AMD in der Talsohle: Berg in Sicht!

KOLUMNE » Weiterempfehlen

AMD in der Talsohle: Berg in Sicht!Erst ein Jahr ist es her, da stellte Intel unter großem Brimborium die Core-Mikroarchitektur vor. Und eine gewisse Aufmerksamkeit hatte sie ja auch verdient: Immerhin änderte Intel seine Roadmaps von hochgetakteten Prozessoren mit hoher Leistungsaufnahme hin zu einer effizienteren Bauweise. Doch der blaue Riese schaffte es direkt, eine Hypewelle zu erzeugen. Die bisher so effiziente K8-Architektur der Konkurrenz wurde von einem auf den anderen Tag in Beratungsforen als unbrauchbar hingestellt - gestern noch High-End und heute läuft kein Spiel mehr drauf.

Für gewisse Zielgruppen wie Übertakter war die Aussage ja zumindest richtig. Aber ob bei ALDI oder Saturn ein Athlon 64 X2 4600+ oder ein Core 2 Duo E6300 eingebaut wird, dürfte für den Kunden kaum einen Unterschied machen. Gekauft wird trotzdem der Core 2: Ist ja schließlich nach Intel-Werbung der schnellste Prozessor der Welt - egal welches Modell. Und das Beste: Es funktioniert. Intel wird gekauft.

Zurück zur Core-Architektur, auf deren Basis Intel bereits Quad-Cores gebastelt hat: Den technologischen Vorsprung hat der Prozessorhersteller ausgenutzt, um einen Preiskrieg mit AMD anzufangen - und AMD gründlich die letzten Bilanzen verhagelt. Doch was treibt den blauen Riesen an? Würde AMD ausgelöscht, wäre dies wahrscheinlich auch der Todeshauch für Intel, denn die scharfen amerikanischen Wettbewerbsgesetze dulden keine Monopolstellung, die Intel im x86-Markt dann zweifellos inne hätte. Eine Zerschlagung würde drohen.

Doch dass AMD einfach verschwindet, ist sehr unwahrscheinlich, viel eher findet sich für den maroden Konzern ein Käufer. Denn trotz der zur Zeit hohen Verluste ist AMD für einige Firmen immer noch sehr attraktiv: Mit einem Aufkauf von AMD würde der Käufer nicht nur Zugang zum riesigen x86-Markt erhalten, sondern auch wichtige Patente, Know-How im Grafikbereich sowie Fabriken von echtem Gegenwert.

Kein Wunder, dass da Firmen wie Samsung beim aktuellen Aktienkurs von AMD in Versuchung kommen könnten - würden diese doch dann einen Samsung-PC anbieten können. Und Samsung ist auch für Intel kein Papiertiger: Die Samsung Gruppe fuhr 2005 immerhin knapp den vierfachen Umsatz Intels ein und ist ebenfalls in anderen Wirtschaftszweigen aufgestellt - in Südkorea vertreibt Samsung auch Lebensversicherungen oder Autos und baut in einer eigenen Werft sogar Schiffe. Den Kaufpreis für AMD könnte Samsung vermutlich sogar direkt bezahlen. Doch auch andere Interessenten für AMD sind existent, auch wenn ich persönlich nicht damit rechne, dass IBM sich auf einen direkten Konkurrenzkampf mit Intel einlässt.

Aber auch ganz andere Institutionen dürften ein Interesse am Fortbestand AMDs haben - und damit meine ich nicht nur die deutsche Regierung im Zuge der Arbeitsplatzsicherung: Eine gesunde Konkurrenz auf dem Hauptmarkt ist notwendig, damit das mooresche Gesetz erhalten bleibt - von dem Heutzutage selbst die Weltwirtschaft abhängt. Ein Monopol in diesem Markt wäre daher tödlich, da ein Konzern sicherlich nicht mehr als nötig in die Weiterentwicklung investieren würde. Da stellt sich natürlich die Frage, ob Intel diese Möglichkeiten der Übernahme AMDs nicht eingehend untersucht hat, bevor sie einen solchen Preiskrieg angefangen haben?

Das erscheint mir mehr als unwahrscheinlich. Und so ist wohl davon auszugehen, dass Intel so etwas - als eventuelles kleineres Übel - eingeplant hätte. Denn trotz sehr schlechter Bilanzen bleibt AMD forsch: Die Erweiterung eines der beiden Dresdener Werke für mehr als zwei Milliarden Euro wird genau so vorangetrieben wie der Bau einer dritten Fabrik in New York für mehr als drei Milliarden US-Dollar. Da erscheinen Aktionen wie die Investition in Transmeta für lächerliche 7,5 Millionen US-Dollar gleich in einem ganz anderen Licht.

Alle diese Aktionen gehören in eine Kategorie: den Langzeitplan. In diesen ist auch eine weitere teure Investition AMDs einzuordnen: Der Aufkauf ATIs, der oft kritisch bewertet wird. Aber auch dieser Kauf war eine Zukunftsinvestition. AMD setzt sowieso seit geraumer Zeit alles auf eine Karte: Raus aus dem Schatten Intels, hoch auf den Berg des Plattformanbieters! Dafür sind vor allem Marktanteile nötig: Denn wer in vielen Sparten seine Produkte platzieren kann, der wird auch als leistungsfähig bewertet. Ohne jegliche Benchmarks, sowas passiert direkt im Geschäft. So überstand Intel auch problemlos die Hochzeiten des Athlon 64.

Als Zwerg hat man es da schwieriger, AMD kann die Talsohle der alten K8-Architektur nicht einfach überspringen. AMD weiß das - und versucht mit allen Mitteln zu wachsen. Mit den letzten Quartalszahlen sieht man das ganz deutlich: AMD hat seine Marktanteile im Prozessormarkt um 0,5 Prozentpunkte erhöht, trotz des harten Preiskampfes. Ohne neue Produkte wird das allerdings finanziell schwierig und so muss AMD jetzt schwierige Zeiten überstehen, bis der Phenom kommt: Hoffentlich auch mit großem Brimborium. Denn auf dem Berg kann AMD wesentlich problemloser wachsen - so dass uns Konkurrenzkampf im CPU-Markt, und damit akzeptable Prozessoren und PC-Preise, garantiert bleiben.

Kommentar schreiben

  • Loggen Sie sich oben mit ihren Benutzerdaten ein, um Kommentare zu verfassen.
  • Falls Sie noch kein Mitglied sind, können Sie sich in unserem Forum registrieren.

5 Kommentare

5.) Sennahos 25.07.2007 - 22:45 Uhr
die sprechen sich bestimmt nich ab....
Schön spannend dramatisch, die ganze Aktion dat muss echt sein,,,hehe.
Allein schon weil die Serverteile alles erstes rausgehn, um geld zu ziehn.
Hätten die Kohle würden die Desktop Ableger zumindest zeitgleich serviert werden. Und Fette Ansage die Kolumne
4.) p.a.t.r.o.n 22.07.2007 - 15:39 Uhr
Manchmal kommt mir der Gedanke dass alles geplant ist und INTEL mit AMD ein vertrag haben wer wann seine Geschäfte tätigt.

Und keiner weis davon
3.) Stangmar 21.07.2007 - 10:20 Uhr
kann mich da nur anschließen sehr gut geschrieben großes lob und inhaltlich genau auf meiner wellenlänge
2.) UltraXFX-92 20.07.2007 - 19:50 Uhr
Schöne Kolumne! Noch mehr davon. :-)

Ich teile meine Meinung ungefähr mit deiner.
1.) Luk Luk 20.07.2007 - 18:50 Uhr
gut erklärt, jetz bin ich schlauer!