Es ist circa zwei Jahre her, als Microsoft mit vielen Verzögerungen das neue Windows Vista veröffentlichte. Doch trotz oder gerade aufgrund vieler Neuerungen konnte sich das neuste Windows am Markt nicht wirklich durchsetzen. Nicht abwärtskompatible Grafik- und Soundschnittstellen (DirectX 10, UAA), Probleme mit älterer Peripherie (Drucker, Scanner etc.) mangels fehlender Treiber, ein vermeintlich hoher Ressourcenverbrauch und die zum Teil sehr negative Presse dürften einen Großteil dazu beigetragen haben.
Mit dem Service Pack 1 wollte Microsoft vieles besser machen und schaffte dies auch. Die Festplattengeschwindigkeit legte zu, DirectX 10.1 wurde implementiert und Sicherheitslücken geschlossen. Der höhere Speicherverbrauch ließ sich größtenteils durch die neue Prefetch-Funktion erklären. Doch trotzdem war der Ruf von Vista in der Öffentlichkeit dahin und die potentiellen Kunden blieben sofern möglich bei Windows XP.
Doch warum sollte bei Windows 7 nun alles anders werden? Vista machte vieles neu, aber vor allem anders - Windows 7 aka Windows NT 6.1 baut darauf auf. Da nun bereits viele Kunden mit Vista vertraut sind, sollte der Umstieg auf Windows 7 leichter fallen. DirectX 11 ist DirectX 10 bedeutend ähnlicher und soll auch für Vista veröffentlicht werden – dementsprechend schneller sollte die Verbreitung stattfinden. Das neue Soundmodul wird übernommen und durch OpenAL oder Cratives Alchemy sind entsprechende Alternativen/Umgehungen bereits vorhanden. Auch die Vista-Treiber sind meist kompatibel und die sehr stark gesunkenen RAM-Preise sprechen auch nicht gegen 4 GiB im Rechner.
Sehr gute Voraussetzungen, die es richtig zu nutzen gilt. Bevor wir nun zu Windows 7 an sich kommen, eines bereits vorab: Auf sehr treiberkritische Leistungstests (Spielebenchmarks etc.) haben wir aufgrund des Betastatus (Treiber wie Betriebssystem) verzichtet.
Die von Microsoft am Freitag präsentierte Betaversion von Windows 7 - in unserem Fall Windows 7 Ultimate x64 (6.1, Build 7000) - soll nun zeigen, was im Vista-Nachfolger alles steckt. Der Download ist mit ca. 3,2 GB erfreulich klein und auch die Installation überzeugt.
Diese unterscheidet sich äußerlich wie inhaltlich wenig von der von Vista gewohnten und war in weniger als 30 Minuten abgeschlossen. Erfreulich ist auch die Anzahl der bereits vorinstallierten Treiber. So war die X-Fi Titanium sofort betriebsbereit und auch der Monitor wurde sofort mit seiner nativen Auflösung von 1920x1200 betrieben.
Endlich bekommen wir die „neue“ Oberfläche zu Gesicht. Auffällig ist vor allem die nun nichtmehr offensichtlich vorhandene Sidebar sowie die neue Taskleiste, welche sich besser in das von Vista bekannte „Aero-Glass-Design“ einfügt. Interessant ist letztere nicht nur wegen des Designs, sondern den neuen Funktionen. So werden Tasks nun nicht mehr samt Name angezeigt, sondern lediglich die Symbole. Durch ein einfaches Bewegen der Maus über das entsprechende Symbol erscheinen die enthaltenen Fenster, welche sich per Klick auswählen lassen – auch hierbei wird bei einem „Mouse-Over“ eine Vorschau angezeigt.
Auch ist es möglich, Anwendungen in der Taskleiste zu fixieren – so verschmilzt die Taskleiste mit der ehemaligen Schnellstart-Liste. Beide Funktionen sorgen für ein übersichtliches arbeiten, auch wenn sich die Tasks mal wieder anhäufen.
Eine weitere, interessante Funktion, besonders für User von großen Widescreen-Monitoren, befindet sich „am Rand“. Zieht man ein Fenster - hier Office 2007 - bis an den linken oder rechten Rand des Bildschirms und lässt dieses dann los, wird das Fenster automatisch auf die Hälfte der Bildschirmbreite skaliert. Eine Vorschau der Fenstergröße erfolgt im „Glass-Style“. Am oberen Bildschirmrand wird das Fenster bei gleicher Vorgehensweise maximiert.
Natürlich wurden auch viele Programme aktualisiert. So gehört der Windows Media Player 12 (WMP12) genauso zu Windows 7 wie der Internet Explorer 8. Letzterer befindet sich seit längerem in einer öffentlichen Beta-Phase und kann unserer Meinung nach weiterhin nicht mit konkurrierenden Browsern (Firefox, Opera, Safari) mithalten, insbesondere was die Renderingqualität und den Funktionsumfang angeht.
Der WMP12 hingegen überzeugt. Das Design hat sich im Vergleich zur 11. Version leicht geändert, die Geschwindigkeit ist allerdings bedeutend angestiegen. So dauert das Durchsuchen von Ordnern für die Medienbibliothek kürzer und wird nun auch im Hintergrund durchgeführt. Die erzeugte Medien-Datenbank agiert ebenfalls flinker als die des Vorgängers. Auch ist, im Gegensatz zu Vista bzw. WMP11, bei einem 64-Bit-Betriebssystem sofort die x64-Version aktiv und muss nicht via „CMD-Hack“ aktiviert werden.
Einen Großteil zum gesteigerten Tempo des Media Players sollte die Dual-Core-Optimierung beitragen. So betrug die Auslastung des Testprozessors Phenom X3 62-64 Prozent beim Erstellen der Medienbibliothek, was fast 100 Prozent auf einem Dual-Core entspräche.
Weitere Änderungen betreffen die Netzwerkkonfiguration, welche unserer Meinung nach bei Vista besser angeordnet war. So lassen sich grundlegende Einstellungen erst über ein weiteres Untermenü einstellen und auch fehlen allgemein Konfigurationsmöglichkeiten.
Die oft kritisierte Nutzerkontensteuerung hat ebenfalls ein Update erfahren und ist nun in vier Stufen zwischen „Never notify“ und „Ever notify“ regelbar. Besonders die vorletzte Stufe ist ein guter Kompromiss aus Sicherheit und „nicht störend“. So wird der Desktop nicht gedimmt und eine Meldung erfolgt meist nur bei sehr systemnahen Zugriffen.
Der Windows-Leistungsindex wurde ebenfalls überarbeitet. So ist die maximale Bewertung nun 7,9 und auch die Kriterien scheinen sich geändert zu haben. So erreicht die Samsung Spinpoint F1 640 GB sowie 4x 1 GiB DDR2-1066-Speicher je lediglich 5,9 Punkte.
Einem kleinen Leistungstest wollten wir Windows 7 dann doch unterziehen und verglichen die erreichten Festplattengeschwindigkeiten (Lesegeschwindigkeit) mit HD Tune 2.55 – das Ergebnis war, bis auf reproduzierbar bessere Burst-Rates, letztendlich nahezu identisch. Auch das Kopieren von Dateien geht ähnlich schnell wie unter Vista.
Ein Fazit gibt es aufgrund des Betastatus von uns nicht, einen groben Ausblick konnten wir ihnen aber hoffentlich vermitteln.
Windows 7 sieht nicht nur besser aus, sondern bietet als Gesamtpaket viele, neue und vor allem nützliche Funktionen, die das Arbeiten bequemer und angenehmer gestalten. Die Geschwindigkeit von Windows 7 überzeugt bereits ebenfalls und Abstürze gab es bisher keine zu verzeichnen.
Natürlich gibt es auch hier und da noch Probleme und Unzulänglichkeiten, wie die recht umständliche und trotzdem wenig ergiebige Netzwerkkonfiguration, doch für solche Arbeiten ist die Beta-Phase ja auch gedacht – für (Detail-)Verbesserungen, die der Bedienbarkeit zuträglich sind. Potential ist allemal vorhanden, das es für Microsoft nun gilt, auszuschöpfen.
Laut letzten Gerüchten soll Windows 7 noch Ende dieses Jahres erscheinen. Kunden, die ab dem 1. Juli 2009 eine Vista-Lizenz erwerben, erhalten nach Erscheinen von Windows 7 die Möglichkeit, auf die entsprechende Windows-7-Version umzusteigen.