Intel einigt sich mit US-Handelskommission

IntelNachdem sich erst vor etwa zwei Wochen Dell mit der US-Börsenaufsicht auf einen Vergleich und damit verbundene Strafzahlung in Höhe von 100 Millionen US-Dollar - zuzüglich mehrerer Millionen aus dem Privatvermögen beschäftigter Führungspersonen - geeinigt hat, hat dies nun auch Intel mit der US-Handelskommission (Federal Trade Commission - FTC) getan.
Allerdings muss Intel hier - im Gegensatz zum EU-Kartellverfahren - keine Strafzahlungen leisten, sondern man beschränkt sich auf eine strenge Regulierung der Geschäftspraktiken. Dies geschah vor dem Hintergrund, das Verfahren möglichst schnell abzuschließen. Denn immerhin wurde das Verfahren erst Anfang Dezember 2009 - etwa einen Monat nach Intels außergerichtlicher Einigung mit AMD - aufgenommen und findet damit nach nur etwa acht Monaten einen Abschluss.

Bei dem jetzt abgeschlossenen Verfahren hat die FTC Intel vorgeworfen, den PC-Markt über 10 Jahre lang mit wettbewerbswidrigem Verhalten unter Ausnutzung seiner Monopolstellung missbraucht zu haben. Intel erkennt zwar kein Fehlverhalten an, akzeptiert aber dennoch die Vorgaben und Restriktionen der FTC. Diese werden in einem 25-seitigen Dokument festgehalten, welches auch direkt von Intel zum Download angeboten wird.
Wir wollen Ihnen in aller Kürze die wichtigsten Punkte nahe bringen.

  • II.9 - Intel verpflichtet sich, mindestens die nächsten sechs Jahre bei allen "Mittelklasse-Mikroprozessor-Plattformen" einen PCIe-Port zur Anbindung von externen Grafikprozessoren zu integrieren. Dieser muss zudem so gewählt werden, dass keine vorsätzliche Beschränkung des Leistungs- und/oder des Funktionsumfangs entsteht. Dies kommt vor allem Nvidia entgegen, denn zum Beispiel Ion 2 basiert auf dem Prinzip, eine externe GPU an den PCIe-Controller anzubinden.
  • III B - Intel verlängert sein Lizenz-Abkommen mit VIA auf insgesamt 15 Jahre (April 2018)
  • IV.A .7 - Intel stimmt einer strengen Regulierung des Rabatt-Systems zu. Bisher war es Intel zum Beispiel möglich, Rabatte "rückwirkend" auf alle erworbenen CPUs zu gewähren, sofern eine gewisse Stückzahl erreicht wurde. Nun jedoch sind nur noch Rabatte auf bestimmte Mengen-Bereich möglich. So kann zum Beispiel CPU X bei einer Abnahme von 50.000 Stück 100 US-Dollar je CPU kosten, bei der Abnahme von 100.000 kosten die ersten 50.000 weiterhin 100 US-Dollar, die nächsten 50.000 dann zum Beispiel nur noch 90 US-Dollar. Weitere Erläuterungen dazu unter dieser Aufzählung.
  • VII - Hier geht es ausschließlich um Intels hauseigenen Compiler. So werden zum Beispiel nicht alle geschwindigkeitsverbessernden Features einer CPU wie SSE genutzt, sofern diese nicht von Intel stammen. Dies geschieht laut Intel, da man den eigenen Compiler nicht für alle Konkurrenz-Produkte testen könne. Zudem habe der Intel-Compiler nur einen geringen Marktanteil im einstelligen Prozentbereich. Leider befinden sich in diesem kleinen Bereich auch viele Benchmarks, Multimedia-Anwendungen sowie PC-Spiele. Intel wird zwar nicht gezwungen, den hauseigenen Compiler anzupassen, muss den Compiler-Kunden allerdings mitteilen, dass er bei Konkurrenz-Produkten nicht die volle Leistung ermöglicht.
  • VIII - Intel verpflichtet sich, einen Fond in Höhe von 10 Millionen US-Dollar einzurichten. Dieser läuft unter dem Namen "Intel Compiler Reimbursement Program" und ist für all' die Firmen, welche den Intel-Compiler genutzt haben und ihre Programme nun auf "Intels Kosten" mit anderen Compilern rekompilieren können.


Eine weitere Ausführung zum Rabatt-System. Durch das bisherige Rabatt-System konnte Intel AMD bei Ausschreibungen einfacher komplett vom Markt verdrängen. Hätte ein Hersteller zum Beispiel 100.000 PCs herstellen wollen und geplant, 90.000 Intel- sowie 10.000 AMD-CPUs zu kaufen, hätte/hat Intel bisher folgendes Angebot unterbreiten können:
"90.000 CPUs für je 100 US-Dollar (9 Millionen US-Dollar) oder weitere 10.000 CPUs für 90 US-Dollar sowie 10 Prozent Rabatt auf die bisherigen 90.000 (ebenfalls 9 Millionen US-Dollar)." Sprich die letzten 10.000 CPUs gingen gewissermaßen "aufs Haus" und wurden durch die ersten 90.000 refinanziert. Keine Chance für AMD, hier mit Gewinn einzusteigen.

Nun würde man zum Beispiel die ersten 50.000 für je 110 US-Dollar verkaufen können (5,5 Millionen US-Dollar), die weiteren 40.000 beziehungsweise 50.000 CPUs für je 87,5 US-Dollar. Dies wären ebenfalls 90 Millionen US-Dollar für 90.000 CPUs, allerdings 9,875 Millionen für 100.000 CPUs. Sprich, AMD hätte nun auch eine reelle Chance, CPUs abzusetzen.


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