OpenGL 4.0: Auf Augenhöhe mit DirectX 11?

GrafikkartenOpenGL ist ein offener 3D-Standard und hat den großen Vorteil, plattformübergreifend sowohl auf Windows-PCs wie auch auf Mac- und Linuxsystemen zu funktionieren. Allerdings hat die für den Standard zuständige Khronos-Gruppe in der Vergangenheit nicht mit der schnellen Entwicklung von Microsofts DirectX - beziehungsweise dessen Direct3D - mithalten können und geriet so bei Spielen immer mehr ins Abseits. Im professionellen Umfeld wird es aber immer noch stark genutzt und mit OpenGL ES für Smartphones feiert es derzeit große Erfolge. Nun will Khronos mit OpenGL 4.0 auch featuremäßig wieder auf Augenhöhe gegen Microsoft antreten.

So sollen die neuen DirectX 11-Funktionen wie Tesselation genauso einfließen wie "per-sample-fragment shaders" und Funktionen für eine Verbesserung der Renderqualität und für mehr Flexibilität bei der Nutzung von Antialiasing. Die Shader-Language GLSL - das Microsoft-Pendant heißt HLSL - wird dabei auf Version 4.0 angehoben. Zudem wird bei OpenGL 4.0 die Kommunikation mit der GPGPU-API OpenCL verbessert, indem Befehle nun ohne Zwischenstopp bei der CPU weitergereicht werden können und somit Latenzen verringert und Bandbreite eingespart werden kann. Zur Beschleunigung der Darstellung gibt es nun Instanced Geometry Shaders und Instanced Arrays. Das ermöglicht es, die Rechenzeit in denjenigen Szenen zu senken, in denen bestimmte Objekte mehrmals vorkommen oder sich gleichartig verändern.

Volle Unterstützung für OpenGL 4.0 werden allerdings nur die DirectX 11-kompatiblen Karten haben. So hat Nvidia angekündigt, dass die Fermi-Karten voll zu OpenGL 4.0 kompatibel sein werden und auch zum Start entsprechende Treiber zur Verfügung stehen. Ob AMDs Radeon HD 5000-Serie OpenGL 4.0 voll unterstützt, bleibt abzuwarten, ist aber anzunehmen. Auch hier sind schon entsprechende Treiber angekündigt.

Für ältere Karten will die Khronos-Gruppe viele der neuen Funktionen auch für OpenGL 3.3 anbieten, dann in einem Kompatibilitätsmodus, um die Entwicklung zu erleichtern. Allgemein dürfte OpenGL, das viele schon abgeschrieben hatten, dank der kommenden Smartphones und Tablets sowie der immer stärkeren Nutzung von WebGL eine großartige Renaissance bevorstehen. Dann dürfte es auch auf dem Desktop wieder mehr Spiele geben, die OpenGL nutzen. Allerdings stehen den Entwicklern für DirectX derart viele Werkzeuge zur Verfügung und die Studios haben sich in den letzten Jahren verstärkt auf DirectX konzentriert, so dass man kaum davon ausgehen kann, dass OpenGL schnell am DirectX-Thron sägen wird. Immerhin steht nun aber wieder eine technisch aktuelle Alternative zur Verfügung.
Es bleibt zu hoffen, dass Khronos nun schneller neue Standards verabschiedet und auch neue Funktionen zur Verfügung stellt.


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9 Kommentare

9.) eXEC 12.03.2010 - 23:08 Uhr
Ich sehe es auch so, wie einige User vor mir: DirectX ist einfach der Standard für Games, es funktioniert hervorragend, hat keine größeren Schwächen oder Probleme und der einzige Nachteil ist, dass es "nur" unter Windows verfügbar ist. Und genau das ist imo überhaupt kein Nachteil, 99,98% der Zocker nutzen einen Rechner mit Windows und die anderen 0,02% sollen sich mal nicht so dumm anstellen, sondern sich selber anpassen, ein Dual-Boot System ist kein großer Act, warum sollen sich die Entwickler für diese paar User noch großartig Geld ausgeben? Wer zocken will braucht Windows, punkt aus Ende. Ganz einfach eigentlich und auch nicht wirklich ein Problem, immerhin hat jeder einen PC mit Windows-Betriebssystem.
8.) isigrim 12.03.2010 - 10:03 Uhr
DirectX gibt es nicht für Linux und auch nicht für den Mac. Das ist ein Microsoft Ding und derzeit auf Windows (x86) beschränkt. Unter Linux gibt es allerdings mit Wine den Versuch einen Großteil der DirectX-Funktionalität via OpenGL zu emulieren. Da Wine Open Source ist, kann es auch auf Mac-Systemen genutzt werden. Zudem ist auf dem Mac ein Teil der DirectX Funktionalität dank Vmwares Fusion greifbar, aber das ist dann wiederum eine Emulationsgeschichte.

Und gerade das ist das Problem, dem sich Microsoft stellen muss. Mit einer zunehmenden Verbreitung mobiler Geräte auf Basis von Android oder anderen Linux-Derivaten wird OpenGL für die Entwickler wieder interessanter, denn ein OpenGL-Renderpfad kann prinzipiell ohne große Veränderungen dann für Linux, Mac, Windows und mobile Geräte verwendet werden (dort ist es OpenGL ES, aber die Funktionalität ist ähnlich). Dank WebGL könnte man Inhalte dann sogar in den Browser verlagern oder man geht einen etwas anderen Weg wie das id Soft mit Quake Live macht, das ebenfalls auf OpenGL basiert.
Ein weiterer Pluspunkt ist die gute Vernetzung mit OpenCL, die momentan noch kaum eine Rolle spielt, aber zukünftig durchaus wichtig sein kann.

Wegen der Programme:
Blender zum Beispiel ist ein kostenloses 3d-Programm auf Basis von OpenGL, das man unter Linux genauso verwenden kann, wie unter Windows und auch auf Mac-Rechnern.
7.) hmd 12.03.2010 - 09:36 Uhr
Elandur:

Und was ist mit der 3D-Grafik-Darstellung für Unix und Co? Allein deshalb hat es schon eine Bedeutung.
...
Wenn man plattformübergreifende 3D-Grafik-Programme oder sogar Spiele erstellen möchte, bleibt dann wohl nur OpenGL übrig.
Und als Nutzer von OpenGL-Grafik kann ich nichts Negatives über OpenGL sagen.

In welchem Programm nutzt du OpenGL?
DirectX gibts ja auch für den MAC und meines Wissens auch für Linux. UNIX und Co ... wer soll eigentlich "und Co" sein? Bei den momentanen Martanteilen / Verbreitung von DirectX wüsste ich nicht keinen vernüftigen Grund welcher für ein Revival von OpenGL sprechen würde. Es sei denn man verkauft Exotensoft-/Hardware mit speziellen Treiber zu überteuerten Preisen. Siehe Quadro/FireGL und neu Fermi.

@Deadalus
Quote:
schnelle Grafikausgabe auf DirectX ohne großen Programmieraufwand?

Hat niemand behauptet.
6.) Elandur 12.03.2010 - 01:17 Uhr
hmd:
Hat sich halt nicht durchgesetzt und deshalb hats keine Bedeutung mehr.


Und was ist mit der 3D-Grafik-Darstellung für Unix und Co? Allein deshalb hat es schon eine Bedeutung.

Gut, mir wäre es auch viel lieber, wenn es nur eine (offene) Programmierschnittstelle geben würde, aber Unternehmen - in diesen Falle Microsoft - schmeißen nach einigen Investitionen verständlicherweise nicht mal eben alles über den Haufen.
Gearbeitet habe ich damit auch nicht, werde ich wahrscheinlich auch nicht und kann deswegen keine Vor- oder Nachteile nennen, aber es wäre schon wünschenswert, wenn es DirectX auch auf Unix und Co System geben würde.
Wenn man plattformübergreifende 3D-Grafik-Programme oder sogar Spiele erstellen möchte, bleibt dann wohl nur OpenGL übrig.
Und als Nutzer von OpenGL-Grafik kann ich nichts Negatives über OpenGL sagen.
5.) Daedalus 12.03.2010 - 01:02 Uhr
schnelle Grafikausgabe auf DirectX ohne großen Programmieraufwand? Nicht möglich. Für kleine Programme mit ein bissl Grafik ist OpenGL super. Für Spiele DirectX. Meiner Meinung nach hat beides eine Daseinsberechtigung.
4.) hmd 11.03.2010 - 21:59 Uhr
Hat sich halt nicht durchgesetzt und deshalb hats keine Bedeutung mehr. Sehs auch so wie Vind, DirectX ist einfach super, alles läuft auf Anhieb, ist schnell, deckt fast die gesamte Multimediapalette ab ... was will man mehr. Nur dass es von Microsoft kommt ist halt für für viele ein Problem. Aber bitte, das Gemecker wird eh nie aufhören, selbst bei wirklich guten Dingen.
3.) Duplex 11.03.2010 - 20:28 Uhr
ich sehe keinen grund warum man noch auf XP setzen sollte...


jedoch schön das OpenGL aufgeholt hat , und das die neuen Nvidias das gleich unterstützen
2.) Zero-11 11.03.2010 - 19:49 Uhr
Ein Grund mehr bei XP zu bleiben 8)
1.) VinD 11.03.2010 - 19:40 Uhr
naja dadurch das einem DirectX in Zum Beispiel Sachen Eingabegeräte sogut wie alles abnimmt, denk ich wird OpenGL immer die zweite Geige spielen müssen...