Intels SSDs und die Konkurrenz

FestplatteVor kurzem hat Intel seine für den Mainstream-Markt gedachte SSD (Solide State Drive) X25-M und X18-M in MLC-Technik vorgestellt, denen noch für den Servermarkt die X25-E in SLC-Technik folgen soll. Lieferbar sind die SSDs zwar noch nicht, aber die 80 GB große SSD X25-M ist bei der Preissuchmaschine Geizhals bereits gelistet zu einem stolzen Preis von etwas über 500 Euro.

Die Performance der neuen SSD mit MLC-Flash kann sich sehen lassen, wie etliche Tests, die inzwischen veröffentlicht wurden, zeigen. Intels X25-M ist die schnellste MLC-SSD, egal in welchem Anwendungsszenario; so verwundert es auch nicht, dass Intels X25-M zugleich die teuerste MLC-SSD ist. Doch Geschwindigkeit ist nicht alles: Viele „Billig-MLC-SSDs“ sind einfach nicht zuverlässig genug, haben teilweise auch nur ein Jahr Garantie oder maximal zwei. Dabei sind konventionelle Festplatten in Notebooks bereits für drei Jahre ausgelegt und im Desktop-Segment gibt es ganze 5 Jahre Garantie bei einigen Festplattenherstellern.

Intel verspricht, dass man die 80 GB große SSD X25-M 5 Jahre lang mit 100 GB/Tag beschreiben kann und gibt immerhin 3 Jahre Garantie. Zudem wird die SSD nach Abnutzung der Speicherzellen, die bei MLC ca 10.000 Wiederbeschreibvorgänge durchhalten, nicht komplett schrott, sondern lediglich für Schreibzugriffe gesperrt, so dass man die Daten noch retten kann. An dieser Stelle kann man wohl noch erwähnen, dass SLC 100.000 Wiederbeschreibvorgänge durchhält, weswegen bei SLC-SSD das Durchhaltevermögen schon sehr lange kein Problem mehr ist.

Bei Ausfällen aufgrund von Controllerschaden gibt es natürlich keine Datenrettung. Außerdem kann Datenverlust beim Schreiben auftreten, was allerdings bei gutem Flashspeicher kaum auftritt. 1.2 Millionen Stunden (~ 137 Jahre) Mean Time Before Failure (MTBF), die Intel für seine MLC-SSD angibt, spricht hier an dieser Stelle für sich. Der Flashspeicher wird übrigens in (vier) gemeinsamen Werken von Intel und Micron hergestellt.

Die hohen Lesegeschwindigkeiten erreicht Intel vor allem dadurch, dass 10 Flashchips parallel vom Controller angesprochen werden. Zudem ist der Controller sehr viel besser optimiert als der der Konkurrenz, so ist auch die relativ lange Wiederbeschreibbarkeit ein Verdienst des Controllers.

Intel MLC-SSD im Vergleich:

  • Schreiben: schneller als eine Notebookfestplatte mit 5400 Upm und etwas langsamer als eine Seagate Momentus mit 7200 Upm, schneller als die MLC-SSD-Konkurrenz und langsamer als die SLC-SSD-Konkurenz
  • Schreiben + Lesen = Multitasking: Schneller als eine VelociRaptor mit 10.000 Upm und langsamer als die SLC-SSD-Konkurrenz
  • Lesen: Schneller als jede konventionelle Festplatte und die „günstige“ (unter 9,5 Euro/GB) SLC-SSD-Konkurenz
  • I/O-Performance: Deutlich besser als bei jeder konventionellen Festplatte und auch besser als manch' „günstige“ SLC-SSD. Mit einer SLC SSD für ~12 Euro/GB wie etwa der Mtron Pro MSP 7500 kann hier Intels MLC-SSD natürlich nicht mithalten
  • Zugriffszeiten: Deutlich schneller als jede konventionelle Festplatte und etwa so schnell wie SLC-SSD-Konkurenz (<=0,1 ms)
  • Zudem ist die Intel-MLC-SSD im Gegensatz zu konventionellen Festplatten geräuschlos, unempfindlich gegenüber Stößen und hat einen kleineren Verbrauch/Leistung als konventionelle Notebookfestplatten, jedoch einen höheren Verbrauch/Leistung als die SLC-SSD-Konkurenz


Preis für MLC-SSD-Konkurrenz: Unter 4 Euro/GB für 64 GB
Preis für Intel-MLC-SSD: Unter 7 Euro/GB gelistet für 80 GB, noch nicht verfügbar
Preis für SLC-SSD-Konkurrenz: Über 7,5 Euro/GB für 64 GB

Mit Intels MLC-SSD hat die konventionelle Notebookfestplatte einen würdigen Nachfolger gefunden, die nicht nur messbar sondern auch spürbar bessere Performance liefert und das völlig geräuschlos und die Haltbarkeit nicht vernachlässigt. Die konventionelle Festplatte ist aktuell die größte Schwachstelle in einem Notebook. Ob die Schließung dieser Schwachstelle einem so viel Geld wert ist, muss jeder potentielle Käufer für sich selbst entscheiden. Auf jeden Fall wäre die Investition aber sinnvoller als sich einen Quad-Core in einen Laptop zu stecken oder ein überteuertes Desktopreplacementnotebook mit SLI zu holen.

Für einen Desktoprechner lohnen sich die SSDs bei den aktuellen Preisen für SLC-SSDs weniger und man sollte da wohl noch bis zum Jahr 2009 warten. Intel wird dann auch die Fertigung von aktuellen 50 nm auf 34 nm umstellen, was die Herstellungskosten und letzten Endes auch die Verkaufspreise pro GB senken wird, wenn die Konkurrenz nachzieht, wovon man ausgehen kann.
Wobei sich Earlyadopter auch jetzt nicht mehr von Preisen aufhalten lassen und bereits seit längerem zu allen möglichen SSDs fleißig und mit Begeisterung Erfahrungsberichte in Foren schreiben.

Tiefere Einblicke in die Technik und genaue Benchmarks in unterschiedlichsten Szenarien gibt es in den unzähligen Tests, die inzwischen im Web zu finden sind:


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8 Kommentare

8.) Duplex 16.09.2008 - 20:36 Uhr
aber ich will ne SSD weil wen diese voll ist nicht extrem larmarschig wird wie die normalen HDDs

250GB wären vollkommen ausreichend , alle meine spiele und lieder würden draufpassen ohne das ich nebenbei mehrer platten brauch...
7.) Phenocore 16.09.2008 - 20:30 Uhr
Duplex:
hab mir schon überlegt ne SSD anzuschaffen
weis einer von euch wann in etwa ~250GB SSDs erhältlich sind für bezahlbare preise unterhalb 300euro ?

Warum willst du unbedingt eine 250GB SSD? Man kann doch auch mit einer 64 oder 80GB SSD im Laptop wunderbar auskommen. Für weitere Daten holt man sich einfach noch eine externe Festplatte dazu und gut ist.
Auch beim Desktop reicht die 64GB SSD für das System. Als "Archivplatte" für weitere Daten kann man ja eine ganz normale Festplatte mit dazu einbauen...

Ansonsten ist die Preisentwicklung natürlich schwer vorauszusagen. Wenn Intel im Jahr 2009 auf 35nm umstellt, wäre der Herstellungspreis doppelt so günstig, womit man statt 80 GB MLC für 500 Euro dann wohl 160 GB MLC für 500 Euro bekämme und statt 32GB SLC für 600 Euro dann 64GB SLC für 600 Euro. Allerdings hängen die Preise nicht nur von den Herstellungskosten ab, Intel kassiert ja auch kräftig für die Performance des Controllers ab...
6.) (th) 16.09.2008 - 17:02 Uhr
naja auf absehbare Zeit gelingt AMD der grosse Wurf nicht. Momentan sieht es eher so aus als wuerde Intel mit dem Nehalem den Vorsprung noch vergroessern.
In einem Jahr plane ich mir einen neuen DesktopPC anzuschaffen mal gucken ob SSDs bis dahin eine Option sind.
5.) CaptainCosmotic 16.09.2008 - 16:01 Uhr
Intel muss sich unbedingt ein zweites Standbein aufbauen. Wenn es passieren sollte, dass AMD plötzlich der Große Wurf gelingt, steht Intel nämlich da und glotzt doof aus der Wäsche. AMD at die Grafiksparte, die Momentan etwas abwirft. Intel nimmt SSD das ist gut.
4.) Duplex 16.09.2008 - 14:10 Uhr
bald steht sogar auf den Türgriff "intel" drauf wen die soweitermachen ^^

hab mir schon überlegt ne SSD anzuschaffen
weis einer von euch wann in etwa ~250GB SSDs erhältlich sind für bezahlbare preise unterhalb 300euro ?
3.) Phenocore 16.09.2008 - 12:59 Uhr
Was mir persönlich bei all den Tests fehlt, ist ein Test, der das Verhalten der SSD misst, wenn die SSD voll wird.

Aufgrund der Tatsache, dass die Intel-MLC-SSD ihre Geschwindigkeit daher nimmt, dass die Daten auf 10 Chips gleichzeitig verteilt werden, kann man rein theoretisch davon ausgehen, dass die Geschwindigkeit abnimmt, sobald einige der Chips voll sind.

Außerdem versucht der Controller die Lebenserwartung der SSD zu erhalten, weswegen nicht jeder 512kb Block gelöscht, sobald ein paar kb an Daten aus diesem Block geändert werden. Stattdessen werden die geänderten Daten an einem anderen Ort im neuen Block gespeichert und im alten Block nur als "ungültig" markiert. Der Block wird erst gelöscht, wenn genug Daten im Block als "ungültig" markiert sind. Ist die SSD zu voll, wird auch dieser Mechanismus nicht mehr einwandfrei funktionieren, da einfach nicht genug Platz für neue Blocks vorliegen, so dass der Controller gezwungen wird, den Block früher zu löschen, was die Lebensdauer reduziert. So ohne Tests denke ich sollte man schon 5 bis 10 Prozent freien Speicherplatz als Puffer lassen.

Konventionelle Festplatten werden übrigens auch langsamer, sobald weniger als 10 Prozent freier Speicher auf der Festlatte ist, zumindest ist das bei meiner Platte der Fall^^

Auf der anderen Seite ist auf der Intel-SSD ca. 8 Prozent mehr Speicherplatz als die SSD vorgibt. Diese 8 Prozent sind als Reserve da um die versprochene Lebenserwartung zu erfüllen. Wenn also diese Reserve bereits im Normalbetrieb von Anfang an aktiv ist, dann wäre ja der Puffer auch bei scheinbar voller SSD vorhanden, doch das ist laut Andatech nicht der Fall.

Bei Andatech wird gesagt, dass die Reserveblocks erst verwendet werden, wenn die alten auf der SSD als "kaputt" markiert sind, also scheinbar doch nicht der optimale Fall:
Intel actually includes additional space on the drive, on the order of 7.5 - 8% more (6 - 6.4GB on an 80GB drive) specifically for reliability purposes. If you start running out of good blocks to write to (nearing the end of your drive's lifespan), the SSD will write to this additional space on the drive.
2.) KonKorT 16.09.2008 - 12:20 Uhr
Da ist aber einer früh aufgestanden. ;)

Sehr gute Zusammenfassung der aktuellen SSD-Situation! So bekommt das Ganze direkt mal etwas mehr Transparenz. :)

Hatte mich persönlich bisher weniger mit dieser Technik befasst.
1.) hmd 16.09.2008 - 08:19 Uhr
Respekt vor Intel, was sie anpacken machen sie im Moment zu Gold. Kaufen werd ich mir das noch nicht, hab aber den ganzen Test gelesen und sieht so aus, dass die konventionellen Festplatten in 2-3 Jahren abgelöst werden. Hängt natürlich alles vom Preis ab, der im Moment noch zu hoch ist.

Intel ist im Moment schon das Mass der Dinge. Ich trau ihnen auch den Sprung an die Grakikspitze zu. Da müssen sich ATI/AMD und Nvidia warm anziehen.