AMD plant Netbook-Plattform

AMDAMD will mit seinem nächstes Jahr erscheinenden Prozessor Ontario auch in den Markt für die ganz kleinen Geräte einsteigen und Intel im Netbook-Segment Konkurrenz machen. Bei Ontario kommt erstmals die Bobcat-Architektur zum Einsatz, die speziell für den mobilen Einsatz neu entwickelt wurde. Zudem wird auf dem Chip, der als SoC - System on Chip - geplant ist, auch eine DirectX 11-fähige GPU integriert.

AMD Bulldozer und Bobcat

Seit dem Kauf von ATI arbeitet AMD an seinen Fusion-Prozessoren, die CPU und GPU auf dem gleichen Chip vereinen und von AMD inzwischen als APUs - Accelerated Processing Units - bezeichnet werden. 2007 gab es hier erstmals Ankündigungen, die damals noch von einer Markteinführung 2009 ausgingen. Damals wurde neben der neuen Bulldozer-Architektur, die den High-End-Desktop- und Server-Markt bedienen sollte, auch Bobcat für den Kleinstgeräte- und Mobilbereich in Aussicht gestellt. Beide Architekturen sind nach wie vor die große Hoffnung für AMD, endlich wieder in Schlagweite zu Intel zu kommen und nicht mehr weitgehend über niedrige Preise konkurrieren zu müssen. Allerdings gab es nach dem Debakel mit den ersten K10-Prozessoren einige Verschiebungen und so kommen nun beide Architekturen erst 2011 auf den Markt.

Die Bobcat-Architektur ist höchstwahrscheinlich ebenso ein Neuentwurf wie die Bulldozer-Architektur, genaues weiß man allerdings noch nicht. Der erste Prozessor auf Bobcat-Basis wird Ontario, ein Dual-Core mit integrierter DirectX 11-GPU, der laut AMD als so genanntes SoC designt wird, wohl ähnlich den ARM-Prozessoren. Allerdings ist der Begriff SoC recht unklar umrissen und meint lediglich eine Verschmelzung verschiedener Designelemente auf einem Chip, womit man jeden Kombiprozessor - einschließlich der neuen Atoms - als SoC bezeichnen könnte.

AMD Bobcat: Klein, effizient und stark

Auf dem Analyst Day 2009 gab es einige weitere Informationen zu Ontario und zur Bobcat-Architektur. So soll Bobcat 90 Prozent der heutigen Mainstream-Performance abliefern - womit man sich eher auf dem Niveau von Intels CULV-Prozessoren als auf Atom-Niveau bewegen würde - und dabei aber nur die halbe Silizium-Fläche belegen. Zudem ist eine volle Unterstützung für bis zu SSE3 und für Virtualisierungs-Features geplant. Ein weiterer Gesichtspunkt bei der Bobcat-Entwicklung war die Möglichkeit, den Chip leicht nach dem Baukastenprinzip neu verwenden zu können, was AMD in gewisser Weise schon heute mit den K10.5-Kernen praktiziert, die in Zwei-, Vier- und Sechs-Kern-Prozessoren eingesetzt werden.

Ein interessanter Punkt, der für einige Diskussionen gesorgt hat, war die Fertigungsgröße der Chips, die auf den Folien beim Financial Analyst Day 2009 für Ontario zu sehen war. Dort waren 40 nm zu erkennen, die sich zudem farblich von der 45 nm-Fertigung absetzten. 40 nm ließen auf eine Bulk-Fertigung schließen, die für AMD ungewöhnlich wäre, denn eigentlich werden AMD-CPUs in SOI - Silicon on Insulator - gefertigt. Ein Bulk-Prozess würde allerdings eine etwas günstigere Fertigung erlauben, was für einen Low-Cost-Chip durchaus von Bedeutung sein kann.

AMD - Notebook Roadmap bis 2011

Die zugehörige Note- beziehungsweise Netbook-Plattform für Ontario trägt den Codenamen Brazos, nach dem Brazos River in Texas, womit AMD die Mobil-Plattformen auch weiterhin nach Flüssen bezeichnet. Geplant sind Displaygrößen von 12 Zoll und kleiner, womit man sich etwas über den 10 Zoll-Beschränkungen bewegt, die Intel für die Atom-Plattform vorsieht.

Erstmals will sich AMD mit Ontario nun auch in den Bereich der Netbooks wagen, also den Bereich der ultramobilen Geräte, den Intel mit seinen Atom-Prozessoren neu definiert hat. Momentan hinkt AMD aber gerade im ultramobilen Bereich noch weit hinter Intel mit Blick auf Laufzeit und Leistung zurück. Das liegt maßgeblich daran, dass AMDs aktuelle Ultra-Thin-Plattform, die vor allem im 12 Zoll-Segment zu finden ist, noch auf den alten 65 nm-K8-Kernen basiert, die erst mit der Nile-Plattform dieses Jahr durch zeitgemäße 45 nm-K10.5-Kerne abgelöst werden. "If we'd had a part, we'd have been in this space. We didn't have a part so we went and worked on a part for the thin and light space.", meinte Nigel Dessau von AMD im Interview mit InternetNews.com. "The plan is to come to market next year with a Fusion part that fits in it nicely in a netbook type thing." Der Codename Ontario ist übrigens interessant, da AMD erst kürzlich von der Regierung in Ontario Zuwendungen in Höhe von 56 Millionen kanadischer Dollar für die Entwicklung von APU-Prozessoren erhalten hat.
Mit der Brazos-Plattform kann AMD auch einen der größten Nachteile der aktuellen Atom-Plattform angreifen, nämlich die fehlende Multimedia-Unterstützung, wie Dessau mit der Aussage "it will have a good processor integrated with graphics, so you won't need the [Nvidia] Ion graphics to give it half-decent performance" wohl nochmal verdeutlichen wollte. Aber bis 2011 fließt auch noch einiges an Wasser den Nil und die Donau hinunter.


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