AMD Phenom II X6 offiziell

AMDAMDs heute offiziell vorgestellter Sechs-Kern-Prozessor Phenom II X6 für den Desktop – Codename Thuban - basiert noch auf dem bewährten und inzwischen etwas betagten K10.5-Kern, auf den alle Athlon II und Phenom II setzen. Auch bei der Fertigungsgröße hat sich seit Ende 2008, als der erste Phenom II – Codename Deneb – auf den Markt kam, nicht viel getan. Und dennoch kann AMD an vielen Stellen mit den neuen Prozessoren punkten und setzt dabei auch Intel unter Druck. Dabei ist der Hauptkonkurrent des Thubans weniger Intels Sechs-Kern-Flaggschiff Gulftown als vielmehr die Vier-Kerner Bloomfield und Lynnfield, die Core i7 für den Sockel 1366 und 1156.
Hier sollen kurz die Neuerungen und Vorteile der neuen Prozessor-Serie vorgestellt werden, die diesen Prozessor so interessant machen

Sechs Kerne für den Desktop
AMD hat schon länger einen Sechs-Kern-Prozessor im Programm. Seit Mitte letzten Jahres wird der Sechs-Kern-Prozessor für Server – Codename Istanbul – ausgeliefert. Schon damals lautete die Frage vieler Nutzer, warum es nicht auch für den Desktop einen Sechs-Kerner gibt. Die Antwort war damals schlicht, dass es keinen rentablen Markt für derartige Prozessoren im Desktop-Bereich gäbe. Das lag vor allem daran, dass die damaligen Sechs-Kern-Prozessoren dank exakt gleicher Fertigung wie bei den Vier-Kernern deutlich niedriger getaktet wurden, um innerhalb der TDP/ACP-Grenzen zu bleiben. Mit dem Thuban ist es AMD aber gelungen, mehr Kerne bei sehr hohem Takt und bei gleicher TDP unterzubringen. Grund dafür ist eine Änderung in der Fertigung.

Ultra-Low-K-Materialien
Beim Phenom II X6 kommen erstmals so genannte Ultra-Low-K-Materialien zum Einsatz, die für eine bessere elektrische Trennung der Metalllagen sorgen und so höhere Taktraten bei niedrigerem Verbrauch ermöglichen. Damit ist es AMD in Zusammenarbeit mit Globalfoundries gelungen, bei gleicher Fertigungsgröße einen erheblichen Sprung zu machen, der beinahe einem Fullnode-Shrink gleichkommt, also einer Verkleinerung der Fertigung. Gleichzeitig dürften damit auch höhere Übertaktungs-Ergebnisse möglich sein. So können nun Sechs-Kern-Prozessoren im E0-Stepping produziert werden, die ebenso hoch takten wie ihre vierkernigen Vorgänger. Und ein hoher Takt ist nach wie vor wichtig, wenn Anwendungen nicht alle Kerne ausnutzen, was zum Beispiel bei Spielen häufig der Fall ist. Aber AMD hat sich noch etwas „einfallen“ lassen, um die neuen Prozessoren für Spieler attraktiv zu machen.

AMD Turbo CORE
Erstmals kommt bei den Phenom II X6 bei AMD ein Turbo zum Einsatz. Intel bietet derartiges schon seit der Einführung der Bloomfield-Prozessoren, also den Core i7 für den Sockel 1366. Ein Turbo sorgt dafür, dass bei Anwendungen, die nicht alle Kerne des Prozessors nutzen, die genutzten Kerne übertaktet werden, um so bessere Ergebnisse zu erzielen. AMD hat beim Thuban den Turbo so ausgelegt, dass er nur dann den Turbo nutzen kann, wenn drei oder mehr Kerne schlafen.
Beim Thuban gibt es bei den Modellen mit einer 5 am Ende, also dem 1035T, dem 1055T, dem 1075T einen Turbo von 500 MHz, bei denen mit einer 0 am Ende, also dem 1090T können die Kerne nur um 400 MHz übertaktet werden. Laut den Benchmarks bringt Turbo CORE allerdings eher etwas fürs Marketing, denn in der Praxis ist der Nutzen als gering einzustufen.


Preis
AMD positioniert den Thuban sehr aggressiv. Während Intel für seine Topmodelle rund 1000 Euro verlangt, sind es bei AMD für den größten Phenom II X6 mit 3,2 GHz nur knapp 300 Euro. Der 1055T mit 2,8 GHz kostet sogar unter 200 Euro - Phenom II X6 1035T und 1075T werden wohl in den nächsten Wochen folgen. Damit ordnen sich die neuen Sechs-Kerner direkt über AMDs Vier-Kernern ein und treten vor allem in Konkurrenz zu Intels Lynnfield- und Bloomfield-Prozessoren, also den Core i7 für Sockel 1156 und 1366. Außer Schlagweite bleibt Intels Flaggschiff Core i7 980X, das mit seinen sechs Kernen und Hyperthreading gleich zwölf Threads auf einmal bearbeiten kann und standardmäßig mit 3,33 GHz getaktet ist. Allerdings ist auch der Preisabstand recht groß, denn Intel verlangt rund 900 Euro für den Gulftown.

Tests


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9 Kommentare

9.) Phenocore 28.04.2010 - 17:06 Uhr
Ah, auf das Betriebssystem hab ich gar nicht geachtet. Das würde wohl auch erklären, warum der 6-Kerner bei Computerbase und co. besser abschneidet als bei HT4U.

Daraus folgt: Bei 6-Kerner ist win 7 oder neustes Linux Pflicht. HT4U müsste mal das Testsystem umstellen...

golem.de hat den Vorteil von win 7 beim Intel Core i7 980X auch schon beschrieben, allerdings ist da auch noch SMT mit onboard, so dass da die Problematik noch dramatischer bei Vista ist:

http://www.golem.de/1003/73762-8.html
8.) eXEC 28.04.2010 - 15:15 Uhr
Den CPU selbst finde ich sehr gelungen, schade ist nur, dass die Software noch etwa 1-2 Jahre benötigt, um wirklich auf 6 Kerne ausgelegt zu sein. Die meisten aktuellen Games nutzen nur 3 Kerne richtig aus und der vierte bringt nur noch einen relativ geringen Boost.
7.) isigrim 28.04.2010 - 09:13 Uhr
Kein Problem.
Mir stellt sich momentan die Frage, ob Asus für das Board überhaupt noch ein passendes Bios bringt, weil die beinahe baugleichen M4A Typen mit 790GX schon entsprechenden Support haben.....
6.) Daedalus 28.04.2010 - 09:10 Uhr
@ isigrim
Ich habe von Benchmark-Suiten keine Ahnung. Aber dein Vorschlag klingt für mich vernünftig. Wegen mir musst du aber kein neues Board kaufen. Warte lieber auf das Bios, so dringend ist es nicht ;)
Aber schonmal Danke im voraus!
5.) isigrim 28.04.2010 - 09:04 Uhr
@Daedalus
Ich hätte mir schon einen Thuban geholt, allerdings ist mein Board (Asus M3A78-T) noch nicht mit einem passenden BIOS ausgestattet und die Jungs von Computerbase hatten mit selbigem in Verbindung mit Thuban kein Glück.

Sobald ein BIOS verfügbar ist, werde ich einen Deneb und einen Thuban unter Linux benchen. Ansonsten muss ich mir wohl ein neues Board leisten, was ich eigentlich noch bis nächstes Jahr hinauszögern wollte.
Interesse an speziellen Anwendungen? Ansonsten wirds die Phoronix Benchmark-Suite sein mit ein paar Zusatzprogrammen. Ich werde auch einige spezielle Blender-Szenen mit K10-optimierten und nicht-optimierten Builds testen.
4.) Daedalus 28.04.2010 - 07:20 Uhr
@ Phenocore
Für den Ottonormalverbraucher (das es ja eigentlich nicht mehr gibt, zumindest an den meisten Tankstellen ;) ) ist der X6 wahrscheinlich nicht die beste Wahl. Aber zum arbeiten definitiv! Es gibt Anwendungen, welche gut 30 % schneller laufen. Damit ist der Preis absolut gerechtfertigt.

@ Hardware Infos: Mich würde mal ein Test auf Linux interessieren! Bekommt ihr das hin? Da entfällt natürlich der Spielekram aber gerade die Anwendungen wären interessant.
3.) isigrim 28.04.2010 - 06:28 Uhr
Ich denke es kommen mehrere Probleme zusammen.
Bei Spielen ist es der pro Kern verfügbare kleinere L3 Cache des Thuban der im Vergleich zum Deneb bremst. Denn sowohl der Deneb, als auch Thuban haben 6 MB shared L3. Bei Deneb macht das pro Kern durchschnittlich 1,5 MB, beim Thuban nur 1 MB. Und die meisten Spiele profitieren von größeren Caches.

Das nächste Problem scheint mir bei ht4u Vista als Betriebssystem. Da werden die Threads häufiger verschoben und erzeugen dadurch unnötige Latenzen je mehr Cores man hat. Der Win 7 Scheduler dürfte deutlich besser sein für Multicore. Das ist allerdings nur eine Vermutung und wäre mal einen Vergleichsbenchmarkparcour wert. Wenn man sich die Ergebnisse bei Computerbase, die auf Windows 7 setzen, ansieht, deutet sich allerdings an, dass gerade bei Mehrkernprozessoren auch das OS recht starken Einfluss haben könnte.

Mit dem Scheduler hängt wohl auch AMDs Turbo CORE-Problem zusammen. Denn wenn die Threads ständig verschoben werden, dann bringt ein derartiger Modus nichts, wo die schlafenden Kerne ständig wieder aktiviert werden. Bei Intel werden die Kerne abgeschaltet und bleiben dadurch, soweit ich weiß, beim Scheduling erstmal außen vor.

@Phenocore
Der Preisaufschlag von AMD kommt wohl letztlich aus dem Vergleich mit Intel. Denn da man den Core i7 860 in vielen Fällen mit einem 1090T schlagen kann, ist auch ein vergleichbarer Preis gerechtfertigt. Zudem hat man da eine Black Edition, für die AMD zwar seit den K10 keinen AUfschlag mehr verlangt hatte, bei der ein höherer Preis aber durchaus nachzuvollziehen ist. DIe Preise werden zudem ja nach der Einführung noch fallen. Dann dürfte man für den 1090T auf 250 bis 260 Euro kommen und dann ist noch Platz für den 1075 T bei 220 Euro. Ich finde AMDs Preispolitik nach wie vor sehr human, verglichen mit der von Intel.
2.) Phenocore 27.04.2010 - 23:29 Uhr
1090T ist im Vergleich zum 1055T einfach nur überteuert. 1055T ist in Anbetracht der Leistung etwas zu teuer im Vergleich zu den Phenom II X4.

Sogar wenn man die Spiele raus nimmt und sich die Benchmarks anschaut, die für Multicore optimiert sind also bei Videobearbeitung z.B, so ist bei ht4U der 1055T (ohne TurboCore) teilweise LANGSAMER als der X4 955, der weniger kostet. Insgesammt wohl ein unentschieden, wenn man alle Videobearbeitungsbenchmakrs nimmt (wobei ich das jetzt nicht ausgerechnet habe, sondern nur so übern daumen). Bei Komprimieren ist der 1055T bei winrar etwas langsamer bei 7-zip etwas schneller als der 955, also ebenfalls unentschieden. :-/

Die wahrscheinlich wirklich interessanten 6-Kerner kommen erst in Q3 2010, der X6 1075T @ 3,0GHz dann hoffentlich zu einem "vernünftigen" Preis und der X6 1055T mit 95W TDP.
(Den X6 1035T können die sich sparen, da tut es auch ein X4 945)
1.) (th) 27.04.2010 - 21:27 Uhr
sehr interessante Tests, die bisher zu lesen waren. Für mich persönlich aufgrund des schwachen Abschneidens in Games momentan weniger interessant (aber so war das früher bei 4-Kernern ja auch).
Das beste an den Prozessoren, ist dass AMD die Stromeffizienzmechanismen deutlich verbessert hat. Mal gucken wie das mit den zukünftigen anderen neuen Prozessorenklassen wird. Bin optimistisch!