Apple stellt sein iPad vor

AppleWas alle schon erwartet hatten, ist gestern dann auch eingetreten. Apple hat auf der Keynote sein Tablet vorgestellt, das auf den Namen iPad getauft wurde. Die Namensgebung hat dabei durchaus ihre Tücken, worauf am Ende der News nochmal eingegangen wird.

Im Prinzip handelt es sich um einen großen iPod-touch mit 9,6 Zoll Bildschirmdiagonale und einer Auflösung von 1024 x 768 Pixeln. Das Display setzt auf ein LED-hinterleuchtetes IPS-TFT-Panel.
Für schnelles Surfen, flüssige Videos und auch ansehnliche 3D-Spiele sorgt ein eigens entwickelter Prozessor namens Apple A4 - ein ARM-Soc -, der mit 1 GHz betrieben wird. Als Speicher stehen zwischen 16 und 64 GiB zur Verfügung. Bemerkenswert erscheint die angekündigte Laufzeit von 10 Stunden beim Surfen via 802.11n-WLAN und eine Standbydauer von bis zu einem Monat. Allerdings sind das natürlich Werte, die sich erst noch in der Praxis beweisen müssen. Der größte Nachteil dürfte hier wiederum der 25 Wh-Lithium-Polymer-Akku sein, der wohl nicht austauschbar ist. Während das bei einem iPod-Touch noch zu verkraften ist, dürfte es im angepeilten Preissegment des iPad zwischen 499 US-Dollar (16 GiB ohne 3G) und 829 US-Dollar (64 GiB mit 3G) ein handfester Nachteil sein. Einen WLAN-Adapter besitzen alle Versionen.

Apple - iPad

Als Betriebssystem kommt das iPhone-OS 3.2 zum Einsatz, wodurch das iPad zu allen iPhone- bzw. iPod-Touch-Apps kompatibel ist. Dabei werden die für kleinere Auflösungen konzipierten Programme entweder zentriert dargestellt oder auf den gesamten Bildschirm hochskaliert. Apple biete aber auch ein SDK an, mit dem sich bestehende Apps an das iPad anpassen lassen sollen.
Vieles, das heute schon zum Standard gehört, beanspruchte Apple, mit dem iPad quasi neu erfunden zu haben. So kann man mit dem iPad eBooks lesen, die man vorher über die iBooks-App gekauft hat, man kann im Web surfen, allerdings wohl nach wie vor ohne Flash-Player und auch Videos können in den Apple-typischen Formaten .mov, .mp4 und mp4v abgespielt werden. Dabei gibt es wohl auch die Möglichkeit der Videoausgabe auf externe Geräte, die allerdings via VGA nur eine Auflösung von 1024 x 768 Pixeln schafft, mit Component A/V 576p bzw. 480p und mit Apples Composite Kabel 576i bzw. 480i. Der integrierte Prozessor schafft deshalb auch nur H.264 bis 720p. Einen recht großen Teil der Präsentation nahmen 3D-Spiele, allen voran Auto-Rennspiele ein, die sich dank der Neigungsempfindlichkeit des iPad quasi wie mit einem Lenkrad steuern lassen. Die 3D-Darstellung war für ein derart schlankes Gerät durchaus ansehnlich, allerdings wird sich auch das erst bei eigener Betrachtung vernünftig beurteilen lassen. Selbst ein Office-Paket, nämlich ein speziell für den kapazitiven Multitouchscreen angepasstes iWork, wird über den Appstore angeboten. Allerdings dürfte sich dafür das optional angebotene Dock mit Tastatur rentieren, denn die Bildschirmtastaturen eignen sich aufgrund des fehlenden haptischen Feedbacks erfahrungsgemäß kaum zum Tippen längerer Texte. Last but not least kann man mit dem iPad natürlich auch Musik hören. Insgesamt verstärkt Apple mit dem iPad nochmals seine Konzentration auf den Onlineverkauf von Software und Medien.

Zielgruppe für das iPad dürften vor allem diejenigen sein, die gerne von der Couch aus im Web surfen, ihre E-Mails abrufen oder sich zwischendurch mal einen Film anschauen. Aufgrund des größeren Displays ist nun auch das Lesen von eBooks kein Problem mehr und nachdem in den letzten Wochen bekannt wurde, dass Apple mit mehreren Zeitungsverlagen verhandelt hat, sollten auch bald Apps von bekannten Tageszeitungen und Magazinen erscheinen. Hier wird erwartet, dass viele Verlage das iPad nutzen werden, um einen Strategiewechsel hin zu Bezahlinhalten zu vollziehen. Der Nachteil des großen Displays ist dann allerdings die schlechtere Tragbarkeit des Geräts.

Der von vielen bemängelte breite Rahmen dürfte übrigens durchaus praktisch sein, damit man das Gerät auch ordentlich halten kann und nicht versehentlich durch einen Druck auf den Touchscreen ein Programm oder zum Beispiel einen Link öffnet. Schwer ist das Gerät mit seinen 680 Gramm jedenfalls nicht und auch die geringe Dicke von 1,27 cm ist durchaus ansehnlich.

Die Präsentation geriet Apple-typisch sehr enthusiastisch - ein Begriff, der auf diese Firma wohl wie auf keine andere zutrifft.
Apple setzt beim iPad auf bekanntes, größere Überraschungen blieben weitgehend aus. Einzig den eigens entwickelten A4-Prozessor hatten viele nicht erwartet, obwohl es auch hier im Vorfeld schon Gerüchte gab. Bedauerlicherweise hat Apple beim iPad keine Kamera verbaut, was für die Zielgruppe durchaus wünschenswert gewesen wäre. Ein dickes Plus für das Gerät dürfte aber der für Apple-Verhältnisse relative niedrige Einstiegspreis von 499 US-Dollar sein.

Im Laufe des Jahres wird eine große Anzahl Tablets von anderen Anbietern erwartet und dann wird sich zeigen müssen, ob Apples beeindruckende Marketing-Strategie auch diesmal wieder aufgeht.

Hier noch ein persönlicher Kommentar des Autors: Ein fest verbauter Akku macht so ein Gerät zum Wegwerf- bzw. Reparatur-Gegenstand und das ist absolut nicht zeitgemäß. Zudem scheint der Name etwas unglücklich gewählt, weil Pad im Englischen auch Binde bedeutet. Nicht umsonst fand MadTV den Namen iPad schon 2007 merkwürdig ;)


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2 Kommentare

2.) rizawi 29.01.2010 - 05:07 Uhr
500$...das ist nur das Basismodell mit 16GB, die 64Gb Variante schlägt dann direkt mit 800$ ein und will man Internet zahlt man gleich mal 130$ drauf. Zusatzgeräte wie Tastatur, Maus oder vieleicht Kamera sind nicht dabei was noch mal so 100$ aufwärts kostet. Wenn man damit wirklich was konstruktives machen will, was bei Applegeräten auch so schon schwierig ist kommt man da schnell auf den Preis eines richtigen Computers. Ich finde das Gerät als Livestylewecker mit Bilderahmenfunktion, Internet und Terminplaner durchaus geeignet, nur 1000$ würd ich dafür nicht ausgeben, da kann ich mir auch ein Netbook kaufen, da is wenigstens alles gleich dran für den halben Preis und ich muss nich meine Fingerabdrücke auf den Monitor schmieren.
1.) SunBlack 28.01.2010 - 11:31 Uhr
Es ist zwar schön das ein gutes Panel verbaut wurde - aber Apple-typisch wieder ein verspiegeltes Display. Damit wäre das Teil schon gar nicht mehr als eBook-Alternative geeignet (abgesehen davon das lesem auf einem hintergrundbeleuchteten Display anstrengender ist als auf einem E-Ink-Schirm).

Irgendwie wünsche ich Apple mit dem Gerät mal wieder einen Flop ;). Denn eine richtige Zielgruppe hat es für mich nicht. Zum zwischendurch mal etwas lesen ist es wegen dem Display wohl eher weniger geeignet und um was zu schreiben auch nicht, denn per Touch zu schreiben dürfte doch bei ein paar mehr Wörtern doch mit einem Netbook angenehmer sein (abgesehen von Gewicht sehe ich kaum Vorteile des iPads gegenüber einem Netbook).