G35: Erste DirectX-10-IGP ohne wirklich Neues

IntelEs wäre leicht die nötigen Werbesprüche für Intels neusten Chipsatz mit integrierter Grafikeinheit zu finden: Schließlich unterstützt dieser als allererster Chipsatz DirectX 10. Doch ohne jegliche Information vollzog Intel den Launch des neuen Produktes und stellte auf der eigenen Homepage die zugehörigen Datenblätter bereit. Da stellt sich die berechtigte Frage: Wieso gibt Intel dem Topprodukt im Bereich der Chipsätze mit integrierter Grafikeinheit so wenig Aufmerksamkeit?

Da scheint es gleich mehrere Gründe zu geben, wieso diese Aufmerksamkeit nicht gewünscht wird: Zum Ersten unterstützt der Chipsatz zwar DirectX 10, kann es mangels passender Treiber aber wohl erst Anfang 2008 nutzen. Dies wäre zwar noch kein großer Beinbruch, aber es gibt noch mehr Negatives zu berichten: So wird der G35 nur mit der ICH8-Southbridge und nicht mit der neueren ICH9 ausgeliefert, im Gegensatz zum P35 oder dem G33. Dabei sollte letztere eigentlich das kleinere Modell sein.

Doch nicht nur auf die neuen Features der ICH9 muss der G35 verzichten, auch mit DDR3-RAM kann die neue Northbridge nichts anfangen und unterstützt offiziell nur Speicher bis zu DDR2-800. Und das obwohl gerade die Speicherbandbreite ein wichtiges Leistungsindiz für integrierte Grafikeinheiten ist! Dies geschieht wieder im Gegensatz zum G33, diese wurde von Intel offiziell mit einer Unterstützung von bis zu DDR3-1066 ausgestattet.

Und auch bei der Leistungsaufnahme kann der G35 nicht glänzen: Intel spendierte der Northbridge eine TDP von 28 Watt*, die ICH8-Southbridge ist schon länger mit ihrer TDP von 4,1 Watt aufgeführt, sodass der gesamte Chipsatz eine TDP von 32,1 Watt aufweißt. Mit einer Ultra-Low-Voltage-CPU und einer kleinen, halbwegs aktuellen Grafikkarte, die trotzdem mehr Performance bieten würde, könnte man diesen Wert wohl sogar noch unterbieten, was einmal mehr zeigt, dass auch die Wahl des Chipsatzes beim Bau eines stromsparenden PCs eine Rolle spielen sollte. Der bereits mehrmals erwähnte G33 agiert da besser und besitzt eine TDP von 14,5 Watt*, während die ICH9 maximal 4,3 Watt an Leistung aufnimmt und somit der Chipsatz bei einer maximalen Leistungsaufnahme von unter 20 Watt bleibt.

Bei dieser Häufung der negativen Nachrichten werden sich einige Leser die Frage stellen, wo denn nun die Vorteile des neuen Topmodell auf Bearlake-Basis gegenüber seinem direkten Vorgänger, dem G965 liegen. Zu nennen wäre da einerseits der gesteigerte Front-Side-Bus, der jetzt bei quadpumped 1333 MHz liegt, in dessem Zusammenhang auch der Support der Penryn-Familie steht. Diese Taktrate war jedoch auch schon mit fast jedem G965 durch Übertaktungen zu erreichen. Fast alle weiteren Vorteile des G35 wurden jedoch gestrichen. Selbst die früher angekündige native Unterstützung von HDMI und DVI gibt es noch nicht, die Mainboardhersteller sind weiterhin auf Wandlerchips angewiesen. Unterm Strich bleibt noch der DirectX-10-Support, ob der bei der Grundleistung des G35 etwas bringt, bleibt aber abzuzweifeln. Für Intel-Systeme dürfte daher der G33 die Empfehlung unter den Chipsätzen mit integrierter Grafikeinheit bleiben. Auch der Versuch, den AMD 690G aufs Abstellgleis zu stellen, dürfte damit nicht besonders erfolgreich sein. Sind Intels Ingenieure vielleicht anderswo beschäftigt?

* Beide Werte beziehen sich auf den Einsatz der integrierten Grafikeinheit. Bei der Nutzung einer dezidierten Grafikkarte kann es zu Abweichungen kommen.


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