Intel-Kartellverfahren: Rekordstrafe erwartet

IntelDas Verfahren zählt wohl zu einem der längsten in der Geschichte der Europäischen Union (EU). Seit nunmehr etwa neun Jahren beschäftigt sich die Kommission der EU mit dem Kartellprozess gegen Intel. AMDs Sprecher für die Intel-Kartell-Thematik – Jens Drews – fasste die Anklagepunkte folgendermaßen zusammen:

Die Anklage sagt, dass Intel seine marktbeherrschende Stellung missbraucht und damit gegen Artikel 82 des Europäischen Vertrages verstoßen hat. Konkret macht die Kommission folgende drei Vorwürfe:

  • Intel gewährt PC-Herstellern Sonderrabatte, wenn sie alle oder den größten Teil der Prozessoren nur bei Intel kaufen.
  • Die Behinderung von Produkteinführungen. Sie wissen, wie wichtig es ist, neue Produkte zusammen mit OEMs an den Markt zu bringen. Auch hier wirft die Kommission Intel vor, dass es über Geldzahlungen an OEMs Produkteinführungen verhindert oder verzögert hat.
  • Der dritte Vorwurf lautet, dass Intel in bestimmten Segmenten des Server-Marktes alles daran gesetzt hat, dass Ausschreibungen nicht mit AMD-Prozessoren gewonnen werden. Um das zu erreichen, hat Intel dann Prozessoren auch unter dem Herstellungspreis abgegeben. Dies war zu einer Zeit, als der Opteron® der beste Server-Prozessor am Markt war und Intel nichts vergleichbares hatte. Mehr und mehr Einrichtungen entschieden sich für AMD-basierte Lösungen und Intel hat massiv mit Geld dagegengehalten.


Das sind kurz gefasst die drei Punkte, die die Europäische Kommission über Jahre untersucht hat. Im Sommer 2007 hat sie Intel öffentlich beschuldigt, dass das Unternehmen europäische Gesetze verletzt hat.


Nachdem es viele Verzögerungen – meist von Seiten Intels – gegeben hat, soll es am kommenden Mittwoch, dem 13. Mai 2009, zu einer Entscheidung kommen. Bereits vor etwa zwei Wochen war aus EU-internen Kreisen zu hören, dass es ein vorläufiges Urteil gibt und dieses mit den EU-Mitgliedsstaaten beraten wurde.

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet nun über nähere Details zum Urteil und beruft sich auf eine „mit dem Vorgang vertraute Personen“. Demnach will man sich nahe an die Vorgaben der Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes halten – wie hoch diese ausfallen, kann aktuell nicht genau gesagt werden. Von verschiedenen Quellen ist zu hören, dass die Strafe die höchste aller Zeiten sein soll und somit die rund 900 Millionen Euro Strafzahlung, die Microsoft im Kartellverfahren zahlen musste, übersteigt.

Theoretisch liegt das Strafmaß bei maximal 10 Prozent des Vorjahresumsatzes des beschuldigten Unternehmens und somit in Intels Fall bei bei etwas unter 4 Milliarden Euro. Auszugehen ist davon allerdings nicht, wir rechnen – sofern die Gerüchte stimmen – mit etwa einer bis anderthalb Milliarden Euro.
Bedeutend härter könnten Intel allerdings Auflagen der EU treffen, diese sollen sich laut Reuters auf Intels Rabatt-System beziehen. Welche Änderungen hier genau festgelegt werden, kann zum jetzigen Zeitpunkt allerdings nicht gesagt werden.

Sollte das Urteil am Mittwoch bekannt gegeben werden, werden wir über dieses nochmals ausführlich berichten.


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12 Kommentare

12.) Bohemund 11.05.2009 - 09:46 Uhr
scheint ja endlich bewegung in die sache zu kommen. es bleibt mir ein rätsel wieso die kartellbehörden oder amd mittles einer einstweiligen verfügung nicht schon länger eingeschritten sind. was das vorgehen von intel für folgen hat war denen doch von anfang an klar...

noch beschämender finde ich, dass die ms holding diesem sch**** auch noch mitmacht. die begeben sich freiwillig in die fänge eines quasi monopolisten, selbst schuld. das es anders geht und mehr zu verdienen ist, haben ehemalige nvidia exklusivpartner inzwischen auch begriffen... ;)
11.) N1truX 09.05.2009 - 20:43 Uhr
Ist Nvidia Eindeutiger Marktführer? Wohl eher nicht ;) Den Hauptanteil im Grafikbereich hält auch Intel (ca. 40%), dann Nvidia und dann AMD. Da es sich da auf drei große aufteilt ist das auch nochmal was anderes. Zumal es noch keine konkreten zahlen gibt ob der GT200b wirklich so verkauft wird..
10.) Duplex 09.05.2009 - 20:20 Uhr
und was ist mit nvidias GT-200b ? aka GTX260 die unter der herstellungspreis verkauft wird ?
9.) N1truX 09.05.2009 - 19:40 Uhr
Doch da gibt es Gesetzte ;) Marktführer dürfen z.B. nicht Produkte unter dem Herstellungspreis verkaufen (u.a. bei Ausschreibungen). Genausowenig dürfen sie Zuschüsse zahlen / Extrarabatte geben wenn keine Konkurrenzprodukte verkauft werden, MM & Saturn sollen z.B. Zuschüsse für die Werbekampagnen bekommen wenn "Intel inside" drauf steht und kein AMD angeboten wird.
All das ist Wettbewerbsschädigend und erhöht die Preise mangels Konkurrenz langfristig.
8.) Duplex 09.05.2009 - 19:00 Uhr
warum wen ich ne firma habe kann ich ein produkt für den preis anbieten wie es mir passt da kann absolut kein gesetz was sagen das man es in einen gewissen preisneveau spielen muss
7.) Undergroundking 09.05.2009 - 18:09 Uhr
@Duplex: dumpingpreise, um mitbewerber zu schädigen, sind auch verboten. es ist NICHT intels sache, was sie machen. das sind gesetze!
6.) N1truX 09.05.2009 - 18:06 Uhr
CaptainCosmotic:
Ein Teil der Strafe sollte an AMD gezahlt werden,damit die wieder aus dem Tal heraus kommen, schließlich hat Intel ihnen mit diesen Mitteln richtig geschadet.

Das ist ist so eine Sache.. Wenn der jetzige Prozess - der ja von AMD mit initiiert wurde - zu einem Ergebnis kommt, dann kann AMD zivilrechtlich klagen und für sich Schadenersatz fordern. Entsprechende klagen laufen ja bereits in den USA und Südkorea soweit ich weiß.

@Duplex: Egal wie du es hinstellst, es gibt in der EU Gesetze - auch welche speziell für marktführer und "fast Monopolisten" und an diese hat sich Intel zu halten. Alles andere ist eigenes verschulden, Geld genug für Anwälte die sich mit der Rechtslage auseinandersätzen scheint man ja zu haben, dementsprechend wären die Vergehen sogar vorsätzlich (was auchd as Strafmaß erklären würde).
5.) unLead 09.05.2009 - 17:57 Uhr
@CaptainCosmotic

Wenn Intel schuldig gesprochen wird, ist es für AMD viel leichter Schadensersatz zu erklagen ..... Das dauert dann aber auch noch wieder Jahre
4.) Phenocore 09.05.2009 - 17:47 Uhr
Die Strafe ist eine Sache, das hilft aber AMD nicht viel weiter. Viel wichtiger wäre es, wenn man Intel wirklich diese Exlusivverträge verbietet.

Ich war ja letztens wieder in der Nähe des Saturns und schau mir so neugierig wie ich bin auch die Werbung an... Da steht dann groß "achten sie auf das Intel-Logo" oder so ähnlich. Ich mich am Kopf Kratz, "ehm, die verkaufen doch nur Intel-Sachen, warum soll ich in einem Intelladen darauf achten, dass auch Intel wirklich drin ist?" Dann komm ich in den Laden rein um zu schauen was die den so gutes von Intel verkaufen und sehe zumeist die Produkte die im Retailhandel eher weniger interessant sind, so zum Beispiel viele Systeme mit Q8200 und Laptops mit Pentium Dual core T3200 und T3400.... Also bei so schwachen Produkten hilft auch das Intel-Logo nicht^^

Man sollte wohl auch Herstellerspezifische Werbung von Vertriebsketten verbieten. Wenn Saturn für einen E8400 oder einen I7 920 werben will, können die das ja machen, aber einfach nur zu sagen: Intel sei Klasse, achten sie auf Intel-inside-logo und dann das billigste Produkt von Intel anbieten, grenzt doch schon an Kundenverarsche und ist auch der Konkurrenz nicht zuträglich.
3.) Duplex 09.05.2009 - 17:40 Uhr
von den 3punkten sehe ich nur Punkt2. als "marktmacht missbrauch"

der rest ist intels sache wie wie ihre produkte verkaufen und für welchen preis da sollten die Kartellämte die schnautze halten , wie oft heulen die immer rum und klagen AMD, Microsoft und Intel an , haben die keine anderen firmen die sie belasten können ?

1,5Mrd. € das wäre ne menge , und gerade in den heutigen zeiten kann jede firma geld gebrauchen und dann kommt man mit sowas ...
2.) PCuser90 09.05.2009 - 17:40 Uhr
Davon hat man lange nichts mehr gehört. Ich wusste zwar, dass da ein Verfahren läuft, aber die genauen Vorwürfe waren mir bis eben unbekannt...
Die Strafe klingt zwar gigantisch, aber ich denke, momentan wird Intel das sogar fast noch aus der Portokasse zahlen können.
Im Hinblick auf den Wettbewerb hoffe ich doch sehr, dass es zu einer Verurteilung kommt, und man vielleicht, wenn diese Parktiken damit unterbunden werden, auch wieder etwas mehr AMD-Systeme zur Auswahl hat!

@ CaptainCosmotic: Schön wärs - aber ich glaube nicht, dass das juristisch so einfach ist! :lol:
1.) CaptainCosmotic 09.05.2009 - 17:39 Uhr
Ein Teil der Strafe sollte an AMD gezahlt werden,damit die wieder aus dem Tal heraus kommen, schließlich hat Intel ihnen mit diesen Mitteln richtig geschadet.