MSI mit Hydra für Mixed-GPU-Setups

MainboardsMSI hat auf der Cebit sein Big Bang Fuzion-Mainboard für den Sockel 1156 gezeigt, auf dem Grafikkarten verschiedener Hersteller kombiniert werden können. Möglich macht dies ein kleiner Chip namens Hydra der israelischen Firma Lucid, die damit den Multi-GPU-Markt revolutionieren wollen.

Bisher kann man im Normalfall nur gleiche oder sehr ähnliche Grafikkarten des gleichen Herstellers, also entweder nur Nvidia oder nur ATI, zusammenschalten. Dies geschieht bei Nvidia via SLI und bei ATI via Crossfire. Geht es nach Lucid, sollen sich aber zukünftig auch verschiedene Karten von Nvidia und ATI gegenseitig kombinieren lassen, um die Grafikleistung des Systems zu steigern. Zudem setzt Lucid nicht auf AFR – Alternate Frame Rendering –, das bei Crossfire und SLI zum Einsatz kommt, sondern teilt jede Szene für die Grafikkarten auf und führt sie anschließend wieder zusammen. Das erhöht den Treiberaufwand immens und dürfte die größte Herausforderung für Lucids Hydra darstellen. Dafür könnten damit bei einer guten Umsetzung die sonst störenden Mikroruckler der Vergangenheit angehören.

MSI Big Bang Fuzion (Cebit 2010)

Auf dem MSI-Cebit-Stand lief ein Demosystem mit einem gemischten Setup aus einer Geforce GTX 275 und einer Radeon HD 5870. Man erklärte uns auf Nachfrage, dass grundsätzlich mindestens DirectX 10-Grafikkarten notwendig seien und die Technik momentan wohl auch nur DirectX 10 unterstützt. Das schränkt den Nutzen im Zusammenhang mit neueren Karten natürlich immens ein. Denn ein Spiel wie Dirt2 würde beispielsweise bei Verwendung der Radeon HD 5870 eigentlich auch einen DirectX 11-Renderpfad bieten, der dem Nutzer dann mit Hydra versperrt bleibt. Auch sonst scheint Hydra die GPUs momentan nach dem Prinzip "kleinster gemeinsamer Nenner" zu kombinieren.

MSI 870A-GD60 Hydra

Interessant ist, dass auf der Cebit auch erstmals ein Mainboard für AMD-Prozessoren mit dem Hydra-Chip gezeigt wurde. Es handelt sich um das 870A-GD60 Hydra, ein Board mit AMDs kommendem 870-Chipsatz, das im April oder Mai in Deutschland erscheinen soll. Dass MSI auch ein AMD-Board mit dem Hydra-Chip ausstattet, ist außergewöhnlich, da der Haupteigner von Lucid Intel ist. MSI erklärte uns aber, dass man schließlich mit Lucid verhandle und nicht mit Intel, auch wenn letztere eine Verwendung des Hydra-Chips für AMD-Mainboards sicherlich nicht gerne sähen.

Momentan bietet einzig MSI Mainboards mit Hydra an. Ein anderer großer Mainboardhersteller sagte uns, man habe die Technik getestet und hätte dabei nichts gesehen, dass einen wirklichen Nutzen brächte oder überhaupt ordentlich nutzbar wäre. Daher würde man die Technik auch derzeit noch nicht einsetzen. Die Markteinführung des Hydra-Chips wurde wohl nicht umsonst so lange verzögert. Ein früher Test von Anandtech hat noch sehr viele Schwierigkeiten mit der Technik offenbart und Computerbase hat zwar noch keinen Artikel veröffentlicht, jedoch schon durchblicken lassen, dass die Technik noch sehr unausgereift ist.
Es bleibt vor allem abzuwarten, wie sich die Treiberunterstützung entwickelt und wie viel Performance man aus den verschiedenen Setups letztlich herausholen kann. Denn nur wenn eine breite Palette an Spielen unterstützt wird und man spürbare Vorteile aus der Kombination verschiedener Grafikkarten ziehen kann, wird sich die Technik für die Kunden lohnen. Bei einem Preis von derzeit 319 Euro für das Big Bang Fuzion dürften viele potentielle Kunden momentan sowieso lieber gleich in eine potentere Grafikkarte investieren.


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3 Kommentare

3.) Phenocore 05.03.2010 - 09:08 Uhr
Na, dann bin ich auf den Test gespannt. Die für den technisches Support zuständige Ingenieurin von MSI zeigte sich doch recht optimistisch, schließlich hat man mit Lucid ausgehandelt, dass ein Ingenieur von Lucid auch stets bei MSI an Optimierungen für die Plattform arbeitet.

Übrigens, ich hoffe CB testet dann mit den neuen Treibern, die bald rauskommen sollen. Sie hat nämlich auch mehrmals darauf hingewiesen dass die neue Treiberversion (wenn ich mich Recht erinnere in der Version 1.5) deutlich mehr Performance in vielen Spielen bringt.

Edit: Ok, grad bei CB gelesen, dass der Test "in Kürze" raus kommen soll und es scheint so, als hätten die den schon mehr oder weniger fertig, also wohl noch alte Treiberversion :(
2.) isigrim 05.03.2010 - 08:40 Uhr
Das Problem ist wirklich, dass man einen riesen Aufwand für die Treiber hat. CB will demnächst einen Test des Big Bang Fuzion veröffentlichen, wo auf die ganzen Probleme eingegangen wird.
1.) hmd 05.03.2010 - 08:36 Uhr
Tolle Technik! Denke das wäre die Technik welche Multi-GPU zum Durchbruch verhelfen könnte. Solang man immer über die Mikroruckler lesen muss, lässt sich das schlecht vermarkten. Der Entwicklungsaufwand wäre erheblich kleiner für die erzielten FPS, was sich in mehr FPS pro Euro auszahlen müsste. Das Problem , der Energieaufwand wäre deutlich höher als mit einer neuen GPU mit feineren Strukturen.