HD 4870 X2: Häuptling oder Trendsetter?

AMDber die Vorstellung der HD 4850 wurde bereits applaudiert, die HD 4870 wird dank stark erhöhten Taktraten noch einmal einen Leistungszuwachs von 20 Prozent und mehr ermöglichen.
Rechenkünstler muss man nicht sein, um zu wissen, dass dies aber nicht genügen wird, um der GTX 280 leistungstechnisch das Wasser zu reichen. Dies war aber auch – es mag vielleicht paradox klingen – nie das Anliegen der HD 4870. Der verwendete Chip ist weniger als halb so groß, was sich auch im Preis widerspiegelt ($299 vs. $649).

Damit AMD nicht dasselbe Schicksal ereilt wie in den letzten Monaten, nämlich nur Produkte bis zum Performance-Segment anzubieten und den High-End-Markt sträflich zu vernachlässigen, hat man den RV770 im vorhinein darauf ausgelegt, auch als Dual-Chip-Lösung den Weg in den Handel zu finden.
Dass die Dual-Lösung keine Mikroruckler mehr kennt und die zwei Chips untereinander über einen gemeinsamen Speicher kommunizieren – die Daten also nicht mehr redundant vorliegen -, sind zwar noch Gerüchte, sicher ist aber, dass die Karte alsbald kommen wird und auch unter welcher Bezeichnung: HD 4870 X2.

Der Name sol l dabei Programm sein. Aus gut unterrichteten Quellen können wir berichten, dass die HD 4870 X2 in der Tat eine doppelte HD 4870 ist, also auch hinsichtlich der Taktfrequenzen, 750/1800 MHz, dem Single-Chip in Nichts nachsteht. Darauf deutet zum einen ein GPU-Z-Screenshot hin und zum anderen AMDs Ankündigung, dass der Chip über sage und schreibe 2,4 Teraflops verfüge.

Während für die HD 4870 eine TDP von ~ 160 Watt veranschlagt wird, heißt es, dass die HD 4870 X2 mit ~ 280 Watt auskäme. Damit läge man zwar hinsichtlich des Stromverbrauchs über der GTX 280 (TDP: 236 Watt) – der der offensichtliche Konkurrent der Karte ist -, böte aber auch mit großer Sicherheit eine deutlich höhere Performance.
Angesichts der Tatsache, dass HD 4870 und GTX 280 nach jüngsten Benchmarks gerade einmal 30 Prozent trennen, sollte die HD 4870 X2 Kreise um die GTX 280 ziehen, sofern denn der Treiber der Karte nicht im Weg steht. Bereits ein CrossFire-Gespann aus zwei HD 4850-Chips, das bei ungefähr 220 Watt TDP liegen sollte, dürfte die GTX 280 auf Distanz halten.

Nvidia in der Krise? Offensichtlich hat man bereits vor einigen Wochen, ehe der GT200 der Öffentlichkeit gezeigt wurde, das Tape-Out des GT200b erreicht. Bei diesem Chip handelt es sich um einen in 55 nm-gefertigten GT200, der einerseits die Produktionskosten und Stromaufnahme senkt und andererseits weitere Luft für höhere Taktfrequenzen setzt.
Dass im GT200-Core bereits ordentlich Taktpotential steckt, zeigten zu Beginn erste Overclockingversuche, aber auch die inzwischen zahlreich am Markt vertretenen OC-Versionen. 700 MHz scheinen ohne große Mühe möglich, selbst 725 MHz sind keine Besonderheit. Dass der Chip dennoch bei lediglich 600 MHz taktet, ist einzig und allein auf die mit steigender Taktfrequenz resultierende Stromaufnahme zu erklären.

Mit dem GT200b wird, wie im vorangegangenen Abschnitt erklärt, aber unter anderem der Strombedarf gesenkt und gleichzeitig Luft für neue Taktfrequenzen geschaffen.
AMD, dessen Flaggschiff (HD 4870 X2) rund 280 Watt verbraten soll, wird quasi ein Weckruf Richtung Nvidia sein, die die Taktfrequenz des GT200b vermutlich so hoch setzen wird, bis dieser ebenfalls an der 300 Watt-Grenze kratzt. Theoretisch könnte man auch diese Hürde übersteigen, allerdings würde man sich dann alsbald thermischen Problemen gegenübersehen – eine serienmäßige Wasserkühlung dürfte dann doch auch Enthusiasten vergraulen.

Nvidia wird also mit dem GT200b, der noch im vierten Quartal dieses Jahres – wir vermuten im November – vorgestellt werden soll, auf einen Gegenangriff blasen. Bis dahin wird die HD 4870 X2 nämlich bereits am Markt sein.
Wir können uns gut vorstellen, dass es erneut eine etwas abegspeckte Variante ala GTX 260 geben wird, dann eine ähnlich schnelle wie die GTX 280 und darüber hinaus eine „Ultra“-Edition, die vielleicht auch nur in sehr geringen Stückzahlen ausgeliefert wird, mit 750+ MHz jedoch ambitoniert ist, die Krone ins eigene Lager zurückzuholen.

Auf Aktion folgt Reaktion. Ob AMD uns also einen großen Gefallen tut, die HD 4870 zu doppeln, bleibt fraglich.
Ein im wahrsten Sinne des Wortes heißblütiges Duell zwischen den beiden „Großen“ wird uns aber seit langem wieder einmal ins Haus stehen.


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