Chrome kratzt an Bill Gates Denkmal

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Chrome kratzt an Bill Gates DenkmalGoogle ist mal wieder in aller Munde! Mit der Vorstellung seines ersten Webbrowsers namens Chrome hat es der Suchmaschinenspezilist auf die Titelblätter geschafft. Selbst eher nicht IT-affine Tageszeitungen berichteten ausführlich über die Vorstellung und auch die hiesigen TV-Anstalten ließen es sich nicht nehmen, in der Primetime ausführlich über das neuste Google-Machwerk zu sprechen.

Bei Microsoft dürften indes wahrscheinlich die Stühle geflogen sein. Der mediale Hype scheint nämlich auch schon erste Früchte zu tragen. Angeblich soll Chrome binnen 24 Stunden bereits einen Prozent des weltweiten Browsermarktes erobert haben, was unsere hauseigenen Statistiken nur allzu gut zu bestätigen wissen. Zwar ist dies nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, aber Microsoft, Mozilla und Co. sollten gewarnt sein - Google macht ernst.

Manch' einer mag sich fragen, warum so viel Getöse um einen „läppischen“ Webbrowser gemacht wird, der technologisch ohne jeden Zweifel interessante Ansätze hat, aber grundsätzlich auch „nur“ zum Surfen im Internet taugt. Die Gründe gehen tiefer und sind komplexer, als sie sich nach außen hin darstellen. Es geht im Kern nicht um eine Neuauflage des Browserkriegs, sondern um mehr: Die Zukunft des Desktops.

Die These mag gewagt sein, aber in weniger als einer Dekade könnte die Art und Weise, wie wir mit dem PC arbeiten, eine völlig Andere sein. Es geht hier nicht um Hirngespinste, sondern einfach um die Tatsache, dass das Internet und Onlinesoftware immer mehr an Bedeutung gewinnen. Applikationen wie Photoshop Express sind erst der Anfang. Mit Chrome hat Google nun eine eigene und speziell angepasste Plattform für die Benutzung solcher Web-Applikationen geschaffen.

Natürlich kann und wird ein Browser Windows und Co. nicht vollständig verdrängen können, aber er wird in Bereiche vordringen, die besonders, und vor allem Microsoft, weh tun werden. Schon jetzt erfreut sich zum Beispiel Googles kostenlose Office-Suite großer Beliebtheit und kann - eigenen Angaben zufolge - pro Tag 3000 neue Kunden begrüßen. Der Zug ist für die Redmonder zwar noch nicht abgefahren, aber es ist fünf vor zwölf.

Das Dilemma für Microsoft ist allerdings, dass sie diesen Kampf eigentlich nur verlieren können: Folgen sie Google und investieren massiv in eine konkurrenzfähige Web-Plattform, schwächt Microsoft sein Zugpferd Windows und lockt die Entwickler ins Netz. Andererseits können Steve Ballmer und Co. auch nicht tatenlos zusehen, wie die Konkurrenz davonzieht und sich den Webkuchen selbst einverleibt. Kurzum: Microsoft steckt in einer Zwickmühle.

Ob der potentielle Schwenk weg von Microsoft hin zu Google nicht so etwas wie der berühmt berüchtigte Schritt vom Regen in die Traufe ist, wird die Zukunft zeigen. Vielleicht kommt es ja auch alles ganz anders! Sicher ist nur, eine Glaskugel besitze ich nicht!

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6 Kommentare

6.) (th) 16.09.2008 - 17:07 Uhr
ich werde Google definitiv nicht unterstuetzen. Noch mehr daten von mir kriegen die nciht.
5.) iWoz 07.09.2008 - 09:17 Uhr
@eXEC: Gebe dir vollkommen recht, dass Google in einem unverschämten Maße Daten sammelt.
4.) eXEC 06.09.2008 - 21:33 Uhr
Chrome ist eine Datenschutzkatastrophe, die Nutzungsbedingungen sind unglaublich, hat sich die mal einer durchgelesen? Außerdem hat jede Version ihre eigene Identifizierungsnummer, Daten werden zuhauf mit google ausgetauscht, das Ding wird mittlerweilen sogar bei einigen Foren/Websiten vollständig geblockt!
3.) Christian 06.09.2008 - 01:50 Uhr
Der Chrome-Browser ist und bleibt nur ein schlanker WebKit-Browser mit einem schnellen JavaScript-Interpreter ... Der Hype um Google's ersten Browser ist unbegründet.
2.) mieze 06.09.2008 - 01:14 Uhr
"Bei Microsoft dürften indes wahrscheinlich die Stühle geflogen sein. Der mediale Hype scheint nämlich auch schon erste Fürchte zu tragen."
Buchstabendreher ^^
Mit der Thematik von Web-Applications hab ich mich bislang noch garnicht befasst...ein sehr interessanter Aspekt!...
1.) Luk Luk 05.09.2008 - 21:29 Uhr
Tolle Kolumne, spiegelt meine Meinung eindeutig wieder, Microsoft ist wirklich in Bedrängnis.

Immer mal wieder schön, wie man eine ausführliche Meinung mit seiner eigenen vernküpfen/-gleichen kann!