Nvidia "Tegra" - Atom-Konkurrent - offiziell

NvidiaSchneller als man hätte vermuten können, hat Nvidia die Tegra-Prozessorfamilie offiziell vorgestellt, nachdem Ende vergangenen Monats bereits so gut wie alle Informationen zusammengetragen werden konnten und Mitte April ein Eintrag beim amerikanischen Marken- und Patentamt vorgenommen wurde. Es handelt sich jedoch keineswegs um einen Hard-Launch, Nvidia-Produkte auf Basis der 600-Reihe sollen erst Ende dieses Jahres in den Handel kommen. Die APX 2500-Reihe, über die es heute auch nicht vordergründig ging, wird zu einem ähnlichen Zeitpunkt erwartet.

Nvidia Tegra-Logo

Die Nvidia Tegra 600-Reihe beherbergt einen 144 mm² großen Chip. Trotz der relativ kleinen Ausmaße schlummert im Inneren ein ARM-Prozessor, eine Geforce-GPU sowie spezielle Schaltkreise für 2D-Image-Processing und HD-Video. Bereits bei der rudimentären Zusammenfassung auf "The Inquirer" vor weniger als einer Woche klang die starke Video-Leistung durch. So wurde berichtet, dass 1080p-Videos in angenehm "flüssigen" 24 Bildern pro Sekunde wiedergegeben werden können. Eingesetzt werden Tegra 600-Produkte später in Ultra Mobile Personal Computers (UMPCs).

Damit der Einsatz in UMPCs überhaupt möglich ist, muss selbstverständlich der Verbrauch den Gegebenheit angepasst werden. Und an dieser Stelle scheint Nvidia ein richtiges "Ass" aus dem Ärmel geschüttelt zu haben. Die Kalifornier scheuen keinesfalls den Vergleich zum Intel Atom, über den man im Grunde genommen nur lachen kann.

Laut Herrn Michael Rayfield, Nvidia, besitzt Tegra eine 13 bis 26-fach höhere Akkulaufzeit. Während Tegra HD-Videos 26 Stunden lang bearbeiten könne, gehe dem Atom bereits nach 1 bis 2 Stunden der Saft aus, sagt Rayfield. Und in der Tat: Tegra benötigt weniger als 1 Watt, während sich Intels Atom bis zu 12 Watt genehmigt. Nun mag der ein oder andere behaupten, dass dafür der Intel Atom wesentlich schneller arbeitet und die Effizienz demnach dieselbe ist, aber auch hier weiß Nvidia zu kontern. Tegra berechnet HD-Videos bis zu 10-mal schneller als Intels Atom, wissen die Nvidia-Folien vollmundig zu versprechen.

Nvidia Tegra-Die

Dies würde bedeuten, dass Tegra um den Faktor 100 effizienter ist. Zwar handelt es sich um eine Nvidia-Folie, die oftmals sehr zugunsten des Herstellers ausgelegt ist, aber ist dennoch ein klarer Vorsprung des Tegras nicht wegzureden. Nvidia bezieht seine Werte jedoch interessanterweise immer auf HD-Videos, vermutlich kommt Tegra an dieser Stelle der integrierte HD-Video-Chip zu Gute, den die Atom-CPU bekanntlich nicht besitzt. In anderen, weniger videoabhängigen Applikationen sollte Intels Atom mindestens das Potential aufbringen, mit Tegra gleichzuziehen - so unsere Annahme. Im Allgemeinen hinkt aber auch der Vergleich: Während Atom eine x86-CPU ist, handelt es sich bei Tegra um einen 32-Bit-Mikroprozessor nach dem RISC-Konzept.

Der Tegra macht sich aber nicht nur den Atom zum Konkurrenten, sondern auch den EEE-PC, der in seiner jetzigen Ausführung eine Inten Celeron M-CPU (900 MHz) beherbergt. Im Idle verweist Nvidia auf eine 10-mal geringere Verlustleistung - 1 statt 10 Watt. Weiter heißt es, dass wenn auf beiden Systemen ein 720p-Video wiedergegeben wurde, der Verbrauch (bei beiden) um 30 Prozent steigt, jedoch größter Unterschied sei, dass Tegra das Video flüssig darstellen könne, während der Asus EEE-PC lediglich alle paar Sekunden ein Bild nachliefere.

Nvidia Tegra-Familie

Es ist augenscheinlich, dass die Vorteile des Tegra-Prozessors in videointensiven Anwendungen liegen. Dies hat man einem implementierten HD-Video-Chip zu verdanken. Aber bekanntlich befindet sich im Inneren auch noch ein Grafikchips. Dieser soll laut Nvidia auf dem Stand der Desktop-Technik von vor circa drei Jahren sein. Freudig verkündte man, dass der dritte Teil der Quake-Reihe inklusive AA und AF mit rund 35 FPS flüssig funktioniere.

Gegenwärtig lässt sich schwer einschätzen, wie gut Tegra wirklich ist und insbesondere wie praxistauglich. Dass er in einigen wenigen Anwendungen (video- und grafiklastig) sehr gut ist und zudem sehr wenig Energie benötigt, weiß man nun. Die Schattenseiten hat Nvidia auf seiner Präsentation bewusst nicht genannt. Es wird sie jedoch geben und Sache der Redaktionen wird es sein, diese aufzuspüren. Ein vorschnelles Urteil abzugeben, wäre an dieser Stelle also falsch, wenngleich die Präsentation sicherlich imponiert.


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2 Kommentare

2.) mieze 03.06.2008 - 11:34 Uhr
Der EEE-Pc kommt ja auch bald als Desktop-Variante und so wird auch sicher Tegra nächstes Jahr dieses Segment erreichen. Und da ist seine Leistung durchaus angebracht.
Für mich ist ein Zweitrechner, den ich zum Filme gucken, Arbeiten und surfen nutzen kann, fest in Planung. Dafür sind Atom und Tegra prädestiniert.
1.) Phenocore 02.06.2008 - 19:13 Uhr
Ja super. Wenn ich mir ein UMPC oder ein EEE-PC kaufe, will ich unbedingt auf den mitkriegen Bildschirmen HD-Videos sehen. Die Festplatte ist ja auch immer riesig, da passt dann ein kleiner Trailer drauf :-/
Wie schnell meine anderen Anwendungen sind, ist natürlich völlig uninteressant

(Achtung Ironie)