Intel wird zur Atommacht

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Intel wird zur AtommachtDer IDF hat eines deutlich gezeigt: Intel steigt zur Atommacht auf. Was 2008 mit den Netbooks begann, setzt sich nun mit Tablets, Fernsehern, Medienspielern und Car-Entertainment-Systemen fort. Intel nutzt seine zahlreichen Atom-Derivate, um neue Märkte zu erschließen, die bisher entweder noch nicht besetzt sind oder klassisches ARM-Territorium waren.

Ein schönes Beispiel hierfür ist D-Links Boxee Box, die im Januar erstmals mit Tegra 2-Innenleben angekündigt und auch heiß erwartet wurde. Nach einigen Verschiebungen zeigte D-Link nun auf dem IDF überraschend eine überarbeitete Version mit neuem Innenleben, die jetzt auf der CE4100 Atom-Plattform basiert statt auf dem Dual-Core-ARM-SoC von Nvidia. Grund waren die besseren Fähigkeiten der Intel-SoCs im Umgang mit High-Profile H.264 HD-Material. Diese vermeintlich kleine Entscheidung zeigt eines deutlich: Intel hat seine verschiedenen Atom-SoCs ganz gezielt auf verschiedene Zielmärkte hin zugeschnitten und ist gewillt, seine x86-Technologie zukünftig in immer mehr Alltags-Produkten unterzubringen. So wird zum Beispiel Googles TV-System in Kooperation mit Intel ebenfalls maßgeblich auf den CE4100 - oder dessen Nachfolger CE4200 - setzen und Intel so wahrscheinlich den Weg in viele heimische Settop-Boxen und Fernseher ebnen.

Ein anderes SoC - Codename Tunnel Creek - ist dagegen speziell auf den Einsatz in Car-Entertainment-Systemen zugeschnitten und unterstützt ganz bewusst die dort anzutreffenden Schnittstellen und bietet gleichzeitig alle Features, die für diesen Einsatz nötig sind. Auch hier hat Intel schon zahlreiche Partner in der Autoindustrie, die zukünftig Atom-SoCs in ihren Fahrzeugen einsetzen wollen.
Was nun noch fehlt, ist das eigentliche Ziel der Atoms: Smartphones. Schon der erste Atom, Codename Silverthorne, sollte eigentlich in den Mobiltelefonen Einzug halten, war aber an einer zu hohen Leistungsaufnahme gescheitert. Nicht anders erging es dem Nachfolger Moorestown. Mit Medfield soll aber auch dieses Problem ab 2011 behoben sein und dank einer Kooperation mit Nokia dürfte es nicht mehr lange dauern, bis wir erste Prototypen von Atom-betriebenen Smartphones sehen, die auch bei der Leistungsaufnahme konkurrenzfähig zu den aktuellen ARM-Prozessoren sind. Damit ist in den kommenden Jahren ein entscheidender Kampf verbunden, nämlich der zwischen ARM- und x86-SoCs.

Hier drängt sich das Wortspiel vom Atomkrieg auf. Intel versucht in vielen Fällen, in klassisches ARM-Territorium vorzustoßen.

Während ARM-Prozessoren zwar schon lange in vielen Geräten eingesetzt werden, waren sie in der öffentlichen Diskussion eher unterrepräsentiert. Das ändert sich aktuell, vor allem angesichts immer schneller werdender Handys und dem boomenden Tablet-Markt, der derzeit allerdings maßgeblich aus Apples iPad - ebenfalls mit ARM-Prozessor - besteht. Doch auch andere Hersteller ziehen bis Jahresende nach und bevorzugen für ihre Tablets derzeit großteils ARM-SoCs gegenüber Intels Atom-Lösungen. Bei Tablets und den dazugehörigen Touch-Betriebssystemen kommt es im Gegensatz zu den bisherigen Einsatzgebieten von x86-Prozessoren im Windows-Umfeld weniger auf eine hohe Leistung als auf lange Laufzeit und lediglich ausreichend Performance an. Da die entsprechenden Apps meist speziell auf die Geräte zugeschnitten sind und eher dem Medien-Konsum als der Content-Creation dienen, spielt hier der im x86-Bereich so wichtige Leistungs-"Headroom" eigentlich kaum eine Rolle. Auch dieser Punkt dürfte sich allerdings mit den neuen Einsatzgebieten der Tablets ändern, denn sobald auf Tablets beispielsweise auch gespielt werden soll oder mal eben einige Bilder bearbeitet werden sollen, dann muss auch die entsprechende Leistung dafür vorhanden sein. Und genau hier hat Intel seine Chancen erkannt und mit seinem Atom einen Feldzug gestartet, um das neue ARM-Territorium zu erobern.

Noch hält ARM dagegen und forciert durch Kooperationen mit den großen Auftragsfertigern - TSMC und Globalfoundries - eine schnellere Nutzung aktueller Fertigungstechniken, um immer mehr Leistung bei gleicher Leistungsaufnahme bieten zu können. Intel geht den umgekehrten Weg, die - im Verhältnis zu den ARM-SoCs recht hohe - Leistung bleibt gleich, aber die Leistungsaufnahme sinkt kontinuierlich. 2011 könnte mit den 28 nm-ARM-SoCs und den 32 nm-Atoms der Punkt erreicht sein, wo sich beide Architekturen treffen, was Leistung und Stromverbrauch angeht. Danach wird es spannend, ob ARM sein Feld behaupten kann oder ob Intel auch hier kontinuierlich seinen Einfluss ausbaut. Um aber Intel das Feld nicht kampflos zu überlassen oder sogar zum Gegenschlag auszuholen, ist ARM momentan bestrebt, mit mehr Leistung umgekehrt auch in klassisches x86-Territorium vozustoßen. Wo aktuell der Cortex A9 MPCore performancemäßig zum Atom aufschließt, soll später mit dem Cortex A15 nochmals nachgelegt werden, denn wenn die ersten Eagle-SoCs marktreif sind, wird Intel schon die zweite Atom-Generation Medfield in 32 nm-Fertigung präsentieren, die dann endlich den Einzug in Smartphones möglich machen soll.

2011/12 werden spannende Jahre, was die Zukunft von x86 angeht. Der wichtigste Punkt wird dabei allerdings nicht die Hardware, sondern wahrscheinlich die dazugehörige Software sein. Wenn Google beispielsweise sein derzeit auf Smartphones zugeschnittenes Betriebssystem Android zu einem vielseitigeren Betriebssystem entwickeln kann, das allen alltäglichen Anforderungen gerecht wird, dann besteht eine große Chance für die ARM-Prozessoren. Auch die zunehmende Verlagerung vieler Anwendungen in die Cloud, also ins Internet, bietet neben vielen Gefahren auch eine große Chance für eine Emanzipierung vom x86-Standard und damit für mehr Konkurrenz im Prozessormarkt. Momentan sieht es allerdings angesichts der vielen neuen Atom-Produkte eher danach aus, als ob zukünftig auch der heimische Kühlschrank auf x86 basieren wird.

Wie sehen Sie die Situation? Hat ARM hier noch eine Chance oder werden sie mittelfristig gnadenlos von der x86-Atom-Power überrollt?

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5 Kommentare

5.) isigrim 25.09.2010 - 14:04 Uhr
Bobcat zielt als Ontario und Zacate erstmal auf Netbooks und Mainstream-Laptops. Prinzipiell bestünde in 28nm die Möglichkeit ihn auch in Tablets einzusetzen. Aber AMD hat selbst gemeint, sie wollen ARM eigentlich keine Konkurrenz machen und sich weiter auf dem Kernmarkt konzentrieren. Damit wird Bobcat fürs Erste nur da mit ATom konkurrieren, wo es um Netbooks Nettops und vielleicht noch Tablets geht. Dagegen will Intel mit Atom genau in die Märkte vordringen, die eigentlich ARM-Territorium sind. Insofern sehe ich Bobcat hier momentan noch etwas außen vor.
Auf die Leistung/Watt bin ich aber trotzdem sehr gespannt, sollte sich bestätigen, was bisher in der Gerüchteküche brodelt, dann könnte die Bobcat-Architektur einer der wichtigsten Grundsteine für AMD in den nächsten Jahren werden.
4.) T1000 25.09.2010 - 13:37 Uhr
Was ist mit AMD sein Bobcat? Zielt der nicht auch auf denn Atom Markt ab?
Die Leistung pro Watt verbrauch soll beeindruckend sein.
3.) isigrim 15.09.2010 - 19:57 Uhr
Es gibt ein Endprodukt mit Tegra 2: Das AC100 von Toshiba. Ein sehr leichtes Smartbook mit Android 2.1
Wir versuchen derzeit ein Gerät für einen Test zu bekommen. Allerdings hätte ich da eigentlich lieber ein ARM-Ubuntu drauf.
Android mag nicht so recht zu einem Gerät mit Tastatur und Touchpad passen, das ist einfach ein natives Touch-OS und ein Touchscreen fehlt dem Gerät.

@Duplex
Ich glaube das ist richtig und Intels größtes Problem bei Smartphones. Die meisten Hersteller werden lieber auf ein bisschen Leistung verzichten (was sie meiner Meinung nach mit den Cortex A9 auch nicht mehr wirklich müssen), als Intel den roten Teppich zu einem Monopol auszulegen. Allerdings gibt es im Smartphone-Bereich ziemlich viel Konkurrenz, was bedeutet, dass einige Hersteller durchaus auf Intel setzen könnten, wenn die Plattform Vorteile bietet.
Das mit der Grafik ist auch richtig: Da hat Intel in den SoCs auch nur PowerVR SGX 530 drin; inzwischen gibt´s bei den ARM-SoCs schon deutlich potenteres, wie zum Beispiel Samsungs Hummingbird mit SGX 540 oder Apples A4 mit SGX 535 bzw. 540. Und ich glaube 28 nm und HKMG wird den Cortex A9 gut stehen, inklusive der integrierten GPUs.
2.) core 15.09.2010 - 19:44 Uhr
Mir fehlt einfach die Fachkompetenz diese Situation zu beurteilen, jedoch verfolge ich die Entwicklung mit großem Interesse. Mir als Verbraucher ist es eben wichtig ein leistungsfähiges Produkt zu bekommen. Gesunder Wettbewerb ist ebenso ganz in meinem Sinne.
Ich glaube, dass Intel das Potential dazu hat, diesen Sektor mächtig aufzumischen…

Aber hört doch auf mit Tegra… seit nunmehr über einem Jahr ständig diese Lobhudelei, aber kein einziges Endprodukt verfügbar?!? Gäbs den Fermi nicht wäre das der Lacher des Jahres… ;)
1.) Duplex 15.09.2010 - 15:18 Uhr
Ich sehe den vorteil klar bei ARM
da es mehrere Hersteller hat und diese sich im notfall gerne beisammen tun um einen "Standard" zu finden der Atoms wegkickt,der grösste nachteil wäre Intels Monopol Stellung man könnte die preisse hoch setzen da man als einziger X86 processoren herstellt für den bereich
jedoch wen Apple und HTC und Samsung auf ARM setzen werden sich Intels CPUs nie richtig durchsetzen , was Nokia plant und macht ist derzeit total unwichtig da Nokia nie so schnell Kunden verliert wie derzeit da sie einfach den Trend verpennt haben und hinzu immer auf Eigenentwicklungen setzen wollen anstatt bereits gutes zu nehmen (z.b Android statt Symbian 2/3/Megoo)

Dann kommt der punkt das Intel vielleicht wirklich Punkten kann aber das nur wohl im CPU lastigen situationen , nehmen wir den Tegra 2 zum beispiel , dieser ist trotz ARM bereits fähig Full-HD filme abzuspielen , Intels Atom konnte das vor kurzem noch nicht und ich sehe hier auch Intels schwachpunkt , den die meisten Handy-Tables setzen auf Multimedia in sachen Surfen-Filme-Ebook da wird einfach keine 1,6ghz Atom CPU gebraucht , die meisten werden damit auf Youtube surfen , ggf. Flash aktiviert haben wollen und Filme anschauen , richtig Spielen kann man ja nicht dazu fehlt es nemlich an der Steuerung und für die Aktuellen spiele die es gibt reicht ein A4 oder Tegra 2 vollkommen aus