1truX
Dann ekeln halt die Manager-Fuzzis den ungeliebten technischen Fremdkörper/Freak aus dem Führungsstab. ^^ Sorry ich hab von den Personalien keine Ahnung, aber es ist schon erstaunlich was in den Läden an Inkompetenz regiert. Ich frag mich manchmal ob, die sich die Manager wirklich noch um ihr eigenes Produkt kümmern. Das sollte doch das Wichtigste einer Firma sein. Manager können noch so geschickt ein und verkaufen, bei CPUs ist leider alles genau messbar, es zählt die Leistung. Ein Manager kann da nur hoffen dass die Entwicklung ein gutes Produkt auf die Beine stellt. In solchen Branchen muss ich immer wieder lachen, wie sich die Manager selbst loben, obwohl sie eigentlich bezüglich Verkaufserfolg so gut wie keinen Einfluss haben.
3.) Phenocore 13.01.2011 - 10:04 Uhr
Auf der anderen Seite konnte AMD nicht mal einen schönen Plus beim Gewinn schreiben, als AMD Phenom II X4 als Preisleistungsieger hatte (im Gegensatz zu jetzt nach Sandy Bridge) und auch noch einen Phenom II X6 hatten, der um die 200 Euro erlös brachte und man auch bei GPUs im Vergleich zu nVidia gut stand und auch im mobilen Bereich dort an Marktanteilen gewonnen hat. Wenn das also schon zu solch, relativ guten Zeiten nicht möglich ist einen guten Gewinn einzufahren, hat man absolut kein Spielraum für schlechtere Zeiten, von daher muss da etwas passieren. Eine Schwarze Null zu guten Zeiten und rote Zahlen zu normalen und schlechten Zeiten ist einfach auf Dauer nicht tragbar.
2.) N1truX 13.01.2011 - 09:24 Uhr
Ja - und genau deswegen versteht wohl keiner den Rauswurf vom Meyer. Er ist ja kein Finanzhai sondern Ingenieur (mMn. Chefentwickler vom K7/Athlon) und hat AMD aus dem Phenom / HD 2000 Tal hin zu einem wieder konkurrenzfähigen Unternahmen gebracht und die R&D-Abteilung so unstrukturiert, dass man jetzt auch wieder Zeitpläne einhält.
Ich glaube nicht, dass wir unter Hector Ruiz die ersten Fusions schon jetzt gesehen hätten. AMD hat damit definitiv einen sehr kompetenten Mann verloren und die Aktie nach Bekanntgabe auch schon über 10 Prozent an Wert. So schlecht kann er also nicht gewesen sein.

Und R&D kostet nun einmal Geld und das hat AMD nicht unbegrenzt zur Verfügung. Intel kann es sich mal leisten jahrelang an so etwas wie Larrabee zu forschen und es dann halb in den Sand zu setzen, bei AMD wäre das eine Katastrophe. Du kannst kein Geld investieren wo keines da ist - und wenn man mal die finanziellen Relationen zu Intel sieht, leisten die Jungs (bezogen auf die Effizienz) einen sehr guten Job.
1.) hmd 13.01.2011 - 09:00 Uhr
Ganz ehrlich, die AMD-Führungsriege ist sicher nicht die Beste, wenns da mal einen Tausch gibt, kanns nicht schaden. Ich hab eher das Gefühl, dass nach dem enttäuschenden Cayman-Chip auch bei den CPUs die Ernüchterung vor der Türe steht. Manager sind eh völlig überbewertet, die braucht es alle nicht, wenn AMD leistungsmässig bei den CPUs näher zu Intel aufschliessen könnte. Von aussen ist es schwer zu beurteilen, aber ich glaub dass zu wenig geforscht und entwickelt wird (in Relation zu Intel). Und Schuld haben primär die Manager, die sich lieber mit Firmen kaufen und verkaufen beschäftigen, anstatt dass sie mal alles dafür tun würden, damit das Produkt konkurrenzfähiger wird (sprich Gelder an die richtigen Orte verteilen würden).