Nvidia stellt Tegra 250 vor

NvidiaDie meisten Leser warten bei Nvidia-News momentan auf Fermi beziehungsweise GF100. Aber Nvidia hat aktuell noch einen weiteren interessanten Chip im Programm. Es handelt sich um die zweite Generation des ARM-SoC Tegra.

Da Nvidia keine x86-Lizenz besitzt, kommt bei Tegra ein ARM-Prozessor zum Einsatz, womit ihm der Weg zu Windows versperrt bleibt und speziell entwickelte Betriebssysteme - zumeist auf Linux-Basis nötig werden. Dafür brauchen die ARM-Prozessoren extrem wenig Strom und sorgen gerade bei mobilen Geräten für extrem lange Laufzeiten.
Die erste Generation des Tegra kommt zum Beispiel in Microsofts Zune HD zum Einsatz, der leider in Deutschland nicht vermarktet wird, aber insgesamt sehr gute Kritiken bekommen hat.

Als hochintegriertes System-on-a-Chip vereint Tegra 2 (Nvidia nennt ihn Tegra 250) ganze acht Prozessoren auf einem einzelnen Die.

Tegra 250 - Blockdiagramm

Am wichtigsten sind die zwei Cortex A9-Kerne, die bis zu 1 GHz getaktet werden. Daneben gibt es noch einen Audioprozessor, einen Bildverarbeitungsprozessor für die Ansteuerung von Kameras bis 12 Megapixeln, einen 2D/3D-Grafikprozessor mit OpenGL ES2.0-Unterstützung und programmierbaren Pixel- und Vertexshadern, einen HD-Video-Decoder und einen -Encoder sowie einen ARM7-Kern für Input/Output. Das ganze Paket wird in 40 nm bei TSMC gefertigt; wer jetzt an die Schreckensmeldungen der schlechten Ausbeute beim Fermi und bei den Radeons denkt, dem sei gesagt, dass Tegra2 insgesamt mit weniger als einem Zehntel der Transistoren des Fermis auskommt und dadurch erheblich einfacher zu fertigen ist. Auch wenn der Vergleich aufgrund der sehr unterschiedlichen Einsatzgebiete und Fähigkeiten hinkt, ist es doch interessant, beide Nvidia-Chips kurz gegenüberzustellen. Insgesamt besteht der Tegra 250 aus 260 Millionen Transistoren, wogegen Fermi mit seinen 3 Milliarden wie ein Monster wirkt. Dementsprechend belegt der Chip auch nur ein Zehntel der Chipfläche, nämlich 49 mm².
Mit Tegra kann Nvidia vor allem sein Multimedia-Know-How ausspielen und ermöglicht so auch die Wiedergabe von HD-Videomaterial. Während die erste Generation dabei noch auf 720p beschränkt war, sind nun mit Tegra2 sogar 1080p möglich. Dank der Grafikkarte auf Geforce-Basis soll sogar die Videobeschleunigung von Adobes Flashplayers 10.1 auf Tegra 250 funktionieren.
Laut Nvidias Angaben kommt der Chip mit 500 Milliwatt Strom aus. Das Unternehmen nennt 140 Stunden Musikwiedergabe und 16 Stunden HD-Videowiedergabe auf einem 5 Zoll Tablet mit 2000 mAh-Akku und einem 400 mW Display-Verbrauch.

Erste Geräte mit Tegra 250 werden wohl Touch-Tablets sein, die auf der CES auch schon gezeigt werden, und bei denen Tegra dank seiner hohen Rechenleistung eine verzögerungsfreie Benutzung ermöglichen und auch hochauflösende Videos ohne Probleme wiedergeben können soll. Eines der gezeigten Tablets vereint einen Tegra 250 mit einem 4G-Wireless-Modem von Motorola, da Nvidia kein eigenes Modem im Tegra verbaut und stattdessen auf externe Lösungen setzt.
Nach den Tablets stellen auch die Smartphones, die im Laufe des Jahres erscheinen sollen, einen wichtigen Markt für den Tegra 250 dar. Ebenfalls dieses Jahr dürften auch sogenannte Smartbooks - verschlankte Netbooks mit nicht-x86-kompatiblen Kernen - mit dem neuen Nvidia-Chip erscheinen, die dann dank der hohen Rechenleistung - im Bezug auf mobile Geräte - durchaus auch den Netbooks Konkurrenz machen könnten. Allerdings bleibt dabei immer zu erwähnen, dass die fehlende x86-Kompatibilität die Nutzung von Windows auf ARM-Derivaten von vornherein ausschließt. Dank der zunehmenden Verlagerung der Programme ins Internet wird auch diese Hürde allerdings immer kleiner.

Nvidia muss sich mit dem Tegra 250 in einem hart umkämpften Markt beweisen, der allerdings durchaus zu den wichtigsten Einnahmequellen des Unternehmens in den nächsten Jahren werden könnte. Härtester Konkurrent ist dabei momentan wohl Qualcomms Snapdragon-SoC, der allerdings noch mit einem einzelnen ARM-Prozessor auskommen muss.


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8 Kommentare

8.) isigrim 11.01.2010 - 13:46 Uhr
Das einzige was ich auf die Schnelle zum Verbrauch gefunden habe ist ein Artiekl in dem von unter 0.5 Watt die Rede ist.
cnet: Qualcomm vs. Intel
Qualcomm gibt auf seiner Seite nichts zum Verbrauch an, soweit ich das sehe.
7.) DonBot 11.01.2010 - 13:11 Uhr
hat jemand ne ahnung wie viel watt die Qualcomm 1ghz cpu verbraucht?
6.) isigrim 08.01.2010 - 10:23 Uhr
Ein weiteres interessantes Produkt auf Basis des Tegra 250 bzw. der zugehörigen Plattform Tegra T20 ist übrigens der Multimediaplayer/-zuspieler "Boxee Box" von D-Link. Hier sind mehr Infos dazu

Und zu den Spiele bzw. 3d-Grafik-Fähigkeiten sei hier noch kurz auf die Demonstration der Unreal 3 Engine verwiesen. Tim Sweeney kam persönlich um das Ganze auf der CES vorzuführen. Hier ist das Video bei Golem


@Phenocore
Danke für die Links.
5.) Phenocore 08.01.2010 - 09:55 Uhr
Hier gibt es einen Überblick über die 28nm-Prozesse von TSMC: http://www.hardware-infos.com/news.php?news=3195

Zu Intels SoC´-Prozess gab es hier schon mal eine kurze Info im letzten News-Absatz: http://www.hardware-infos.com/news.php?news=3196

Wobei ich mich gerade Frage ob Tegra tatsächlich ein SoC-Chip ist, oder doch nur viele verschiedene CPUs, GPUs auf einem Chip vereint und damit so was wie eine APU ist.

Ein SoC-Chip ist es erst, wenn es auch passive Elemente wie Widerstände, Kondensatoren und Induktoren ebenfalls auf dem Chip enthält.
4.) isigrim 08.01.2010 - 09:29 Uhr
Japp, ich wollte nicht zu weit ins Detail gehen, lediglich den Vergleich bei der Chipgröße ziehen. Allerdings ist die Bemerkung zu den verschiedenen Prozessen ein guter Hinweis.
Sollen wir mal allgemein mal eine News oder einen Artikel zu den verschiedenen SoCs bringen, also vergleiche in Fertigungsgrößen, integrierter Technik etc? Gerade mit Moorestown hätte man ja inzwischen dann auch ein x86-SoC zum Vergleich. Hätte da jemand Interesse daran?
3.) N1truX 08.01.2010 - 09:01 Uhr
Quote:
Das ganze Paket wird in 40nm bei TSMC gefertigt; wer jetzt an die Schreckensmeldungen der schlechten Ausbeute beim Fermi und bei den Radeons denkt, dem sei gesagt, dass Tegra2 insgesamt mit weniger als einem Zehntel der Transistoren des Fermi auskommt und dadurch erheblich einfacher zu fertigen ist.

Gut das ist ein Grund. Allerdings denke ich nicht das nVidia den Tegra 250 im gleichen Prozess fertigen lässt wie GPUs. Für diese wird ja der 40nm SHP (Super High-Performance) - oder wie der bei TSMC heißt - Prozess eingesetzt, für SoC´s usw. gibt es sowas wie 40nm LP (Low Power) und SLP, also Verfahren die auf geringen Stromverbrauch und nicht hohe Taktraten optimiert sind.
Die Prozesse ähneln sich in der Grundstruktur, haben aber teils völlig verschiedene Eigenschaften. Es kann also durchaus sein das der 40nm LP Prozess recht zufriedenstellend läuft und hohe Yields bietet.
2.) isigrim 08.01.2010 - 07:47 Uhr
Richtig, gemeint war hier Prozessoren. Danke für den Hinweis.
1.) Daedalus 08.01.2010 - 07:41 Uhr
> Als hochintegriertes System-on-a-Chip vereint Tegra 2 (Nvidia nennt ihn Tegra 250) ganze 8 Chips auf
> einem einzelnen Die.

ganze 8 Prozessoren auf einem Die.

Chips und Die sind im wesentlichen das gleiche. Chip ist nur deutsch.