Vom schönen Tod des AGP

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Vom schönen Tod des AGPDieses Jahr feiert der Accelerated Graphics Port sein 11-jähriges Jubiläum. Als die Schnittstelle im Jahre 1997 das Licht der Welt erblickte, galt die Technik als revolutionär, nutzte sie doch den Arbeitsspeicher des PCs, um die Grafikkarte zu entlasten. Während der AGP in der ersten Revision der nur 3 Jahre alten PCI-Schnittstelle immerhin ebenbürtig war, konnte er den altersschwachen Rivalen in der Version 3.0 endgültig vernichtend schlagen. Eine Grafikkarte vom Schlage einer Vodoo 5 zog ihrem PCI konterfei in Spielen wie Flatout, UT 2004 oder Call of Duty um bis zu 70 Prozent davon.

Vor etwa 3 Jahren allerdings schienen für AGP alle Messen gesungen. Im Jahr 2005 erschienen die ersten Boards mit der noch heute aktuellen PCI-Express Schnittstelle, welche mittlerweile in der Version 2.0 vorliegt. Während AGP nur für Grafikkarten konzipiert war und in der letzten Revision die praktisch und theoretisch mögliche Leistungsgrenze erreicht hatte, konnten mit PCI-Express auch andere Komponenten angebunden werden und das mit einer noch höheren Bandbreite. Der offensichtlichste Vorteil war jedoch die Möglichkeit, mehrere Karten der gleichen Baureihe über ATI-Crossfire oder Nvidia-SLI miteinander zu kombinieren und so Performanceregionen zu erreichen, die für AGP außerhalb des Machbaren lagen. Das Ende des AGP war endgültig besiegelt.

In den folgenden Monaten stellten dann sowohl AMD für seine Sockel 939- und 754-Basis als auch Intel für sämtliche Plattformen der S478 Serie den Support ein – die Single-Cores wurden praktischerweise gleich mit bestattet. Wer also 2005 noch etliche hundert Euros in damals aktuelle Systeme à la Athlon 64 3000+, 6800 GT oder Pentium 4 Northwood und ATI 9800 XT investiert hatte, stand von heute auf morgen im Regen. Zwar war es in der Folgezeit möglich, zumindest die AMD-Boards auf Dual-Core umzurüsten, grafikkartentechnisch tat sich jedoch lange Zeit nichts.

Einige Monate später, im März des Jahres 2006, fasste sich Nvidia nicht ganz uneigennützig ein Herz und brachte mit 7600 GT/GS, 7800 GS und 7900 GS die neue 7er Generation für den AGP-Port. Dem AGP wurde erneut Leben eingehaucht. Natürlich wollte nun auch ATI ein Stück vom Kuchen und begann, die hauseigenen Karten der X1000er Serie, genauer gesagt die X1650 und X1950, unters Volk zu bringen. Letztere erschien etwa ein halbes Jahr nach den 7000ern von Nvidia und setzte erneut eine Bestmarke. In etwa 20-30 Prozent Mehrleistung waren im Vergleich zur populären 7800 GS von der stromhungrigen X1950 pro zu erwarten. Titel wie Oblivion, FEAR, Half-Life rannten nun auch in hohen Auflösungen wie die Sau vom Schlachter. Der Clou: Im Direktvergleich war die Karte nur bis zu 5 Prozent langsamer als ihr PCI-Express Pendant. Dann war es schließlich lange Zeit ruhig.

Während die AGP-Gemeinde kontinuierlich kleiner wurde, Vista und DirectX 10 Einzug hielten, Intel mit den Core 2 Duos den Prozessormarkt eroberte und die Karten der 8000er Serie 2007 jenseits von gut und böse den Grafikkartenmarkt beherrschten, mussten sich AGP-User damit beglücken, ihre Karten und Hauptprozessoren bis zum Anschlag zu übertakten, um auch aktuelle Spieletitel genießen zu können. Die inzwischen veröffentlichten ATI-Karten der 2000er Serie, HD 2600 und HD 2400 XT/Pro kamen stellenweise nicht einmal an die Leistung einer X1950 pro heran und verkauften sich mehr oder weniger über das DirectX 10-Logo auf der ach so bunten Verpackung – zumindest für Gamer im Nachhinein nicht der Rede wert.

Im November 2007 kam schließlich der Paukenschlag. Diverse Retailer, namentlich Sapphire, PowerColor, später auch GCcube und Club3D kündigten an, zusammen mit ATI an der Portierung einer mittlerweile im High-End Segment etablierten Radeon 3850 zu arbeiten. Der bewährte Brückenchip namens Rialto tat einmal mehr seinen Dienst. Nvidia auf der anderen Seite hatte sich spätestens jetzt endgültig vom AGP verabschiedet und übergab den Markt an ATI.

Nun begann das lange Warten. Sollten die mittlerweile auf Dual-Core hochgerüsteten AGP-Systeme doch noch den Anschluss an die PCI-Express Community finden? Schenkte man eben jener Beachtung lautete die Antwort in der Regel: Nein. Während zu den neuen Karten über Wochen hinweg keine Informationen zu bekommen waren, mehrten sich die Unkenrufe jener, die schon lange für viel Geld auf Core 2 Duo, 8800 GTS und co. umgestiegen waren. „Was willsten damit“… „viel zu teuer“… „AGP ist tot“...hallte es durch die zahlreichen Foren der Hardware-Seiten. Sicherlich die übliche Profilierungssucht, aber vielleicht auch etwas Angst davor, dass ihre Neuanschaffungen an Glanz verlieren könnten.

Anfang Februar war es schließlich soweit. Für etwa 180 Euro waren die ersten HD 3850er für AGP erhältlich. Obwohl insbesondere die PowerColor mit Kinderkrankheiten zu kämpfen hatte, stellte sich immer mehr heraus, dass viele User in der Lage waren, die Leistung ihres Systems in etwa zu verdoppeln. Der oft bemühte 3DMark06 kratzte auf den schnellsten AGP-Maschinen immerhin an der 10000er Marke – völlig unerwartet. Zudem erhielt man Hardware-HD und das alles bei einem moderaten Stromverbrauch. Die Karte mauserte sich dennoch immer mehr zu einem Nischenprodukt à la Ageia PhysX. Selbst heute sind Tests und Reviews bis auf wenige Bemühungen der Community Mangelware. Google spuckt derzeit gerade mal ein brauchbares Ergebnis aus – zu sehr pushen die neuen Generationen in den hart umkämpften Markt.

Die AGP-Gemeinde beläuft sich laut Umfragen diverser Institute auf etwa 30 Prozent aller User. Viele sind es leid, in einem stark fluktuierenden Markt ihr im Kern äußerst brauchbares System gegen ein aktuelles aber genauso vergängliches einzutauschen. Für sie wurde diese Karte veröffentlicht. Es gibt etliche Argumente gegen sie und mit Sicherheit pfeift AGP aus dem letzten Loch. Wenn man allerdings in der Lage ist, für wenig Geld berauschende Bilder wie die eines Crysis auf den heimischen Monitor zu zaubern, kann einem das herzlich egal sein.

Ich für meinen Teil bin dankbar für dieses Stück Technik. Wenn dann schließlich nach all dem Übertakten und Strapazieren GPU oder CPU den Geist aufgeben und mir klar wird, dass es aus der oft propagierten Aufrüstsackgasse kein Entkommen gibt, nehme ich mir wieder ein wenig Geld und versuche mich an Nehalem, Shanghai und co. Dann nämlich werden die Karten neu gemischt. Wer will schließlich schon Quad-Cores und stromfressende Dual-GPU-Lösungen, wenn er Octa-Cores und Grafikkarten haben kann, an die heute nicht zu denken ist. Ich vielleicht, denn mir reicht ja bekanntlich auch weniger.

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4 Kommentare

4.) Nhueng<3 27.03.2008 - 01:39 Uhr
A
ufwiedersehn
G
eiles
P
ort XD
3.) KodeX 23.03.2008 - 11:13 Uhr
AGP - das waren noch Zeiten... als die Sache mit PCIe aufkam, wollte ich es gar nicht wahrhaben xD
2.) dmo60 22.03.2008 - 11:43 Uhr
jaja, die alten zeiten...
hatte bis weihnachten n celeron 3,06ghz und ne radeon 9250 und ich hätte gerne nur meine grafikkarte getauscht, aber da war einfach nichts mehr zu retten
1.) bingomatik 22.03.2008 - 09:50 Uhr
Ich blicke nicht auf die AGP zurück da man mich davon wegvertrieben hat !