Intel zeigt Interesse an Infineons Handy-Sparte

IntelSchon seit Einführung der ersten Atom-Plattform - Codename Silverthorne - bemüht sich Intel darum, seine x86-Technik auch für Smartphones interessant zu machen. Nun zeigt der Chipriese offenbar Interesse an Infineons Handy-Sparte, mit der man erstmals in der Lage wäre, neben der eigentlichen Plattform auch UMTS- und 3G-Technik aus einer Hand anbieten zu können. Der Infineon-Chef Peter Bauer sieht das Ganze allerdings angeblich recht skeptisch.

Infineon konnte sein Handy-Geschäft in den letzten Monaten stabilisieren, mit 537 Millionen Euro Umsatz und einem Gewinn von nur 26 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2010 bleibt man aber immer noch weit hinter dem stärksten europäischen Mitbewerber ST Ericsson zurück, der etwa doppelt so groß ist. Der Weltmarktführer Qualcomm aus San Diego, Kalifornien, konnte sogar etwa 5 Milliarden US-Dollar im ersten Halbjahr umsetzen und verdiente mehr als 1,5 Milliarden US-Dollar. Analysten hatten deshalb schon länger daran gezweifelt, dass Infineon groß genug ist, um dauerhaft im Handysektor Fuß zu fassen.
Derzeit beliefert Infineon jedoch viele große Hersteller von Mobiltelefonen und Internet-Geräten, darunter Nokia, Samsung, RIM und auch Apple und konnte besonders wegen letztem sein Geschäft in letzter Zeit deutlich verbessern. Die Aussichten sind also wieder gut, weil man nach wie vor hervorragende Technik liefert. Gerade daran dürfte nun Intel interessiert sein, um seine Plattformen für Handys und mobile Internetgeräte weiter zu verbessern und damit konkurrenzfähiger im hart umkämpften Markt zu werden. Das Problem an den Übernahmegerüchten ist allerdings die verbesserte Liquidität von Infineon insgesamt, die derzeit mit flüssigen Geldmitteln im Umfang von 1,7 Milliarden Euro nicht darauf angewiesen sind, profitable Teile des Unternehmens zu veräußern.

Vergleicht man Intels kürzlich vorgestellte Ultra-Mobil-Plattform Moorestown, die speziell auf den Einsatz in Smartphones und MIDs abzielt, mit Qualcomms Snapdragon-Plattform, dann sieht man schnell, dass Qualcomm auf deutlich kleinerem Raum weit mehr handyspezifische Features bieten kann, darunter 3G/UMTS-Empfang, GPS-Lokalisierung und selbst TV-Empfang. Intel fehlt daher für Smartphones eigentlich essentielle Technik und man ist somit nach wie vor auf externe Anbieter von Kommunikationsmodulen angewiesen, während Qualcomm alles aus eigener Hand in einer Plattform anbieten kann. Für Moorestown ist nur dank einer Partnerschaft mit Ericsson eine Unterstützung für UMTS/HSPA und WiMAX optional möglich.
Neben einer Übernahme wäre auch eine strategische Partnerschaft denkbar, ähnlich wie dies schon bei der Fertigung von High-Density SIM-Cards der Fall ist. Auch mit Nokia arbeitet Intel schon sehr eng bei der Entwicklung des Mobil-Betriebssystems Meego zusammen.


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1 Kommentar

1.) f1delity 21.05.2010 - 08:49 Uhr
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Wenn Intel wirklich Interesse hätte, so könnten die doch sicherlich eine feindliche Übernahme starten, aber ich glaube kaum, dass es dazu kommen wird. Aber die Zeit wird es zeigen, Infineon steht zwar schwach da, aber das kann sich ja noch bessern, bin jedenfalls gespannt, ansonsten könnte Intel auch selbst entwickeln und dann evtl. eigene Smartphones auf den Markt bringen, das Kapital sollte dafür ja vorhanden sein, wie z.B. bei Google, ob es dann aber auch vom Markt angenommen wird steht auf einem anderen Blatt.