Nvidia Ion: Zu viel des Guten?

NvidiaWer in den letzten Monaten oder mittlerweile bereits Jahren die Hardwarewelt verfolgt, dem dürfte eines nicht entgangen sein: Die Luft zwischen Intel und Nvidia wird dicker und momentan ringt Intel beim Atom nach selbiger.

Wer im Besitz eines Netbooks, eines anderen Intel Atom-basierten Systems ist oder sich die Spezifikationen zur Gemüte geführt hat, wird sich wundern: Intels Atom-Prozessor wird in 45 nm gefertigt und verbraucht selbst unter Volllast zwischen 0,65 Watt (Atom Z500) und 8 Watt (Atom 330) Leistung. Das für Netbooks gebräuchliche Modell N270 kommt mit 2,5 Watt, der Desktopkollege Atom 230 mit 4 Watt daher (Angaben nach Intel).

Soweit so gut: Doch Intel verbaut dazu keinen aktuellen Chipsatz, sondern die bereits etwa vier Jahre alte 945er-Chipsatzserie.
Diese basiert auf dem 130 nm-Fertigungsprozess und hat alleine bereits eine Leistungsaufnahme von je etwa 22 Watt, dazu kommen Southbridge und der Atom-Prozessor selber, was sich auf immerhin 26-27 Watt aufsummiert. Weiter erwähnenswert ist die veraltete Technik, welche sich vor allem durch DirectX 9 und viele analoge Anschlüsse wie LPT, Seriell, D-Sub und 2.1-Audio zu erkennen gibt.

Wenn es nach Intel geht, reichen die Spezifikationen so auch aus, denn man will den Atom nach eigenen Angaben im Einsteigerbereich positionieren - vorwiegend für Internet-PCs und Office-Arbeiten. Ein in Zeiten schier explodierender Leistung kein schlechter Gedanke, welcher verbunden mit dem günstigen Preis sehr gut bei den Kunden ankommt.
Und die verhältnismäßig hohe Leistungsaufnahme des Chipsatzes? Über die kann man offenbar hinweg sehen.

Atom und 9400M ist..?

Doch warum Potential verschenken? Gibt es nicht bedeutend mehr Möglichkeiten, ungenutztes Potential? Diese Idee verfolgt derzeit Nvidia mit seiner Ion-Plattform, welche grundlegend auf dem in 65 nm-gefertigten MCP79M/NCP7A alias Geforce 9400M basiert. Die gesamte Ion-Plattform wurde unter anderem bei den Kollegen von Tom's-Hardware getestet und kann dort überzeugen. Die Leistungsaufnahme liegt mit 15 zu 23 Watt (Idle), beziehungsweise 26 zu 33 Watt in beiden Fällen auf Seiten Nvidias.
Auch die Grafikleistung ist erwartungsgemäß um ein vielfaches höher als die des betagten Intel GMA 950 und auch das Abspielen von Full-HD-Videos (1080p) von einer Blu-Ray-Disc ist problemlos möglich bei entsprechend genutzter Hardwarebeschleunigung. Dazu gesellen sich aktuelle Standards wie HDMI, optische Audioausgänge und auch die Verwendung von schnellem DDR3-1333-Speicher, welcher vor allem bei Onboard-Grafikchips für mehr Leistung sorgen kann und im Vergleich zu DDR2 auch eine geringere Leistungsaufnahme bietet.

Sollte sich Intel nun darüber freuen, dass ein Konkurrent die eigene Plattform verbessert? Unter dem Gesichtspunkt der damit verbundenen Nachfrage nach Atom-CPUs sicherlich, doch bedeutet bisher jeder verkaufte Atom-PC auch eine verkaufte Intel North- wie Southbridge. Und hier liegt das erste Problem, denn der Atom bietet eine gute Möglichkeit, die Lagerbestände alter Chipsätze gewinnbringend abzubauen. Das zweite Problem ist die - in diesem Fall und wie seltsam es auch klingen mag - zu hohe Leistung der Ion-Plattform.
Schließlich betont Intel nicht umsonst den Einsatz des Atoms in Office-Bereichen. So will man sicher gehen, den eigenen Low-End-Produkten nicht selbst Konkurrenz zu verschaffen. Denn warum sollten sich HTPC-User einen Core 2 Duo einbauen, wenn auch ein sehr einfach passiv zu kühlender, günstiger und sparsamer „Ion-PC“ dazu ausreicht oder sich Firmen weiterhin Celeron-CPUs kaufen?

Dementsprechend liegt es in Intels Interesse, Atom-basierte Systeme nicht zu schnell „zu schnell“ werden zu lassen. So ging vor wenigen Tagen unter der Hand ein Dokument an OEM-Partner namens „Nvidia Ion Competitive Position Guide“ heraus, welches aus Intels Sicht die Ion-Plattform einstuft. Hauptkritikpunkte sind, dass Ion kein neuer Chipsatz ist, sondern auf den Nvidia MCP79M/NCP7A basiert, eine höhere Leistungsaufnahme besitzt und die Materialkosten steigen.
Dass Ion nicht grundlegend neu ist, ist richtig. Doch basiert dieser auf den immer noch aktuellen G98-Kern und bietet bereits eine Unified-Shader-Architektur sowie DirectX 10-Support. Zum Thema Leistungsaufnahme sollten die Testresultate verschiedener Seiten reichen, um sich eine Meinung zu bilden. Der Preis ist wohl der einzige Knackpunkt der Ion-Plattform, soll dieser doch etwa 50 bis 100 US-Dollar höher liegen als bei einer reinen Intel-Plattform. Hier muss am Ende der Kunde entscheiden, was er kaufen mag. Wir werden probieren, in näherer Zukunft einen eigenen Vergleichstest durchzuführen.

Mittlerweile gibt es weitere Gerüchte aus OEM-Kreisen, welche besagen, dass Intel nicht wie auf der CES verkündet, Atom-CPUs ohne Aufpreis einzeln verkaufen wird, sondern nur in Zwangskopplung mit dem 945GSE-Chipsatz. Über den Wahrheitsgehalt entsprechender Meldungen kann aktuell aber keine Aussage getroffen werden.


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7 Kommentare

7.) (th) 01.03.2009 - 15:57 Uhr
interessant, allerdings muss man, zumindest heute noch, den Aufpreis fuer DDR3 draufpacken. Fuer ein bisschen mehr Geld hat man dann schon ein vernuenftiges Centrino 2 laptop... aber ein guter schritt von nvidia! Intel konnte bisher nur Schrott wegen des Monopols verkaufen...
6.) eXEC 01.03.2009 - 13:34 Uhr
Naja du übertreibst ein wenig...
Die CPU ist ja in beiden Fällen die selbe und dass ein Chipsatz für Probleme wie du sie schilderst verantwortlich ist, kann ich mir nicht vorstellen. Der CPU ist und bleibt scheiß langsam und etwa auf dem Level eines Celeron mit 700 Mhz.... Zocken kann man damit sowieso nicht, auch nicht mit einer 9400 - Die zwar im Vergleich zum Intel schnell ist, aber absolut gesehen auch für kein Spiel seit 2005 mehr ausreicht. Ich hab ne HD2400 Mobility 128 MB GDDR3 (+ HyperMemory) bei 550/650 Mhz laufen (X2 2,0Ghz, 3 GB RAM) und Mirrors Edge z.B. läuft gerade noch irgendwie so in 1280x800 @Low mit 25 Fps - Spielspaß ist was anderes!
Ich persönlich finde Netbooks sowieso nutzlos, weil mir mein 15,4" Notebook eigentlich schon zu klein und fummelig ist. Aber wenn ich denn eines kaufen würde, wäre die Ion-Plattform bei 50€ Aufpreis die Wahl. Mehr als 50€ wäre es aber dann auch nicht mehr wert, immerhin kostet ein ganzes Netbook vielleicht 250€.

Und eine Netbook Plattform mit einem HTPC zu vergleichen ist schlichtweg blödsinn. Einen HTPC kann ich fast zum Nulltarif mit nem x2 4850e, 2 GB und ner HD4650 ausstatten - Das kostet fast nichts und hat die 20x Leistung einer Ion-Plattform.
5.) Duplex 01.03.2009 - 12:40 Uhr
eigentlich aknn man die akku laufzeit garnet vergleichen wärend die Intel platform mit videos gnadenlos überfördert ist rechnet der ION vllt mit ein paar % systemauslastung , wer verbraucht nun mehr ...
4.) N1truX 01.03.2009 - 12:10 Uhr
Naja ich hatte mal das MSI U100, man konnte mit Surfen, schreiben und programmieren - Videos in SD in mp4 waren auch noch drin, aber das wort HD sollte man da nichtmal erwähnen...
Ich hätte aus Erfahrung auch nichts gegen 40-50 € mehr für die Mehrleistung. Wenn dann sogar noch die Akkulaufzeit steigt (oder durch leichtere und günstige Akkus ausgeglichen bleibt) umso besser ;)
3.) Duplex 01.03.2009 - 11:59 Uhr
ich will son ion haben
ich hab son schrottigen Acer Aspire one und das ding ist zum kotzen larm , kann net mal Youtubevideos flüssig abspielen und der scheiss braucht ewig bis der 5mb entpackt trotz 8GB SSD ...

intel soll net so dummtun , 50-100€ geht noch in laufe der zeit wirds dann bestimmt günstiger aber die leistung ist es auf jeden fall wert!
2.) N1truX 01.03.2009 - 10:46 Uhr
Vielleicht sollte man nicht den absoluten Aufpreis zur Intel Plattform sehen, sondern eher die Differenz zu Systemen mit ähnlichen Anwendungsgebieten. Als Beispiel der erwähnte HTPC.
Und das man nun teilweise 10 fach bessere Grafikleistung, HD-Beschleunigung, Digitale Ausgänge, DDR3-Speicher und ca. 25% mehr Akkulaufzeit nicht für den gleichen Preis oder 10€ mehr bekommt, ist ja nun auch klar ;-)

Wer nur schreiben und Surfen will, dem reicht natürlich auch die Intelplattform und könnte höchtens wegen der Akkulaufzeit nachdenken. Da wäre der Aufpreis dann in Relation zu einer Akku-Aufrüstung.
1.) eXEC 01.03.2009 - 03:13 Uhr
Ich finde den Aufpreis mit 50-100$ gehörig und für so eine Plattform eigentlich zu hoch.
Die Technologie finde ich dagegen anständig, besserer Stromverbrauch, neuere Anschlüsse. Aber ob das diesen Aufpreis wert ist? Ich befürchte nur für die wenigsten.