ARM vor dem Sprung in Smartbooks und Tablets

ProzessorenDer Mobile World Congress, der diese Woche in Barcelona stattfand, brachte vor allem Neuerungen im Handybereich ans Licht. Wo man hinblickte, sah man Handys mit Touchdisplays. Fast allen Smartphones gemein sind dabei CPUs auf ARM-Basis, die inzwischen eine beachtliche Leistung bei sehr geringem Verbrauch erreichen. Das soll zukünftig auch Smartbooks zu Gute kommen, die in diesem Jahr auf Basis von ARM-Prozessoren erscheinen werden und den Netbooks Konkurrenz machen sollen. Zudem dürfte 2010 das Jahr der Internet-Tablets werden, von denen einige ebenfalls auf ARM-Prozessoren setzen, allen voran Apples iPad.
ARM ist kein Chipfertiger, sondern eine Chip-Entwicklungsfirma, die ihr Know-How an andere Firmen weiterverkauft und diesen ermöglicht, selbst SoCs - System on a Chip - zu entwickeln und fertigen zu lassen. Die schnellste Version der ARM-Chips heißt CortexA9 und ist auch Multiprozessor-fähig, wobei bis zu vier CortexA9 kombiniert werden können. Laut ARM sollen mit dem CortexA9 bei der 40 nm-Fertigung bis zu 2 GGz erreicht werden und das bei einem Verbrauch von maximal 1,9 Watt bei zwei Kernen. Abzuwarten bleibt, wie sich diese Doppelkerne performancemäßig gegen Intels Atom schlagen, der demnächst ebenfalls als SoC in Form der Moorestown-Plattform erscheinen wird, wodurch der Energieverbrauch auch hier sinken und die Multimediafähigkeiten verbessert werden sollen.

Nvidia hatte bei der Vorstellung seines Tegra 250-Prozessors schon mehrere Tablet-Studien gezeigt, die vor allem durch breite Multimedia-Unterstützung glänzen sollen. Der Tegra 250 setzt auf zwei Cortex A9-Kerne mit bis zu 1 GHz Taktfrequenz, gepaart mit einem Low-Power-3D-Chip auf Geforce-Basis. Zudem ermöglicht ein HD-fähiger Videoprozessor die Wiedergabe von 1080p-Material, was Tegra 250-Systeme auch zu guten Medienzuspielern macht. Nvidia stellt auf seiner Seite auch einige MID-Designs vor, die auf der neuen Plattform basieren. Konkrete Geräte dürften auf der Cebit angekündigt werden. Um zu zeigen, dass die Kritik Apples an Adobes Flash nicht gerechtfertigt ist, hat Nvidia auf dem MWC auch gleich eine Tablet-Studie mit Flash-Unterstützung gezeigt.

Hauptkonkurrent ist Qualcomm, deren CortexA9-basierter Snapdragon schon in vielen Handys genutzt wird und der ebenfalls in einigen Tablets Verwendung finden soll. Aktuell arbeiten die Snapdragon-Prozessoren mit 1 GGz und setzen auf einen einzelnen Cortex A9, Doppelkern-Versionen mit bis zu 1,5 GGz sollen im Laufe des Jahres folgen. Zudem ist Qualcomm ein Partner Globalfoundries und dürfte dementsprechend noch im Laufe des Jahres Produkte in Globalfoundries' 28 nm-Fertigung mit HKMG vorstellen, was für nochmals deutlich gesenkte Verbrauchswerte sorgt. Die aktuellen Snapdragon schaffen Videos mit bis zu 720p. Lenovo hatte kürzlich ein Smartbook namens Skylight auf Basis von Snapdragon vorgestellt. Auch HP hat mit dem Compaq Airlife 100 ein Smartbook auf Basis von Qualcomms SoC im Programm, das im Laufe des Jahres erscheinen und mit bis zu 12 Stunden Laufzeit glänzen soll. Beide Geräte setzen auf ein 10 Zoll-Display, drängen also auf den klassischen Netbook-Markt. Größter Nachteil dürfte die fehlende Windows-Kompatibilität aufgrund des fehlenden x86-Instruktionssatzes sein, wodurch viele Anwendungen auf den ARM-basierten Geräten nicht laufen werden. Es kommen hier speziell angepasste Linux-Systeme zum Einsatz wie zum Beispiel Googles Android. Die Geräte werden daher vorrangig auf mobile Internet-Anwendungen ausgelegt sein.

Ein weiterer Mitbewerber auf dem ARM-Markt ist Broadcom, die letztes Jahr den Cortex A9 lizensiert und nun auch eine Tablet-Studie gezeigt haben. Daran sieht man, dass gerade auf dem Feld der Tablets ARM-basierte Designs groß im Kommen sind.

Allgemein darf man dieses Jahr auf viele neue, mobile Internet-Geräte hoffen. Intel wird mit Moorestown versuchen, in klassisches ARM-Territorium vorzustoßen, also in den Bereich Smartphones, während ARM-basierte Geräte in den Bereich der Netbooks vordringen. Gut für den Verbraucher dürfte damit die große Auswahl und die starke Konkurrenz in diesen Bereichen sein.


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