AMD stoppt Auslieferung der Barcelona-CPUs

AMDVöllig überraschend stoppte AMD heute per Sofortmaßnahme die Produktion der AMD-Barcelona-Prozessoren, welche seit September an Händler und Distributoren verteilt worden sind. Obwohl die Prozessoren bis dato mehr schlecht als recht erhältlich waren und man eine große Charge erst fürs nächste Jahr versprach, zog AMD nun alle Register und stoppte die komplette Produktion, da der bekannte Bug im Translation Lookaside Buffer (TLB) anscheinend schwerwiegender ist als zunächst vermutet.

Bislang wurde der Fehler lediglich in Verbindung mit Taktraten von über 2,4 GHz gesetzt, weswegen AMD die Modelle Phenom 9500 und 9600 auch vorstellte, den 9700 mit 2,4 GHz Takt aber nach hinten stellte. Ein AMD-Sprecher stellte nun gegenüber der New York Times klar, dass alle K10-Prozessoren von diesem Fehler betroffen wären, einschließlich den "Barcelona"-Server-Prozessoren, weswegen ein sofortiger Stopp der Barcelona-Prozessoren veranlasst wurde.

Konträr dazu meldet der US-Newsdienst TGDaily, dass sie eine Mail von AMD erhalten hätten, in der drin steht, dass man bezüglich der Zahlen des vierten Quartal "weiterhin im Fahrplan liege". Wie man dann zu der Aussage kommt, der Barcelona-Stopp stimme nicht, geht nicht klar hervor, da nicht das Original offen liegt.

Um vermeintlich etwas Licht ins Dunkel zu bringen, hat sich auch noch AMD-Sprecher Phil Hughes zu der Fast-Tatsache gemeldet. Doch mit seinen schwammigen Aussagen hat er eher noch mehr Unklarheit gestiftet:

"Wir haben die Produktion nicht gestoppt und das Auslieferungsdatum nicht verändert. Ferner kann man nur von einem Lieferstopp sprechen, wenn in großen Stückzahlen geliefert wurde. Dies ist aber nur bei bestimmten Kunden der Fall, die große Stückzahlen orderten."

AMD schweigt also den Produktionsstopp tot, indem man mehr oder minder rumeiert, dass sowieso nie jemals Stückzahlen vorhanden gewesen wären. Zwar ist das eine "gute" Argumentation, doch verrät AMD damit gleichzeitig, dass der oftmals in den Medien so gute Barcelona-Start nie existent war. Die Prozessoren scheinen lediglich an wenige, große Kunden gelangt zu sein.

Laut TechReport ist der TLB-Fehler des K10 bereits seit Monaten bekannt. Man war sich also bewusst, als man im September den Barcelona auslieferte, dass dieser einen Fehler in sich trägt. Der Druck von außen, insbesondere die finanziellen Sorgen, haben AMD wahrscheinlich nicht anders handeln lassen können, als ein unfertiges, ja defektes, Produkt auf den Markt zu bringen.

Kurios erscheint im ersten Moment die Tatsache, dass die Phenom-Prozessoren vorerst weiter produziert werden, wo sie doch quasi baugleich mit den Barcelonas sind und ebenfalls den TLB-Bug in sich tragen. Doch es scheint gänzlich einfach: So wird berichtet, dass der TLB-Fehler zumeist unter Einsatz des neuen Features "Nested Page Table", welches häufig bei Virtuellen Maschinen (oftmals Server) in Aktion tritt, ausgelöst wird. Da im Desktop-Sektor für gewöhnlich keine Virtuellen Maschinen erstellt werden, scheint der Phenom weniger betroffen - theoretisch auslösbar ist aber auch bei ihm der Bug.

Um sicherzustellen, dass der Rechner nicht abstürzt - des Öfteren braucht man eine 100-prozentige Garantie -, hat AMD seine Boardpartner dazu aufgefordert, entsprechende Bios-Versionen bereitzustellen, die die TLB des Prozessors deaktivieren. Die Kollegen von TechReport konnten bereits eines dieser Biose antesten und mussten feststellen, dass die Performance des Phenoms durch die Deaktivierung großen Einfluss nimmt. Sprach AMD jüngst von rund 10 Prozent, sind es im Durchschnitt knapp 20 Prozent, die TechReport gemessen hat. In Ausnahmefällen ist gar ein Leistungsverlust von bis zu 50 Prozent zu beobachten. Als Besitzer eines aktuellen Phenoms wird man also vor die Entscheidung gestellt, ein normales Bios aufzuspielen, die gewohnte Performance zu erhalten, aber jederzeit damit rechnen zu müssen, dass sich der Recher sang- und klanglos verabschiedet oder einen bis zu 50 prozentigen Leistungsverlust in Kauf nehmen, dafür aber auch die Sicherheit haben, dass die CPU schnurrt.

Das dies kein "Umstand" ist, hat AMD natürlich auch erkannt und wird mit einem neuen Stepping (B3) zu Beginn des kommenden Jahres den Fehler nach eigenen Angaben ausmerzen. Um die neuen CPUs auch kenntlich zu machen, wird AMD wieder tief in die Marketingtrickkiste greifen und die Prozessoren anstelle von Phenom 9500 bzw. 9600 unter dem Namen 9550 und 9650 verkaufen. Durch diese Ankündigung hat AMD die Verkaufsnachfrage des derzeitigen Phenoms auf quasi Null heruntergeschraubt. Denn wer kauft jetzt noch eine CPU, von der man weiß, dass sie nicht stabil läuft bzw. wenn dann auf Kosten der Performance?

Obwohl der TLB-Bug momentan die volle Aufmerksamkeit auf sich zieht, wollen wir an dieser Stelle nicht verschweigen, dass auch andere Dinge beim Phenom noch nicht rund laufen. So wird mehrheitlich berichtet, dass eingesetzter Speicher lediglich mit maximal DDR2 800 betrieben werden kann, obwohl unter die offiziellen Spezifikationen des Phenom ein DDR2-1066-Support fällt. Zwar schmerzt dieser Bug weniger, dennoch zeigt eher einmal mehr den quasi "Vorserienstatus" der kompletten K10-Generation auf, welche überhastet gebracht werden musste, um der finanziell kritischen Lage Herr zu werden. Man kann AMD und den potentiellen Käufern nur wünschen, dass das B3-Stepping die aller meisten Fehler, und insbesondere den der TLB, auslöscht und den K10 damit auf Kurs bringt. Das schlechte Image ist hingegen nicht mehr so leicht aufzupolieren.


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4 Kommentare

4.) KonKorT 06.12.2007 - 23:16 Uhr
News habe ich noch ein bisschen ergänzt, weil mittlerweile die Ursachen, warum die Barcelona-Produktion gestoppt wurde, gleichzeitig aber die Phenom-Produkt weiterläuft, gefunden worden sind.
3.) KodeX 06.12.2007 - 19:04 Uhr
Der TLB-Fehler ist ja der Verursacher für die schwache Pro/Takt-Leistung, welcher ja jetzt beseitigt wird... die niedrigen Taktfrequenzen stören dann nicht mehr, da man ja sehr einfach übertakten kann...
2.) KonKorT 06.12.2007 - 18:17 Uhr
Das Image ist stark angekratzt. Verspäteter Launch, nicht erfüllte Ziele (bis Jahresende 3,0 GHz), unerwartet schlechte Pro/MHz-Leistung, durchwachsene Verlustleistung (war in Vorab-Test mal deutlich besser) sowie diverse Fehler, bei dem der in der TLB nur den Gipfel des Eisbergs darstellt.
1.) KodeX 06.12.2007 - 18:06 Uhr
Für mich hat der K10 kein schlechtes Image. Solange der Preis stimmt, bin ich zufrieden. Natürlich wünsche ich mir auch stärlkere Prozessoren. Ich bin gespannt, ob AMD mit dem B3 Stepping mit Intel gleichziehen wird...