Microsofts Kinect als Bastlertraum

MicrosoftDas als Project Natal gestartete Kinect von Microsoft ist eigentlich eine Bewegungssteuerung für die Xbox 360, die dafür sorgen soll, dass die Bewegungen des Spielers auf die Spielfigur übertragen werden. So soll statt dem immer gleichen Drücken der Knöpfe auf dem Gamepad eine freiere Eingabe möglich werden, die vollen Körpereinsatz fordert. Seit aber das System auch für den PC geknackt wurde, scheinen die Anwendungsmöglichkeiten beinahe grenzenlos und plötzlich ist vieles zu sehen, was man sonst eher aus Science-Fiction-Filmen kennt. Auch Universitäten und Firmen haben nun die Chancen der neuen Steuerung erkannt.

Kinect-Funktionsweise

Microsoft Kinect - Funktionsweise


Zwei Sensoren (Infrarot- und schwarzweiß CMOS-Sensor) sorgen für die Tiefeninformationen, während eine dazwischenliegende Kamera die RGB-Farbinformationen erfasst. Zusätzlich enthält das Gerät noch ein Multi-Array-Mikrofon (bestehend aus vier Einzelmikrofonen) und kann sich eigenständig in einem gewissen Rahmen neigen und drehen.
Schon kurz nach dem Start wurde das System geknackt und damit für Linux und Windows 7 nutzbar. Zunächst reagierte Microsoft empört darüber, um sich aber dann alsbald versöhnlich zu äußern und die Bastler sogar zu motivieren. Man habe schon damit gerechnet, dass das System schnell nutzbar gemacht wird, meinte Alex Kipman, der gedankliche Vater von Kinect bei einem Interview.

3D-Scans in Echtzeit
Eine Gruppe von Entwicklern des ROS-Projects, das eine Open-Source-Robotersteuerung und -Infrastruktur entwickelt, hat Kinect mit einem selbstfahrenden iRobot Create und einem Entfernungsmesser kombiniert. Dabei vermisst das System in Echtzeit seine Umwelt und sendet die Daten via WLAN an einen Server. So entsteht in Echtzeit eine Point-Cloud der Umgebung, die Hindernisse und die räumlichen Gegebenheiten darstellt. Das System erkennt auch Menschen, die dem kleinen Roboter mit einem Fingerzeig sogar die Richtung weisen können.



Bewegungssteuerung von Windows 7
Ebenso bemerkenswert ist die Bewegungssteuerung eines Windows 7-Desktops mittels Kinect, die frappierend an Szenen aus Minority Report erinnert. Plötzlich scheint derartiges ohne Probleme auch zuhause greifbar zu sein. Die für Touch-Steuerungen bekannte Firma Evoluce zeigt in einem Video, wie präzise sich ein Rechner mittels der Gestenerkennung von Kinect steuern lässt. Auch die gleichzeitige Steuerung durch mehrere Nutzer ist mit Kinect möglich. Microsoft spricht offiziell davon, dass Kinect bis zu sechs Personen gleichzeitig erkennen kann.



Digitale Handpuppen
Theodore Watson und Emily Gobeille haben nach sehr kurzer Entwicklungszeit ein Projekt veröffentlicht, bei dem die Bewegungen von Arm und Hand auf eine digitale Handpuppe übertragen werden.



Objekterkennung
Auch Objekterkennung ist mit dem System deutlich besser möglich als mit normalen 2D-Kamerasystemen. So kann der Computer mittels Kinect vorher "erlernte" Gegenstände sehr schnell und sicher zuordnen.



Mit Microsofts Kinect scheinen nun viele Projekte zuhause umsetzbar zu sein, die bisher entweder teuren Forschungseinrichtungen vorbehalten waren oder gar nicht ohne größeren Entwicklungsaufwand verwirklicht werden konnten. Das unglaubliche Feedback der Community verspricht dabei einen immensen Entwicklungsschub für die Entwicklung von Bewegungssteuerungen in Programmen und auch einen weitergehenden Einsatz des Systems bei der räumlichen Erfassung der Umgebung durch Roboter und digitale Systeme. Wer die Entwicklung im Auge behalten will, dem sei die Seite http://kinecthacks.net/ empfohlen, die über aktuelle Projekte rund um die gehackte Bewegungssteuerung berichtet.


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