Intel: High-End-Grafik ist irrelevant

GrafikkartenEin hochrangiger Intel-Mitarbeiter hat auf einer Pressekonferenz betont, dass eigentlich kaum jemand High-End-Grafikkarten benötige. Zwar wirkt diese Äußerung zunächst befremdlich und rückständig, doch wenn man sich Intels hohe Marktanteile im Grafikbereich ansieht, wird man festellen, dass der Mann nicht so falsch liegen kann. Allerdings betonte Dadi Perlmutter, der Urheber dieser Aussage, dass zumindest die Wiedergabe von Medien mittels der GPU, also vorrangig für HD-Videomaterial, durchaus wichtig sei.

“When people think about graphics, they think about 3D war games and more realism. I'm not going to dismiss this, but (this market) attracts a relatively small amount of people[...] I think what a significant portion of consumers really want is media[...]I don't think who has better graphics makes a huge difference...the functionality beyond graphics is what's important,” waren die Kernaussagen von Perlmutter auf einer Investoren-Konferenz. Die Äußerung bezog sich vor allem auf Notebooks, das sollte noch betont werden.

Das ist ein interessanter Marketingschachzug, bietet Intel doch erst seit kurzem überhaupt eine ordentliche Unterstützung für die Wiedergabe von HD-Material durch seine Grafikbeschleuniger an, bei der herausgestellten Funktionalität kann man erst seit Einführung der Clark- und Arrandale-CPUs annähernd mithalten. Zum Start der Dual-Core-Westmere-Reihe alias Core i3 und Core i5 mit integrierter GPU hat Intel dann auch zunächst fleißig Muster gerade derjenigen CPU verteilt, die den höchstgetakteten Grafikkern hat und somit als einzige in der Lage ist, mit älteren IGPs von AMD und Nvidia leistungsmäßig mitzuhalten, sie teils sogar zu übertreffen. Allerdings ist dieser Core i5 661 eben dank seines GPU-Taktes von 900 MHz alleine im Clarkdale-Lineup, die GPU der übrigen Core i5-Dual-Cores taktet mit 733 Mhz deutlich niedriger. Für Grafik-Benchmarks der Clarkdale-Reihe sieht man nach wie vor hauptsächlich diesen i5 661, obwohl die übrigen Core i5 und Core i3 bei der Grafikleistung etwa 20 Prozent langsamer sind. So lässt sich Perlmutter dann auch zu einer Aussage wie dieser hinreißen: "And to be fair, in the past few years, other than this year, AMD with ATI had a better integrated graphics solution than Intel." [Kommentar des Autors: AMD hat wohl nach wie vor die bessere IGP]. Zumindest hat Intel mit den Clarkdales inzwischen endlich die Unterstützung von HD-Video-Material im Griff und unterstützt auch die Tonausgabe via HDMI, sogar Dolby TrueHD und DTS-HD Master Audio.

Die Äußerung ist aber auch in anderer Hinsicht von Interesse, denn letztes Jahr ist Intel mit der Entwicklung einer eigenen High-End-Grafikkarte gescheitert. Das Larrabee-Projekt sollte das Unternehmen im High-End-Segment endlich konkurrenzfähig machen und dabei völlig freie Programmierbarkeit mit hoher Leistung verbinden. Nach dem Scheitern stellt Intel zwar wieder Grafikingenieure ein und scheint auch gewillt, weiterhin an High-End-GPUs zu arbeiten, aber marketingmäßig zieht man sich nun offenbar erst einmal zurück. Der Erfolg im GPU-Bereich und der damit verbundene hohe Marktanteil - Q4/09: 55,3 Prozent -, der sich einer virtuosen Plattformstrategie verdankt, geben Intel ja auch irgendwie recht. Dennoch bleibt auch zu betonen, dass die großen GPU-Hersteller ATI und Nvidia in vieler Hinsicht Marken gesetzt haben, denen Intel nach wie vor nur hinterher hächelt.

Etwas unglücklich wirkt es, wenn Perlmutter auch die Konkurrenz der ARM-Hersteller im Smartphone- und Tablet-Bereich kritisiert, denn da ist die gesamte Riege der Hersteller Intel gerade bei der Medien-Wiedergabe überlegen und verbraucht gleichzeitig deutlich weniger Strom. Zudem ist das ein Markt, in dem Intel sich erst noch beweisen muss. Aber Angriff ist ja bekanntlich die beste Verteidigung.


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2 Kommentare

2.) f1delity 08.03.2010 - 15:58 Uhr
Vllt. entferne ich mich ja zu sehr von den Kiddies, aber die Leute die ich kenne und die PC spielen, wollen eben alles manuell einstellen und falls die Performance dann nicht reicht, selbst Abstriche machen, viele davon haben auch Konsolen, regen sich dort aber über die derben Ruckler auf, weil sie dort nicht einfach sagen können Details: Medium und fertig.

Was Highend-Grafik angeht, diese ist für ein paar Gamer wichtig und für Workstations, auch wenn die Karten dort anders heißen und mit besseren Treibern und Support verkauft werden.
1.) Elandur 08.03.2010 - 15:15 Uhr
Ich Teile auch die Meinung - in Zukunft wahrscheinlich immer mehr.
Fangen wir doch auch einfach mal an, was der Kunde will, wenn er überhaupt spielt:
Er macht sich ein bisschen über das Spiel schlau, kauft es dann oder lädt es sich per Steam und Co runter bzw. will es mit wenigen Klicks (welche keine weiteren Kenntnisse verlangen) Installieren und schon spielen - selbst die Spieleinstellungen werden häufig bis gar nicht wahr genommen.
Das alles bietet bereits eine Konsole, der Benutzer muss eigentlich nur das Medium reinlegen und loslegen.
Zur Grafik selber kommt hinzu, dass gerade bei diesen Konsolen nicht der stärkste Grafikchip verbaut wurde und auch noch die Spiele für mehrere Plattformen portiert werden. Hinzu kommt noch die längere Nutzzeit einer Konsole (wo dann natürlich kaum bis keine Hardwareverbesserung vorgenommen werden). Also reicht eine Mainstream Grafikkarte schon für ein oder zwei Jahre. Bis auf ein paar Spiele sind selbst die neuen Performance Karten überflüssig.
Des weiteren verbauen die Komplett-PC Anbieter in Computer für die Masse Low-Budget bis Mainstream Grafikkarten. Dies alles Gepaart mit einem zu hohen Preis bei High-End Grafikkarten und der Tatsache dass die meisten den Computer nicht selber zusammen bauen und die meisten auch keine Ahnung von der Hardware haben wenn sie sich Komplett-PCs kaufen sind wir am Schluss angelangt, dass High-End Grafikkarten wirklich immer irrelevanter werden.

Immerhin haben AMD und NVidia in Moment Glück, dass immer mehr auf Full-HD gesetzt wird und deshalb erstmal automatisch die Grafikanforderungen bis zu einem bestimmten Punkt steigen. In Zukunft wird es aber wahrscheinlich keine so große Steigerung mehr geben.

Auf den einzigen Zug auf den Intel aber sowieso nur springen will ist GPGPU, weshalb der Larrabee wahrscheinlich entwickelt wurde und höchstens als nette Beigabe zum spielen geeignet sein sollte. Der Anfang ist halt immer etwas schwer.