Xbox One vs. Playstation 4

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Xbox One vs. Playstation 4Das LineUp ist komplett: Sony, Microsoft und Nintendo haben ihre Konsolen der "nächsten Generation" vorgestellt. Zugegeben, Nintendos bereits im vergangenen Jahr erschienene WiiU orientiert sich technisch eher an der letzten Generation und fällt in unserer kleinen Betrachtung des Konsolenmarktes daher raus. Die im Februar vorgestellte Playstation 4 und die erst vor wenigen Tagen präsentierte XBox One (XBone?) hingegen werden sich voraussichtlich ab Ende dieses Jahres ein Leistungs- und Spieleduell leisten.

Technisch gehen die Ingenieure von Sony und Microsoft dabei komplett andere Wege als bei den letzten Konsolengenerationen. Schon bei der XBox nutzte Microsoft größtenteils PC-Technik, um bei der XBox 360 der x86-Technologie mit einem PowerPC-Prozessor den Rücken zu kehren. Nun fährt Microsoft wieder in den Hafen der x86-kompatiblen Hardware ein und findet dort - Überraschung! - Sonys Playstation 4 vor, die auf einen sehr ähnlichen Prozessor setzt. Eine weise Entscheidung, hört man doch immer noch die Klagerufe der von Sonys extravaganter Cell-Architektur gequälten Softwareentwickler.

Cell vs. PowerPC

Tatsächlich bot die Playstation 3 beim Erscheinen deutlich mehr theoretische Rechenleistung als PCs - von der Xbox 360 mit ihren klassischen PowerPC-Kernen ganz zu schweigen. Nur: Rechenleistung bringt in der Theorie genauso wenig wie die hübsche Lady in den Träumen eines Teenagers. Und so lief mit der Zeit die XBox 360 mit ihrer leichter zu handhabenden Architektur der Playstation 3 den Rang ab. Zumindest bei den zahlreichen Multiplattform-Games. Exklusiv-Entwicklungen wie Uncharted bewiesen jedoch, was bei ausgeklügelter Nutzung für Leistung im Cell steckt. Argumentationsketten, PS4 und XBox One wären ebenso wenig miteinander vergleichbar wie PS3 und 360 scheitern aber an der mittlerweile geeinten x86-Hardware der Konsolen. Auch wenn die Betriebssysteme der Geräte noch ein wenig für Unterschiede sorgen können, sind Programmierhürden wie bei Cell nicht mehr zu befürchten.

Platzhirsch AMD

Für die kommende Generation entschieden sich sowohl Microsoft als auch Sony (und zumindest beim Grafikchip auch Nintendo) für eine Lösung aus dem Hause AMD. Das brachte Nvidia bereits dazu, schmollende Statements über den Unsinn der geringen Gewinnmargen für Konsolenchips zu lamentieren, dürfte AMDs Prestige und auch dem Firmenkonto durchaus zugute kommen. AMDs größter Vorteil war dabei das Vorhandensein einer existierenden APU-Lösung auf der aufbauend Sony und Microsoft sich ihre Custom-Designs basteln lassen konnten.

So setzen sowohl die PS4 als auch die XBox One auf die winzigen Jaguar-Rechenkerne von AMD - allerdings kommen bei beiden Herstellern gleich acht dieser Kerne gleichzeitig zum Einsatz. Jaguar bietet für die Konsolenhersteller zahlreiche Vorteile. So sind die Rechenkerne energiesparend (wichtig für leise Konsolen) und flexibel einsetzbar, beherrschen die 64-Bit-Befehle und andere moderne Befehlssätze wie AVX. Zudem lassen sich die Kerne bei AMD flexibel mit Grafikeinheiten koppeln und bieten dann als System-on-Chip, SoC, auf einem Die alle wichtige Funktionen für die Konsole.

Semi-Custom-Design

Wie flexibel AMDs Design ist, zeigt der SoC der Playstation 4: Sony setzt auf einen Speichercontroller für schnelles GDDR5-RAM und verbaut auch gleich 8 Gigabyte des ansonsten für Grafikkarten genutzten RAMs auf der Platine der Konsole. Dank AMDs hUMA-Lösung lässt sich dieser Speicher sowohl von den CPU-Kernen als auch von der Grafikeinheit flexibel und ohne größere Umwege nutzen, was nicht nur der Grafikperformance zugute kommen dürfte, sondern auch der Rechenleistung, vor allem bei Compute-Anwendungen.

Microsoft ist da schon konservativer und setzt weiterhin auf DDR3-RAM, verbaut also eine dem PC größtenteils ähnliche Architektur. Auch bei der XBox One kommen acht Gigabyte RAM zum Einsatz, allerdings soll Berichten zufolge das Betriebssystem satte drei Gigabyte davon für sich beanspruchen, während Sony nur ein Gigabyte für das Betriebssystem reserviert. Getaktet werden sollen die CPUs beider Konsolen mit 1,6 Gigahertz, hier sind aber wohl noch letzte Anpassungen denkbar.

XBox One theoretisch 50% langsamer als PS4

Die größten Unterschiede zwischen Playstation 4 und XBox One gibt es aber bei der für Spiele wohl wichtigsten Komponente: beim Grafikchip. Dieser sitzt bei beiden Designs auf dem CPU-Die und nutzt auch den gleichen Speicher wie die CPU. Während Microsoft aber nur 12 Rechengruppen mit insgesamt 768 Shadereinheiten und 48 Textureinheiten verbaut, setzt Sony auf einen deutlich performanteren Beschleuniger: Die Playstation 4 kann auf 18 Rechengruppen mit insgesamt 1152 Shadereinheiten und 72 Textureinheiten zurückgreifen. Der Takt beider Grafikeinheiten soll bei 800 Megahertz liegen, allerdings sind auch hier noch Optimierungen bis zum Release denkbar.

Während Sony die Graphics-Core-Next-Architektur mit schnellem GDDR5-RAM füttern kann, was dem Datendurchsatz erfahrungsgemäß sehr gut tut, versucht Microsoft die GPU mit 32 Megabyte embedded DRAM zu beschleunigen. Dieser flotte Zwischenspeicher sitzt direkt auf der GPU und soll Rechenbefehle, nicht aber Texturen, zwischenpuffern. Eine vergleichbare Lösung mit 10 Megabyte eDRAM kam bereits bei der XBox 360 zum Einsatz und sorgte dort für eine hohe Leistung im Vergleich zu ähnlich alten PC-Grafikchips.

Rein rechnerisch jedoch ist Sony mit seinen 1152 Shadereinheiten und 72 Textureinheiten gegenüber Microsoft um gute 50% im Vorteil. Dazu kommt der schnellere Systemspeicher, der - korrekt angesprochen - die Performance noch einmal deutlich nach oben bringen dürfte. Microsofts XBox One hingegen wirkt, rein von den technischen Daten her, technisch abgeschlagen und langsam.

Fanboys

Skurril sind nun die Reaktionen der verschiedenen Fangruppen: XBox-Veteranen betonen seit der Präsentation der XBox One permanent, wie unwichtig doch die Grafik für moderne Spiele sei und dass es ja nur auf den Spielspaß und andere Features ankomme. Interessant dabei: Geht es um den Vergleich zu Nintendos WiiU zählt die überlegene Grafik plötzlich doppelt, weitere Features und interessante Gameplay-Tricks sind auf einmal unwichtig.

Doch was bedeuten die technischen Daten der Konsolen nun für die Spielezukunft? Wenig gutes, dank Microsoft. Da sich Multiplattform-Titel gerne an der Performance der langsamsten Hardware orientieren, werden viele Titel wohl eher das Niveau der schwachen XBox One als Standard nehmen und nicht die Leistung der schnelleren PS4 voraussetzen. Denkbar ist allerdings, dass solche Spiele auf der PS4 einfach mehr Effekte und eine höhere Auflösung anbieten, während sie auf der XBox einfach nur etwas schlechter aussehen. PC-Nutzer könnten zumindest auf die Grafik der PS4-Versionen hoffen, was Titan-Besitzer allerdings trotzdem nicht sehr glücklich stimmen dürfte.

Der PC ist tot? Wir denken nicht.

Exklusiv-Entwicklungen für die jeweiligen Konsolen hingegen dürften die Leistung der einzelnen Systeme sehr gut zum Vorschein bringen. Und der PC? Wird sich mit innovativen Technologien wie Oculus Rift weiter von den mehr und mehr auf Heimkino-Unterhaltung getrimmten Konsolen absetzen, weiterhin mehr Leistung bieten und aufgrund der vergleichbaren Systemarchitektur vielleicht sogar wieder als Lead-Plattform dienen.

Alles in allem wirkt vor allem die XBox One stark wie eine Settop-Box mit Gamingfunktionen. Quasi eine Ouya mit potenter Hardware und mit dem spröden Look der 1990er Jahre. Ob und wie sehr sich die serienmäßig mitgelieferte Kinect-Kamera im Alltag etablieren wird, muss die Zukunft zeigen. Bei Multiplattformspielen werden die Möglichkeiten von Kinect schnell untergehen - ebenso wie das Tablet der WiiU. Fuchtel-Einlagen, egal ob per Move, Kinect oder Wiimote hingegen könnten Konsolenspieler immer öfter treffen - wer es mag darf sich freuen, alle anderen haben jetzt die Gelegenheit der guten alten Gaming-Zeit hinterher zu weinen.

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5 Kommentare

5.) rizawi 29.05.2013 - 02:02 Uhr
Dazu brauch ich keine 5k Zeilen, die gleichen Matschköpfe haben schon bei der PS3 und Xbox360 gelabert wie sonst was. Das dann am Ende 0 mehr raus kam gegenüber einem PC, trotz angepasster Software auf ein Gerät, haben wir ja gesehen: 720p maximal, kein AA, keine Physik, keine Weitsicht. Dieses Marketinggesülz zu SoCs ist da bald noch eine Krönung. Minimal gehaltene Systeme haben zwar Vorteile, aber auch Nachteile. Einige immer existierende Faktoren sind Strom und Wärme. Wärme muss man ableiten, eine TDP erst mal vorgeben. Da die Konsolen normale PC Teile verbauen, ist wirklich extrem schwer zu glauben, das die FPS/W mehr als 10% höher sein könnten mit diesen Teilen... Dazu wird der minderwertige RAM, der minderwertige Grafikchip und die Minderwertige CPU beitragen, minderwertige Konsolen halt O.o... Hätte man ein 1000€ Gerät von Nvidia entwickeln lassen, mit einem 8x2Ghz ARM, würd ich solche Theorien mitgehn...

@Luk Luk, prinzipiell seh ich das ja auch so, für mich bräuchte es inhaltslose News vor Release nicht geben, dann wäre das Leben deutlich ruhiger und was bisher zur PS4 und Xbox One kam war zu 99% inhaltslos, denn es wird schon wieder mehr über andere Dimensionen und Warp 2 sinniert, statt über reale Fakten. Der Witz ist, das es doch immer wieder Leute gibt, die den Scheiss glauben :D . Der Artikel hier ist da noch neutral, an anderen Stellen liesst man ja sachen, das sich einem die Haare zu Berge sträuben.
4.) Luk Luk 28.05.2013 - 15:31 Uhr
Ich wette jetzt kommt wieder rizawi mit 5000 Zeilen, die dagegen sprechen. Wartet einfach auf den Release.
3.) WilliWuff 28.05.2013 - 15:24 Uhr
Egi gibt da auch andere wenn auch etwas einsame Meinungen:

Rajat Taneja, Executive Vice President und Chief Technology Officer von Electronic Arts, hat auf LinkedIn (!) einen Artikel veröffentlicht, in dem er sich über die Technologie in Microsofts neuer Spielkonsole Xbox One auslässt. Er stellt in diesem Artikel die Behauptung auf, dass sowohl die PlayStation 4 als auch die Xbox One wegen ihrer SoC-Architektur (System-on-Chip) jedem noch so extravaganten Gaming-PC technsich fünf Jahre voraus sein sollen.
2.) N1truX 27.05.2013 - 12:05 Uhr
Man darf die Konsolen-Vorteile nicht unterschätzen. Eine Architektur auf die man sehr hoch optimieren kann, hUMA usw. bringen oft enorme Vorteile. Mit der Zeit dürfte zumindest auf der PS4 eine Grafik möglich sein, wie sie heute eine 7950 schafft.

Nur wird zum Ende der Laufzeit die Auflösung sicherlich wieder in Richtung 720p oder darunter abrutsch :D
1.) rizawi 25.05.2013 - 01:00 Uhr
Ich schätz die Leistung beider Konsolen ja so ein wie die ihrer Vorgänger. Die Xbox360 und PS3 erreichten mit absoluter Müh und Not das Level von 2000, ihre Nachfolger werden mit hängen und würgen das Level von 2008-2010 erreichen, wenn überhaupt. Nur weil die schöne Filter drüber legen und jetzt endlich mal 1080p schaffen, wachsen noch keine realen Grafikeffekte die auch wenn man bisl genauer hinguckt nach was aussehen. Fakt ist, im Vergleich zu deutlich älteren Spielen sah die Grafik der PS3 schon bei Release mega kacke aus und die Xbox konnte für kurzen Zeitraum gerade so mithalten, aber immer auf Kosten einiger Details. Mit dem was man an Grafik in den neuen Konsolen verbaut, wird sich daran nichts ändern.
Das die Spieldynamik kacke war erklärt sich wohl von selbst, Gamepads sind einfach unendlich limitiert auf einfache Gehirne, da kann man ein anspruchsvolles Spiel nicht im Traum mit bedienen, ganz zu schweigen von einem Simulator o.ä.. Das die Story dann meist Kindergarten einfach ist und dadurch folglich recht flach(man zeige mir gern das Gegenteil) ist nur das logische Ende vom Lied.