Intel "Dunnington": 6-Kern-CPUs bis 2,66 GHz

IntelDie Core Mikroarchitektur ist nunmehr knapp zwei Jahre Intels Programm. Nachzügler in Sachen "Umrüstung" war die Server-Sparte der 4-Wege-Systeme, die bis September 2007 im Netburst-Konstrukt gefangen war und erst dann von den in 65nm-gefertigten "Tigerton"-Prozessoren erlöst wurde. Und wieder einmal ist es die Server-Sparte der 4-Wege-Systeme, die zappelt und an der der Technologiefortschritt nur langsam Rast macht. So werden alle Prozessoren noch im 65nm-Verfahren gefertigt, obwohl es die erste Intel-45nm-CPU bereits gegen Ende 2007 zu kaufen gab. Mit "Dunnington" will man nicht nur dieses Makel beseitigen, sondern auch die erste 6-Kern-CPU vorstellen und damit der "Königsklasse" endlich den Ruhm zukommen lassen, den sie längst verdient gehabt hätte.

Die 6-Kern-CPU "Dunnington" wurde erstmals auf dem im Februar abgehaltenen IDF Forum publik. Man bestätigte bereits damals, dass "Dunnington" aus drei Penryn-Dies bestände, die bekanntlich jeweils zwei Kerne beinhalten, und voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2008 vorgestellt würde. Auch Angaben zum Cache-Ausbau legte man offen. So kündigte man an, dass neben einem pro Die jeweils 3 MiB großen L2-Cache auch ein gemeinsam genutzter L3-Cache zum Einsatz käme, der 16 MiB groß sein sollte. Unklar waren bis dato die Taktraten, Preise und ganz allgemein gefasst die Produktpalette. Eine solche inklusive Taktraten und Preise ist nun den Kollegen von "VR-Zone" in die Hände gefallen. Nachfolgend eine Übersicht über die geplanten 6-Kern-Prozessoren:

. Kerntakt Kerne L2-Cache L3-Cache FSB Preis
X7470 2,66 GHz 6 3x 3 MiB 16 MiB 266 MHz 2729 US-Dollar
E7459 2,40 GHz 6 3x 3 MiB 12 MiB 266 MHz 2301 US-Dollar
L7455 2,13 GHz 6 3x 3 MiB 12 MiB 266 MHz 2729 US-Dollar


Die Preise sind relativ hoch angesetzt. So ist der günstigste Hexa-Core-Prozessor so teuer wie der teuerste Quad-Core-Prozessor - selbes kennt man bereits aus dem Desktop-Sektor mit unterschiedlichen Kernen. Interessant ist, dass Intel trotz drei Penryn-Dies und dem neu hinzugekommenen L3-Cache die Taktfrequenz auf 2,66 GHz ansteigen lässt. Im aktuellen Portfolio reicht die Taktfrequenz bis 2,4 GHz, wobei es auch noch eine 2,93 GHz schnelle Extreme-CPU gibt.

Des Weiteren legt die Tabelle nahe, dass Intel erneut unterschiedliche TDPs ansetzt. Die Prefixe "X", "E" und "L" ordnen den Prozessor bekanntlich in eine Leistungsklasse ein. Bislang stand "X" für 130 Watt TDP, "E" für 80 Watt TDP und "L" für 50 Watt. Ob Intel diese Ordnung bei den Sechs-Kernen beibehält, wissen wir nicht, weswegen wir diese Angabe vorsichtshalber auch nicht in die Tabelle gepackt haben. Anfreunden könnte man sich mit dem Gedanken aber sehr gut: Eine Hexa-Core-CPU mit 50 Watt TDP!

Weiter auffällig ist, dass die L3-Cache-Größe lediglich beim Topmodell 16 MiB beträgt. An dieser Stelle trifft man vermutlich auf ein allgemeines Problem des hiesigen Designs: die Verwertung der Prozessoren. So muss Intel vermutlich ähnlich verfahren wie AMD aktuell bei seinen Triple- und Quad-Core-Prozessoren. Ist ein Kern defekt, wird aus der Quad-Core-CPU eine Triple-Core-CPU. Sind bei "Dunnington" Kerne defekt, wird aus dem Hexa-Core-Prozessor ein Quad-Core-Prozessor. Nicht umsonst hat man praktisch bau- und taktgleiche Quad-Core-Prozessoren des "Dunnginton" ebenfalls im Angebot, wie die nachfolgende Tabelle zeigt:

. Kerntakt Kerne L2-Cache L3-Cache FSB Preis
E7440 2,40 GHz 4 2x 3 MiB 12 MiB 266 MHz 1980 US-Dollar
L7455 2,13 GHz 4 2x 3 MiB 12 MiB 266 MHz 1980 US-Dollar
E7430 2,13 GHz 4 2x 3 MiB 12 MiB 266 MHz 1391 US-Dollar
E7420 2,13 GHz 4 2x 3 MiB 8 MiB 266 MHz 1177 US-Dollar


Diese vier CPUs sollen die Quad-Core-CPU "Tigerton" in Rente schicken. Erneut bietet man Chips mit bis zu 2,4 GHz an, womit es auch zur süffisanten Situation kommt, dass das taktstärkste Intel-Modell in diesem Segment eine Hexa-Core-CPU ist. Die TDP sollte zwischen 50 (L) und 80 Watt (E) liegen, vorausgesetzt - wie oben näher erläutert - Intel hält am TDP-Schema fest.

Interessant ist, dass die L3-Cache-Größe bei einem Modell sogar lediglich 8 statt 12 bzw. 16 MiB beträgt. Dies spiegelt sich auch im Preis wider, so muss für das Modell lediglich 1177 US-Dollar berappt werden. Inwiefern diese Einschränkung Einfluss auf die Performance nimmt, bleibt völlig offen, da Intel seine Core Mikroarchitektur bislang noch nicht um einen L3-Cache erweiterte. Die Hoffnungen sind aber groß: Die Core Mikroarchitektur skaliert sehr gut mit steigender Cache-Größe und hebt dadurch den Nachteil des FSB auf, an den sich die Netburst-Architektur sehr stark klammerte.

Doch obwohl Intel den Einfluss des FSB auf die Gesamtperformance dämen konnte, scheinen 266 MHz für die sechs Kerne viel zu wenig. Vermutlich ist in ihm der größte Flaschenhals dieser insgesamt 1,9 Millarden Transistoren schweren CPU zu finden. Bereits jetzt leiden die 2- und insbesondere natürlich 4-Wege-Systeme am "lahmen" FSB. Durch das verfrachten von mehr Kernen auf ein DIE mit einem gemeinsamen L3 Cache kann Intel die Anzahl der CPU-Kerne erhöhen, die ohne den FSB-Limit mit einander kommunizieren können. Das Problem mit der Kommunikation mit den CPUs im anderen Sockel bleibt allerdings. AMDs Prozessoren, die einen integrierten Speichercontroller besitzen und die verschiedenen CPUs direkt über den schnellen HyperTransport-Link ansprechen können, stellen sich dort deutlich besser, weswegen AMD trotz im Mittel schwächerer Pro/Taktleistung im Server-Segment, sobald mehr als 2 Prozessoren eingesetzt werden, auch oftmals Oberwasser gegenüber Intel genießt.


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2 Kommentare

2.) KonKorT 22.05.2008 - 23:54 Uhr
Ja, das ist korrekt. Das liegt am "L". ;)

Die CPU verbraucht sehr wahrscheinlich lediglich 50 Watt, das lässt sich Intel natürlich zurecht gut zahlen.
Ist bei AMD übringens nicht anders.
1.) mieze 22.05.2008 - 17:41 Uhr
Der Preis der L7455-CPU kann doch nicht stimmen. Laut Tabelle kostet sie nicht weniger als die E7459, sondern genauso viel wie der X7470...^^