Lange hat es sich angedeutet, dass AMD die Mikrochip-Produktion im Rahmen der Asset-Light-Strategie auslagern möchte, in diesen Tagen ist es nun soweit: Bereits gestern kündigte AMD per Pressemittelung für heute eine wichtige Ankündigung über die zukünftige Strategie des Unternehmens an. Die nun veröffentlichten Informationen entsprechen jedoch nicht genau den Gerüchten der letzten Wochen. TSMC hat wider erwarten mit dem Prozess nichts zu tun, der wichtige Partner AMDs wird die Advanced Technology Investment Company (ATIC) aus dem Wüstenstaat Abu Dhabi.
Dabei gründen AMD und ATIC ein neues Unternehmen mit Sitz in den USA, welches zunächst "The Foundry Company" genannt wird. Die Foundry-Company wird dabei die beiden Dresdner Werke von AMD übernehmen. Der CEO dieses neues Unternehmen wird Doug Grose, der bisher bei AMD arbeitet. President und Chairman of the Board des neuen Unternehmens wird AMDs ehemaliger CEO Hector Ruiz. Das neue Unternehmen soll neben Produktionen für AMD auch Chips für andere Auftraggeber fertigen. Zu diesem Zweck soll eine Dresdner Fab modernisiert und eine dritte Fab im Bundesstaat New York gebaut werden, dort entstehen so 1400 neue Arbeitsplätze. Etwa 3000 Angestellte von AMD wechseln zur Foundry-Company.
ATIC sichert zu, für die Investitionen 3,6 bis 6 Milliarden US-Dollar zur Verfügung zu stellen. Weitere 1,4 Millarden US-Dollar werden von ATIC als Sofortkapital zur Gründung in das neue Unternehmen investiert, zusätzlich fließen noch 700 Millionen US-Dollar direkt an AMD. Da ATIC auch den Anteil an AMD-Aktien auf 19,3 Prozent erhöht, erhält AMD nochmals 314 Millionen US-Dollar für neu emmitierte Aktien. AMD selbst gibt zu guter letzt noch 1,2 Millarden US-Dollar Schulden an die Foundry-Company weiter. Durch diese Transaktionen dürfte der Prozessorhersteller aus Santa Clara einem Großteil seiner finanziellen Probleme entledigt sein.
Allerdings verringert sich auch der Anteil, den AMD an den Produktionsstätten hält: Waren sie bisher vollständig, also zu 100 Prozent in eigener Hand, so wird AMD in Zukunft nur noch 44,4 Prozent an der Foundry-Company besitzen. Die übrigen 56,6 Prozent fallen an ATIC. Im Aufsichtsrat des neuen Unternehmens werden die Plätze jedoch zu gleichen Teilen verteilt: Die Foundry-Company wird Mitglied der IBM-Fertigungsallianz, in der bisher AMD verweilte. Zum 22-nm-Prozess wird man dort die Arbeit sowohl am SOI- als auch am Bulk-Prozess aufnehmen.
Das Hauptquartier der Foundry-Company soll im Silicon Valley platziert sein, wichtige Standorte sollen Austin, New York und Dresden werden. Nachdem die New-Yorker-Fabrik gebaut und die Dresdner Fabrik ausgebaut wurde, will die Foundry-Company weiter expandieren. Falls es dabei nötig werden würde, weitere Fabs zu bauen, hat man sich schon einen Standort ausgeguckt: Es wäre Abu Dhabi. Damit dürfte auch die Motivation der ATIC bzw. der Regierung der arabischen Emirate klar sein: Der Einstieg ins Mikrochip-Geschäft soll eine langfristige Investition sein, da die derzeit sprudelden Öl-Geschäfte auf Grund der begrenzen Fördermengen nicht ewig laufen werden.
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