Intel "Sandy Bridge"-Prozessoren offiziell

IntelIntel hat gestern zu Beginn der Consumer Electronics Show in Las Vegas wie erwartet seine neue Prozessorgeneration Sandy Bridge vorgestellt, die 14 neue Desktop-Prozessoren mit zwei und vier Kernen nach sich zieht. Ein kompletter Tapetenwechsel ist damit aber noch nicht in Intels Desktop-Lineup eingeläutet, denn die Neulinge definieren lediglich den Mainstream- und Performance-Markt neu - zwischen 117 und 317 US-Dollar müssen für einen Sandy Bridge-Prozessor bezahlt werden.

Architektur

Bei Sandy Bridge handelt es sich zwar um einen Tock (neue Generation), die architektonischen Änderungen gegenüber Nehalem beziehungsweise zuletzt Westmere fallen aber überschaubar aus. Nennenswert ist unserer Meinung nach die neue Intel HD-Grafik mit DirectX 10.1-Unterstützung, die je nach Ausführung (HD 2000: 6 SPs, HD 3000: 12 SPs) etwa 25 oder 100 Prozent schneller rechnet als die bisherige Intel-IGP und in allen vorgestellten Prozessoren bereits auf dem Trägermaterial sitzt, sowie die Unterstützung der AVX-Erweiterung (SSE-Nachfolger), die neue Instruktionen mit sich bringt und erstmals eine Vektor-Größe von 256 Bit besitzt, was theoretisch die doppelte Leistung erlaubt. Zudem verweist Intel auf einen optimierten Turbo-Modus und ein verbessertes Hyperthreading. Intern hat es noch Optimierungen am Front-End ("L0"-Cache hinzugekommen, verbesserte Sprungvorhersage) und Back-End ("Physical Register Files" hinzugekommen, "Re-Order Buffer" und "Memory Cluster" optimiert) gegeben.

Modularer Aufbau

Unabhängig von den Optimierungen, die in Sandy Bridge eingeflossen sind, um die Performance zu erhöhen, ist auch der Aufbau des Prozessors interessant. So ist Sandy Bridge nämlich in vier Module (Bausteine) eingeteilt, die sich beliebig hinzufügen oder entfernen lassen und auch beliebig postiert werden können. Dies sind die CPU-Kerne, der GPU-Kern, L3-Cache und System Agent (Uncore).
Dies macht sich Intel zu Nutze, indem man für die 14 vorgestellten Prozessoren erstaunlich viele Trägermaterialien vom Band laufen lässt, nämlich gleich drei Stück. Einen mit vier Kernen und HD 3000-Grafik (995 Mio. Transistoren, 216 mm²), einen mit zwei Kernen und HD 3000-Grafik (624 Mio. Transistoren, 149 mm²) und einen mit zwei Kernen und HD 2000-Grafik (504 Mio. Transistoren, 131 mm²). Das Dasein des letzten ist unserer Meinung nach einzig und allein auf den modularen Aufbau zurückzuführen, der auch beispielsweise problemlos später Acht-Kern-Varianten ohne Grafikeinheit ermöglicht.

Neue Desktop-Modelle im Überblick

.CPU-Takt /
mit Turbo
ThreadingL3-CacheGrafikGPU-Takt /
mit Turbo
TDPPreis
Core i3-21003,1 / - GHz2C/4T3 MiBHD 20000,85 / 1,10 GHz65 Watt$117
Core i3-21203,3 / - GHz2C/4T3 MiBHD 20000,85 / 1,10 GHz65 Watt$138
Core i3-2100T2,5 / - GHz2C/4T3 MiBHD 20000,65 / 1,10 GHz35 Watt?
Core i5-2390T2,7 / 3,5 GHz2C/4T3 MiBHD 20000,65 / 1,10 GHz35 Watt?



.CPU-Takt /
mit Turbo
ThreadingL3-CacheGrafikGPU-Takt /
mit Turbo
TDPPreis
Core i5-23002,8 / 3,1 GHz4C/4T6 MiBHD 20000,85 / 1,10 GHz95 Watt$177
Core i5-24003,1 / 3,4 GHz4C/4T6 MiBHD 20000,85 / 1,10 GHz95 Watt$184
Core i5-2500/K3,3 / 3,7 GHz4C/4T6 MiBHD 2000
HD 3000
0,85 / 1,10 GHz95 Watt$205
$216
Core i7-2600/K3,4 / 3,8 GHz4C/8T8 MiBHD 2000
HD 3000
0,85 / 1,35 GHz95 Watt$294
$317
Core i5-2400S2,5 / 3,3 GHz4C/4T6 MiBHD 20000,85 / 1,10 GHz65 Watt$195
Core i5-2500S2,7 / 3,7 GHz4C/4T6 MiBHD 20000,85 / 1,10 GHz65 Watt$216
Core i7-2600S2,8 / 3,8 GHz4C/8T8 MiBHD 20000,85 / 1,10 GHz65 Watt$306
Core i5-2500T2,3 / 3,3 GHz4C/4T6 MiBHD 20000,65 / 1,25 GHz45 Watt$216


Wie erwähnt, sind es 14 Prozessoren an der Zahl, die Intel auf der Consumer Electronics Show vorgestellt hat. Der Fokus liegt dabei klar auf den zehn Quad-Core-Prozessoren, die ab 9. Januar allerdings erst in den Preislisten der Händler geführt werden sollen. Die vier Dual-Core-Prozessoren wurden zwar auch schon einmal offiziell vorgestellt, werden vermutlich aber erst im Februar im Handel auftauchen.

Verwirrende Bezeichnungen

Wie man sieht, hält Intel am bisherigen Namensschema (Core i3, Core i5) weitgehend fest und schafft es wie schon in der Vergangenheit nicht, für klare Transparenz zu sorgen. Es ist beispielsweise schlicht unerklärlich, warum der Dual-Core-Prozessor Core i5-2390 ein "i5" im Namen hat, das sonst ausnahmslos Quad-Core-Prozessoren inne tragen. Bedenkt man dann noch, dass der Core i5-2300 bezeichnete Prozessor nicht nur höher taktet, sondern zudem auch doppelt so viele Kerne besitzt, kann man nur die Hände vor den Kopf schlagen. Es gibt (leider) noch etliche, andere Beispiele...

Leistungsklassen und Empfehlungen

Intel gruppiert seine neuen Prozessoren in drei Leistungsklassen: Prozessoren ohne Kürzel sind mit 95 Watt TDP angegeben, Prozessoren mit S im Namen mit 65 Watt TDP und Prozessoren mit T im Namen mit 35 Watt TDP. Prozessoren mit K im Namen besitzen einen nach oben hin offenen Multiplikator und - nicht zu verkennen - die leistungsfähigere HD 3000-Grafikeinheit. Dafür erhebt Intel erfreulicherweise nur einen Aufpreis von etwa 10 bis 20 US-Dollar, die gut investiert sind, wenn man seinen Prozessor gerne übertakten möchte und/oder keine diskrete Grafiklösung besitzt.
Das beste Preis/Leistungsverhältnis unter den vorgestellten Prozessoren besitzt unserer Meinung nach übrigens der Core i5-2500/K, dem wir - ohne ihn getestet zu haben - eine Empfehlung aussprechen wollen.

Performance und Leistungsaufnahme

Widmen wir uns abschließend ersten Praxis-Ergebnisen, die zum Launch das Web überfluteten und somit bereits ein gutes Bild von Intels neuer Prozessorgeneration zeichnen lassen.
Es zeigt sich, dass ein Sandy Bridge-Prozessor pro Takt etwa 15 Prozent schneller rechnet. Und es lässt sich auch aussagen, dass sich jenes Leistungsplus in der Regel nicht durch den verbesserten Turbo-Mode oder das verbesserte Hyperthreading erzielen ließ. Es müssen die anderen, aufgezählten Optimierungen und wahrscheinlich noch viele darüber hinaus sein, die Sandy Bridge effizienter rechnen lassen als Nehalem.
Die Leistungsaufnahme ist im Idle vergleichbar mit den letzten Core i5- und Core i7-Prozessoren der Nehalem-Generation. Fortschritte sind erst unter Last zu erkennen. Das Topmodell Core i7-2600 mit 3,4 GHz Basistakt benötigt da beispielsweise weniger Energie als ein Core i5-760 mit 2,8 GHz Basistakt und nur vier statt acht Threads.

Ersteindruck

Insgesamt hat Intel mit Sandy Bridge konsequent weiter entwickelt: Die neuen Prozessoren sind schneller und sparsamer und die Grafikeinheit wurde verstärkt, auch wenn wohl nicht in dem Maße, wie sich manch einer erhofft hatte. Ein wirklich abschließendes Urteil lässt sich allerdings noch nicht fällen, weil AMDs Konterparts noch auf sich warten lassen. Unbestritten kann man aber schon jetzt sagen, dass Intel gut vorgelegt hat und mit Sandy Bridge die zurzeit attraktivsten Prozessoren am Markt stellt, sobald sie denn inklusive neuer Mainboards mit neuem Sockel und Chipsätzen verfügbar werden.


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1 Kommentar

1.) Quo vadis? 05.01.2011 - 17:48 Uhr
Im Absatz "Leistungsklassen und Empfehlungen" hat sich in der letzten Zeile ein kleiner Fehler eingeschlichen: "übringens der Core i5-2500/K...".

Ich habe mittlerweile einige Tests zu S-B gelesen und muss sagen das Intel stark vorgelegt hat, wenn man bedenkt, dass es sich mit S-B lediglich um das Mainstream-Portfolio handelt.
Ich bin gespannt was auf uns, respektive AMD, im Herbst mit dem Nachfolge S.1366 zukommt.

Für uns (den Konsumenten) und für AMD hoffe ich, das Bulldozer seinem Namen gerecht wird.