Intel will Larrabee-Technik für HPC einsetzen

IntelWas viele Leser, die das Thema Larrabee von Anfang an verfolgt haben, schon länger vermutet hatten, wurde von Intel heute bestätigt. Die beim vorerst gescheiterten Larrabee-Projekt gesammelten Erfahrungen werden in eine Beschleunigerkarte für Supercomputer einfließen, der einfache Programmierbarkeit mit hoher paralleler Rechenleistung vereinigen soll. Die PCI-Express-Coprozessor-Karte soll als Knights Corner auf dem Markt erscheinen. Intel will unter dem Codenamen "Knights" oder MIC - Many-Integrated-Core - zukünftig eine ganze Serie von Coprozessor-Karten etablieren.

Die heute vorgestellte Entwickler-Version mit dem Namen "Knights Ferry" zeigt noch klar ihre Abstammung von Larrabee, weil man dort noch die Monitoranschlüsse erkennt, die in den späteren Versionen entfallen sollen. Auch die 32 Prozessorkerne mit vierfachem Hyperthreading erinnern an Intels kürzlich gestopptes GPU-Projekt. Damit ist die Karte derzeit in der Lage, 128 Threads gleichzeitig zu bearbeiten und schaffte bei der Demonstration knapp 500 Gigaflops. Alles in allem dürfte es sich damit bei Knights Ferry im Prinzip um Larrabee-Karten handeln. Spätere Versionen - Knights Corner - sollen dann in 22 nm gefertigt mehr als 50 Kerne auf einer Karte vereinen. Dabei sollen die 75 Watt Energie aus dem PCI-Express-Slot ausreichen, was einen gewaltigen Fortschritt gegenüber den Gerüchten um den Verbrauch von Larrabee darstellen würde.

Gerade im HPC-Bereich ist Intel und die Vorherrschaft der x86-Technik derzeit stark gefährdet, da viele Systeme nun neben klassischen x86-Prozessoren auf GPGPU-Karten zur Beschleunigung der Berechnungen setzen, so auch der zweitschnellste Rechner der Welt. Damit werden die x86-Prozessoren zwar nicht überflüssig, aber sie verlieren doch an Bedeutung, wenn ein Großteil der Berechnungen auf GPUs ausgelagert wird, die deutlich mehr Flops pro Watt liefern. Daher ist es für Intels Position im HPC-Bereich unerlässlich, ebenfalls eine Manycore-Technologie zu etablieren, die parallele Berechnungen effizienter ausführen kann. Viele Forschungsprojekte der letzten Jahre zielten in diese Richtung. Polaris, SCC und natürlich nicht zu vergessen Larrabee, Intels zwischenzeitlich auf Halde gestelltes GPU-Projekt, dessen Know-How maßgeblich in das jetzt vorgestellte Projekt Knights Corner einfließen soll. Knights Corner hat gegenüber Larrabee einen entscheidenden Vorteil. Er muss sich nicht an den Frames pro Sekunde messen lassen, sondern kommt primär für massiv parallele Berechnungen in Supercomputern zum Einsatz. Damit verteidigt Intel mit Knights Corner die x86-Bastion gegen die anstürmenden roten und grünen GPU-Horden. Der entscheidende Trumpf für Intel ist dabei die einfache Programmierung der auf x86-Technik basierenden Architektur im Gegensatz zu den GPUs, bei denen vieles erst neu gedacht und optimiert werden muss. Somit darf man dem Projekt durchaus gute Chancen einräumen, im HPC-Bereich erfolgreich zu sein. Allerdings hat Intel noch nicht bekannt gegeben, wann Knights Corner erscheinen soll. Da 22 nm-Technik zum Einsatz kommt, dürfte es allerdings nicht vor Ende 2011 soweit sein.

Betrachtet man Intels Knights Corner-Folien, die bei Golem zu sehen sind, genauer, dann sieht man, dass später auch ein hybrider Prozessor aus größeren und kleineren Kernen geplant ist, ähnlich AMDs Fusion-Prozessoren. Ursprünglich sollte Intels 22 nm-Haswell-Prozessor Larrabee-Technik mit klassischen x86-Kernen auf einem Die vereinen. Nach dem Larrabee-Aus ist aber vieles in Intels Roadmaps wieder offen. Gerüchte gehen derzeit davon aus, dass das Larrabee-GPU-Team zu teilen verstärkt Intels aktuelle IGP-Technik verbessern soll.

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